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Hotelprojekt
Vorerst kein Hotel bei der Saarland-Therme?

So soll nach den Vorstellungen der Frankfurter Firma KSP Jürgen Engel Architekten das Hotel an der Saarland-Therme einmal aussehen. Die Projektgesellschaft Swiss Management ist damit offenbar nicht einverstanden.
So soll nach den Vorstellungen der Frankfurter Firma KSP Jürgen Engel Architekten das Hotel an der Saarland-Therme einmal aussehen. Die Projektgesellschaft Swiss Management ist damit offenbar nicht einverstanden. FOTO: KAP/IBS / KSP/IBS
Saarbrücken/Kleinblittersdorf. Das geplante Hotelprojekt in Rilchingen droht an der Finanzierung zu scheitern. Auch gibt es Streit wegen angeblich nicht gezahlter Honorare. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Ende November war es noch groß angekündigt worden. Neben die Saarland-Therme soll ein Hotel gebaut werden. 125 Zimmer soll es haben und im gehobenen Vier-Sterne-Level angesiedelt sein. Doch inzwischen wachsen die Zweifel, ob dieses 18 Millionen Euro teure Vorhaben jemals umgesetzt wird. „Von den saarländischen Banken haben wir für diesen Hotelbau wenig Rückendeckung“, sagt Olaf Chalmer. Der Präsident der Luxemburger Projektgesellschaft Swiss Management soll an vorderster Front das Vorhaben realisieren. Potenzielle Investoren von außerhalb, die er kontaktiert hat, hätten eine Eigenkapital-Quote von 40 Prozent verlangt. Auch die Zinssätze, die sie für ihre Finanzierung haben wollen, „sind relativ hoch“, sagt Chalmer. „Wenn die Sache etwas werden soll, müssen lokale Kapitalgeber einsteigen, und es muss politisches Interesse an dem Projekt vorhanden sein“, betont er. Das Wirtschaftsministerium unterstütze die Sache zwar, doch das reicht offenbar nicht. Das Hotelprojekt Saarland-Therme werde von Tag zu Tag uninteressanter.


Das Land ist über die Landesentwicklungsgesellschaft Saar (LEG) in das Vorhaben eingebunden. Um den Hotelbau nach vorne zu bringen, wurde die Firma „Saarland Thermen Resort Rilchingen“ gegründet, an der die LEG, die Gemeinde Kleinblittersdorf sowie die Regionalverbände Saarbrücken und Saargemünd beteiligt sind. Diese Firma hat Anfang November mit der „Rilchingen Hotel UG“ einen Vorvertrag abgeschlossen, um den Bau eines Hotels zu ermöglichen. Dieser Interessent muss „innerhalb von zwei Jahren ein tragbares Konzept zur Errichtung eines Hotels erarbeiten“, heißt es in einer LEG-Mitteilung. Das bedeutet, dass er in dieser Zeitspanne eine Teilfläche von 6000 Quadratmeter kaufen  und spätestens nach Ablauf dieser zwei Jahre mit dem Bau des Hotels begonnen haben muss. Mindestens 125 Zimmer muss es haben und „im architektonischen Stil der Thermenanlage“ gebaut werden – also andalusisch-maurisch. Für den Bau sind weitere zwei Jahre vorgesehen. Sollten die Termine überschritten werden, „ist die Option gegenstandslos“, sagt ein LEG-Sprecher.

Betrieben werden soll das Hotel von der RIMC Hotels & Resorts Gruppe aus Hamburg, einer eigenen Angaben zufolge führenden internationalen Hotelgesellschaft. Als weiteren Interessenten listet die LEG die Münchner Firma „ppb planungs-projektierungsbüro bläsius“ auf. Deren Inhaber ist Rolf Bläsius. Dieser ist auch Chef der Firma „Rilchingen Hotel UG“, des Vertragspartners von „Saarland Thermen Resort Rilchingen“. Auf anderen Briefköpfen heißt die Firma „Rilchingen Hotel Immobilien UG“ und hat ihren Sitz in Föhren bei Trier. UG steht für Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Diese sogenannte Mini-GmbH kann schon mit einem Stammkapital von einem Euro gegründet werden. Üblich sind 1000 Euro, wohingegen bei einer echten GmbH ein Stammkapital von mindestens 25 000 Euro vorgeschrieben ist.

Ungemach kommt auch von anderer Seite. So fühlen sich ein Immobilienmakler aus Hürth bei Köln und ein Ingenieurbüro aus Saarbrücken über den Tisch gezogen. Richard Sigler, Inhaber des Ingenieurbüros, präsentiert eine Projektvereinbarung zwischen Olaf Chalmers Swiss Management und seiner Firmengruppe IBS. Datiert ist sie auf Anfang Juni 2016. Dort bekundet Chalmer sein Interesse, „das Hotelprojekt weiter zu bearbeiten und später bei entsprechend baurechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen als Investor umzusetzen beziehungsweise zu realisieren“. Falls es dazu kommt, sollte die Frankfurter Firma KSP Jürgen Engel Architekten „mit den weiteren Architektenleistungen beauftragt werden“. Richard Siglers IBS sollte „für die bisherige Projektentwicklung und die angefallenen Vorlaufleistungen eine Vergütung von drei Prozent auf Grundlage der Gesamtprojektkosten erhalten“.

KSP und IBS haben ein 22 Seiten starkes Exposé erstellt, wie das Hotel an der Saarland-Therme künftig aussehen kann. Es soll S-förmig neben den Erholungstempel gebaut werden und mit der Therme über eine von Glas umschlossene Fußgängerbrücke verbunden sein. Sogenannte Sonnensegel sollen die Fassade des Hotels prägen (siehe Computeranimation).



Geld für ihre Vorleistungen haben KSP und Sigler bisher nicht gesehen. „Das verärgert mich sehr“, sagt er. Denn er fühlt sich brutal aus dem Projekt gedrängt. Er will seine Vorarbeiten vereinbarungsgemäß vergütet haben. Inzwischen haben die drei Herren, die das Hotelvorhaben derzeit nach vorne treiben sollen, Anwaltspost von Siglers Rechtsbeistand erhalten. Er hat Olaf Chalmer (Swiss Management), Rolf Bläsius (Rilchingen Hotel (Immobilien) UG) und Marek Riegger (geschäftsführender Gesellschafter der Hotelgruppe RIMC) Ende Januar angeschrieben und fordert die vereinbarten drei Prozent für die Projektentwicklung. In der Summe ist das ein satter sechsstelliger Euro-Betrag.

Auch der Hürther Immobilienmakler Rainer Kettenring verlangt eine sechsstellige Provisionssumme. Im Auftrag von Sigler hatte er sich eigenen Angaben zufolge schon 2015 auf die Suche nach einem Hotelbetreiber und einem Investor gemacht und sei mit RIMC als Betreiber auch fündig geworden. Doch spätestens Mitte 2016 hätten sich die Anzeichen verdichtet, „dass ich aus dem Projekt gedrängt werden sollte“. Er solle um seinen Maklerlohn geprellt werden, so Kettenrings Vorwurf.

Chalmer sagt, dass das Hotel-Exposé des Frankfurter Architekturbüros KSP nicht umsetzbar gewesen sei, da für den Hotelbau ein andalusisch-maurischer Stil vorgeschrieben sei. KSP habe jedoch mit diesen Sonnensegeln geplant, was „nicht in die Landschaft passt“. Das Anwalts-Anschreiben mit der Forderung von Sigler ist für ihn „aus der Luft gegriffen“. Bläsius und RIMC-Mitgesellschafter Riegger haben auf Anfragen unserer Zeitung nicht reagiert.