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DGB-Studie
Weiterbildung ist für viele ein Fremdwort

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann
Foto: Zinken/dpa
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann Foto: Zinken/dpa FOTO: dpa / Paul Zinken
Berlin. Die meisten Beschäftigten sehen bei den Aufstiegschancen in ihrem Unternehmen schwarz, wie aus einer DGB-Studie zur Arbeitszufriedenheit hervorgeht. Doch 80 Prozent identifizieren sich auch mit ihrem Job. Von Stefan Vetter

Acht von zehn Beschäftigten in Deutschland identifizieren sich sehr stark mit ihrer Arbeit. Mit ihren persönlichen Arbeitsbedingungen sind viele allerdings deutlich weniger zufrieden. Das geht aus dem neuen „DGB-Index Gute Arbeit“ hervor, der in Berlin veröffentlicht wurde.


„Psychische Belastungen und Arbeitsstress haben durch den digitalen Wandel zugenommen. Dieser Trend muss umgekehrt werden“, forderte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, bei der Vorstellung der Daten. Sie beruhen auf einer repräsentativen Befragung von mehr als 8000 Beschäftigten. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse im Einzelnen:

Mitwirkung: Nur die Hälfte der Beschäftigten kann bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit ein Wort mitreden. Auf die Arbeitsmenge haben zwei Drittel kaum oder gar keinen Einfluss. Für 43 Prozent der Erwerbstätigen ist betriebliche Weiterbildung eher ein Fremdwort. Nur jeder fünfte Beschäftigte gibt an, dass sein Unternehmen dies „in sehr hohem Maß“ fördert. Und was die Aufstiegschancen im Unternehmen angeht, so sehen hier mehr als zwei Drittel der Beschäftigten für sich schwarz.



Betriebskultur: Immerhin 68 Prozent der Erwerbstätigen fühlen sich von ihrem Vorgesetzten persönlich wertgeschätzt. Nur sechs Prozent gar nicht. Probleme offen anzusprechen ist für gut die Hälfte der Befragten betrieblicher Alltag. Mehr als jeder Dritte (38 Prozent) ist allerdings mit der Arbeitsplanung unzufrieden.

Arbeitszeit: Arbeit am Wochenende ist für 28 Prozent der Beschäftigten gang und gäbe. Von etwa jedem vierten Beschäftigten wird erwartet, dass er außerhalb der Werktore für betriebliche E-Mails und Anrufe erreichbar ist. Und immerhin 14 Prozent erledigen „häufig“ oder „sehr häufig“ unbezahlte Arbeit.

Arbeitsintensität: Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer (52 Prozent) fühlen sich im Job gehetzt. Und fast ein Drittel empfindet eine Überforderung, weil verschiedene, kaum miteinander vereinbare Anforderungen auf sie einstürmen. Beinah jeder vierte Befragte weiß sich deshalb auch nicht anders zu helfen, als Abstriche bei der Qualität zu machen, um sein Arbeitspensum zu schaffen.

Einkommen: Knapp zwei Drittel sind mit ihrem Einkommen zufrieden. Nur neun Prozent sagen, es reiche nicht aus. Wesentlich dramatischer ist die Situation, wenn es um die spätere gesetzliche Rente geht. Hier erwarten 45 Prozent, dass sie damit nicht auskommen werden. Weitere 36 Prozent glauben, dass die Rente gerade so reichen wird. Nur jeder zehnte Beschäftigte macht sich allerdings Sorgen um seinen Job. 90 Prozent dagegen selten oder nie, was wohl vor allem der guten Konjunktur und der positiven Lage am Arbeitsmarkt geschuldet ist.

Ein Schwerpunkt der jährlich vom DGB durchgeführten Befragung waren diesmal Berufe mit besonders intensiven Kontakten zu Menschen wie etwa Patienten oder Klienten. Dabei ist das Gefühl der Beschäftigten in solchen Branchen, etwas Nützliches für die Gesellschaft zu tun, noch stärker ausgeprägt als sonst. Deutlich mehr dieser „interaktiv Beschäftigten“ klagen aber, dass sich ihre besonderen Anforderungen nicht gebührend im Gehalt niederschlagen. Verdi-Chef Frank Bsirske forderte deshalb eine bessere Entlohnung beispielsweise von Pflegekräften und Erzieherinnen.