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Weiterbildung
Volkshochschulen als Dienstleister der Wirtschaft

 Carolin Lehberger, Direktorin der Volkshochschule im Regionalverband Saarbrücken, vor dem alten Rathaus am Schlossplatz, in dem viele Kurse stattfinden.
Carolin Lehberger, Direktorin der Volkshochschule im Regionalverband Saarbrücken, vor dem alten Rathaus am Schlossplatz, in dem viele Kurse stattfinden. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Die Volkshochschulen im Saarland haben nicht nur breite Angebote für jeden Bürger, sondern haben auch Unternehmen als Kunden. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

In dieser Woche feiern die 900 Volkshochschulen (VHS) in Deutschland ein rundes Jubiläum: Seit 100 Jahren gibt es diese Bildungseinrichtung. Alleine im Saarland vermitteln 16 Volkshochschulen neue Kenntnisse in nahezu allen Lebensbereichen: von Fremdsprachen über Kochkurse bis hin zu gesellschaftlichen Themen wie den Herausforderungen des Klimawandels und Fähigkeiten, die Teilnehmer beruflich weiterbringen. Das Angebot umfasst hierzu zum Beispiel Computer- und Rhetorik-Kurse, Bewerbertrainings oder auch Anregungen, wie man besser mit Kunden verhandelt.


„Die Volkshochschule ist heute auch ein großer Dienstleister für die saarländische Wirtschaft und ihre Unternehmen“, sagt Carolin Lehberger, Direktorin der VHS im Regionalverband Saarbrücken. Diese unterhält noch weitere zehn Außenstellen. Zu den Kunden gehören beispielsweise große Betriebe wie ZF genauso wie eine wachsende Anzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen aus nahezu allen Branchen. Schulungskonzepte können auf einzelne Betriebe zugeschnitten und bei Bedarf auch vor Ort direkt im Unternehmen vermittelt werden. Denn gerade für kleine Betriebe bedeutet es häufig einen großen Aufwand, Weiterbildung zu organisieren. Schließlich muss gleichzeitig mit weniger Leuten die Arbeit weiterlaufen.

Nach Überzeugung von Lehberger leisten Volkshochschulen in der Region mit ihren zahlreichen Angeboten einen großen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität des Saarlandes als Arbeits- sowie Lebensmittelpunkt. Nahezu alle Altersklassen findet man in den Kursen der VHS.



Wilfried Schmidt vom Verband der Volkshochschulen des Saarlandes verweist darauf, dass im vergangenen Jahr rund 110 000 Teilnehmer Kurse besucht haben, davon 35 000 im Regionalverband Saarbrücken. Für sie standen rund 3000 Angebote zur Auswahl. Schmidt rechnet in diesem Jahr mit einer ähnlichen hohen Zahl an Teilnehmer wie 2018.

Alle Angebote im Land werden mit einem Haushalt gestemmt, der jährlich 14 Millionen Euro umfasst. Darin enthalten sind auch Zuschüsse von den Kommunen, dem Land und der EU. Nur so kann die Größenordnung der Angebote auch weiterhin aufrechterhalten werden. Dies sei jedoch ausdrücklich erwünscht, sagt Wilfried Schmidt. Zumal die Ansprüche im Berufs- und Privatleben heute immer schneller steigen. Der von der VHS gewährleistete Bildungsanspruch sei sogar in der Verfassung des Saarlandes festgeschrieben, sagt Schmidt.

Nach Beobachtung von Carolin Lehberger „verspüren viele Menschen, unabhängig vom Alter, einen starken Wunsch nach persönlicher Weiterbildung“. Exkursionen, Studienfahrten sowie Besichtigungen, zum Beispiel mit einem Blick hinter die Kulissen des Staatstheaters, rundeten das Angebot ab. Für Senioren gibt es die „Akademie für Ältere“, für junge Leute die „junge VHS“ mit 70 Angeboten speziell für diese Zielgruppe.

Die Volkshochschule will nach eigenem Anspruch möglichst alle gesellschaftlichen Schichten und Personengruppen ansprechen. Deshalb liegt ein Schwerpunkt auch auf der Vermittlung von Deutschkenntnissen für Ausländer und Flüchtlinge. Zudem finden an der Volkshochschule zahlreiche Kurse für Einbürgerungswillige statt. In jüngster Zeit gehören zudem Englischkurse in der Justizvollzugsanstalt zum Angebot.

Lehberger ist davon überzeugt, dass die Volkshochschulen im Zeitalter der Digitalisierung ihre Bedeutung behalten und eher noch ausbauen können. Zwar habe jeder heute auch die Möglichkeit, sich viele Informationen online zu besorgen und dabei auch das Lerntempo selbst zu bestimmen, das ersetze jedoch nicht den persönlichen Kontakt zu den Dozenten.