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Saarländer setzen an Ostern auf besonders gutes Essen
Was sich die Saarländer zum Osterfest gönnen

Hasen haben in diesem Jahr zu Ostern gute Überlebenschancen. Für ihr Festessen setzen Saarländer auf andere Favoriten.
Hasen haben in diesem Jahr zu Ostern gute Überlebenschancen. Für ihr Festessen setzen Saarländer auf andere Favoriten. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Saarbrücken/Völklingen/Pirmasens. Viele Saarländer kochen an Ostern gerne selbst. Regionale Produkte sind besonders beliebt. Wer sucht, findet auch noch in einem Restaurant Platz. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Ostern wird cool im Saarland. Mal kurz ausspannen, durchatmen, innehalten in hektischen Zeiten. Viel Zeit verbringen mit dem Lebenspartner und häufig auch mit der Familie. Grillfans sehen ihre Zeit wegen schlechter Wetterprognosen noch nicht gekommen. Aber auffallend viele Saarländerinnen und Saarländer verwenden nach einer Umfrage unserer Zeitung in diesem Jahr besonders viel Zeit darauf, ein möglichst ansprechendes Osteressen zu Hause zu zaubern.


„Es wird generell wieder mehr selbst gekocht. Und speziell an Ostern geben sich die Meisten mit ihrem Essen sehr viel Mühe“, bemerkt Roman Tschunky, Geschäftsführer von Schröder Fleischwaren in Saarbrücken. „Seit Tagen haben wir höheren Zuspruch in unseren Filialen und höhere Umsätze.“ Viele ließen sich beraten und seien dankbar für Zubereitungstipps. Andere kämen mit konkreten Vorstellungen in die Läden, inspiriert durch Kochshows oder Koch-Apps, mit deren Hilfe man sich im Internet auch alle Schritte der Zubereitung in Ruhe ansehen kann. Bei Schröder sind vor allem Lamm, Kalbsbraten, Rinder- und Schweinefilet sowie Roastbeef gefragt. Offenbar haben Kaninchen diesmal eher Schonzeit. Sie tauchen seltener auf dem Speisezettel auf.

Sehr viele Verbraucher setzen auf regionale Produkte. Das betont auch Thomas Petermann, Chef der Metzgerei Petermann in St. Ingbert-Oberwürzbach. Der Betrieb bedient Kunden aus dem gesamten Saarland sowie aus Rheinland-Pfalz. Renner bei den Speisen sind das Bliesgaulamm und Kalbsrollbraten. „In diesem Jahr werden auffallend große Mengen eingekauft. Viele wollen sich an Ostern offenbar etwas Besonderes gönnen“, sagt Petermann. Die Metzgerei setze auf Produkte aus der Region. Dies zu garantieren wird allerdings offenbar immer schwieriger, besonders auf längere Sicht. Petermann verweist darauf, dass es an der Saar keinen Schlachthof mehr gibt. Man müsse weitere Wege und höhere Kosten in Kauf nehmen. Zudem fänden heute schon 60 Prozent der Saar-Landwirte keinen Nachfolger.

Nach Beobachtung von Hans Lauer, Geschäftsführer des saarländischen Bauernverbandes, hinkt die Witterung in diesem Jahr hinterher. Deshalb müsse man zum Osteressen auf Spargel aus heimischer Erzeugung wohl verzichten. Wenn man ihn doch bekommt, dann stamme er aus Südeuropa. Auch bei den Ostereiern könne es zu Engpässen kommen. „Wir haben im Saarland zu Ostern immer zu wenig Eier“, sagt Lauer. Das Saarland verfüge bei Eiern nur über einen Selbsversorgungsgrad von zehn bis 15 Prozent. Alle anderen Eier kämen aus dem Rest der Republik und aus dem Ausland. Wer sehr kurzfristig zu Ostern Eier, Salat oder Kartoffeln braucht, der könne aber sogar noch am Sonntag und Ostermontag Glück haben. Im Saarland existieren mittlerweile schon zwanzig automatische Verkaufsstationen entlang der Höfe und vor allem entlang belebter Bundes- und Landstraßen. Nach und nach werde das gesamte Saarland damit versorgt. Fleisch finde man dort aber nicht, da man dafür spezielle Kühl-Methoden benötigt, so Lauer. Bioprodukte, gerade auch zu Ostern, seien immer noch beliebt, würden aber weniger vorausgesetzt, wenn man glaubhaft nachweist, dass die Tiere auch unter konventionellen Bedingungen der Haltung artgerecht behandelt werden. Andreas Winckler, Marktleiter von Globus in St. Wendel, sieht klar den Trend zu bewussterem Einkauf. „Es werden viele frische Produkte gekauft, keine Konserven. Auch hochwertige Öle, Essig und Gewürze nehmen zu Ostern einen hohen Stellenwert ein.“ Verkaufsrenner in den Globus-Märkten seien Rinderbraten und Lamm.

Wer lieber essen gehen möchte, kann noch kurzfristig Glück haben, sagt Frank Hohrath, Geschäftsführer des saarländischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Bekannte Namen seien allerdings oft schon seit Wochen ausgebucht. Doch selbst dort komme es vereinzelt mal zu kurzfristigen Absagen. Zum Osteressen, ob daheim oder im Restaurant, bevorzugen viele einen Wein als Begleitung. Frank Roeder, Master of Wine und Chef von VIF Wein erleben in Völklingen, verweist darauf, dass „viele seit 14 Tagen bei uns einkaufen, weil für sie zum Osteressen ein guter Wein gehört“. Am wichtigsten sei den Kunden eine gute Qualität, für die auch mal mehr Geld ausgegeben wird. Was man aber nicht müsse.



Roeder verweist bei Rotweinen auf das Beispiel Spanien. Die dortige Finanz- und Absatzkrise hat dazu geführt, das viele Winzer ihren Wein lieber im Ausland verkaufen. Bei spanischen Wein treffe man auf ein besonders gutes Preis-Leistungsverhältnis. Beim Weißwein seien die deutschen Lagen unangefochten Spitzenreiter. „Wir haben eine riesige Nachfrage nach Weinen aus der Pfalz.“ Aber auch die Region Baden erfreue sich großer Beliebtheit.

Riesiger Beliebtheit erfreuen sich an Ostern die Schokoladenhasen. Und die dürfen manchmal auch ganz groß rauskommen. „Unser größter Hase misst 65 cm und ist drei Kilo schwer“, sagt Tapani Braun, Marketing-Manager der WAWI Schokolade AG in Pirmasens. Sie beliefert weltweit 48 Länder, auch mit Schokoladen-Ostereiern. Tapani lacht, wenn er auf Ostern zu sprechen kommt. In der Produktion bestimmen längst nicht mehr die Hasen das Geschehen. „Wir produzieren jetzt schon unter Hochdruck Weihnachtsmänner. Die haben einen weiten Weg vor sich, wenn wir sie per Schiff nach Übersee schicken.“