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Stadtwerke Saarbrücken
Unwetter belasten die Stadtwerke-Bilanz

Die Verkehrsbetriebe haben den Stadtwerken Saarbrücken im Jahr 2017 ein Defizit von 16,2 Millionen Euro gebracht. Es werde versucht, das Defizit weiter zu senken, erklären die Stadtwerke-Geschäftsführer.
Die Verkehrsbetriebe haben den Stadtwerken Saarbrücken im Jahr 2017 ein Defizit von 16,2 Millionen Euro gebracht. Es werde versucht, das Defizit weiter zu senken, erklären die Stadtwerke-Geschäftsführer. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Alleine das von Unwettern verwüstete Fechinger Kombibad wird die Stadtwerke 800 000 Euro kosten. Die Bilanz für 2017 ist jedoch insgesamt gut. Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Beim Ausblick auf das aktuelle Jahr sind die Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Severin und Peter Edlinger vergleichsweise zurückhaltend. „So gut wie im vergangenen Jahr wird es wohl nicht mehr werden.“ 2017 haben die Saarbrücker Stadtwerke einen Millionengewinn erwirtschaftet: 4,6 Millionen Euro standen unterm Strich.


Der konsolidierte Jahresumsatz des vergangenen Jahres wird bei rund 231 Millionen Euro liegen (2016 232 Millionen Euro). Das Netz-Geschäft bei der Stadtwerke Saarbrücken Netz verlief 2017 mit einem Beteiligungsergebnis nach Steuern von 10,6 Millionen Euro zwar positiv, jedoch niedriger als im Vorjahr. 2016 konnten noch 16,0 Millionen Euro erzielt werden.

Schon jetzt ist allerdings abzusehen, dass das Jahr 2018 durch Sonderereignisse deutlich belastet wird. Vor allem die Unwetter der vergangenen Wochen werden sich in der Bilanz der Stadtwerke bemerkbar machen. Die Regenfälle haben nicht nur das Fechinger Kombibad verwüstet, auch ein Umspannwerk stand unter Wasser und Teile der Saarbahn-Strecken sind unterspült worden. Am heftigsten schlagen die Schäden im Fechinger Bad zu Buche, das nicht versichert ist. „Wir rechnen hier mit 800 000 Euro Schäden“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Ulrike Reimann.



Insgesamt haben die Stadtwerke das Jahr 2017 mit gutem Ergebnis abgeschlossen. Die Rückgänge im Netzgeschäft begründet Severin mit einem hohen regulatorischen Druck. Auch in den kommenden Jahren werde sich der Gewinn nur noch auf diesem Niveau behaupten, sagt er. Deshalb gelte es, diese Rückgänge in anderen Bereichen auszugleichen. Als Beispiel nennt er Erneuerbare Energien, Energie-Effizienz-Management, Dienstleistungen und Messwesen.

Gerade das Messwesen könnte ein Wachstumsfeld werden. Die Tochter Comet, deren Überschuss 2017 auf 1,8 Millionen Euro gestiegen ist – nach 1,4 Millionen Euro im Vorjahr –, gilt seit Jahren im Feld der Zählerdienstleistungen als Vorreiter. Schon jetzt verkauft sie ihre Leistung deutschlandweit an andere Stadtwerke. Und mit dem kommenden Einsatz intelligenter Zähler bringe Comet das Know-how mit, um die Marktstellung noch auszuweiten. „Wir haben festgestellt, dass wenige Unternehmen in Deutschland in der Lage sind, diese komplette Dienstleistung so zu bieten wie Comet“, sagt Severin.

Positive Ergebnisse lieferte auch der Vertrieb über die Tochter Energie Saar-Lor-Lux. An dem Unternehmen sind die Stadtwerke mit einem Anteil von 49 Prozent beteiligt. Sie brachten dem Unternehmen ein Plus von 5,4 Millionen Euro. Und auch die Stadtwerke-Beteiligungsgesellschaft steuerte mit 763 000 Euro einen ordentlichen Betrag bei.

All diese Gewinne sind dringend nötig, denn zum Geschäft gehören auch zwei kräftige Verlustbringer: Der Bäderbetrieb und der Verkehrsbereich. Der Verlust im Bäderbetrieb fiel zwar mit 2,2 Millionen Euro geringer aus als im Jahr zuvor mit 2,6 Millionen Euro – 2016 war laut Edlinger durch einen Beckenneubau in Fechingen belastet –, trotzdem ist das Bädergeschäft grundsätzlich defizitär; das größte Minus kommt aber mit 16,2 Millionen Euro weiter von den Verkehrsbetrieben. Hier sieht Edlinger die Stadtwerke jedoch grundsätzlich auf einem guten Weg. Der frühere Verlust von 20 Millionen Euro vor Jahren sei schon deutlich reduziert. Dass das Minus 2017 noch einmal 1,8 Millionen höher ausgefallen ist als im sehr guten Jahr 2016 läge an neuen gesetzlichen Regelung­en.

Bei der Frage, ob die Stadtwerke auch künftig für den Verkehr in Saarbrücken zuständig sein werden, sind beide Geschäftsführer optimistisch. Seit 18. Mai sei die geplante Direktvergabe der Verkehrsleistungen durch die Stadt Saarbrücken bei der EU veröffentlicht, jetzt laufe die Drei-Monats-Frist, in der ein Konkurrent einen sogenannten Eigenwirtschaftlichen Verkehr anmelden könnte, also eine Bereitstellung der Verkehrsleistung ohne Zuschüsse. Er gehe aber nicht davon aus, dass das passiert, sagt Edlinger.

Bei den Investitionen von 28 Millionen Euro, die zu einem großen Teil in die Netze mit 17 Millionen Euro und den Verkehrsbetrieb mit acht Millionen Euro flossen, hoben beide Geschäftsführer die drei Millionen Euro hervor, die die Stadtwerke für ein neues Ausbildungszentrum ausgegeben haben. „Angesichts des demografischen Wandels ist es immer wichtiger, hier zu investieren“, sagt Severin. „Das Personal, das wir in Zukunft brauchen, bilden wir auch weitgehend selber aus.“ Dabei geht es nicht nur um die klassischen Stadtwerke-Berufe, sondern auch Fachinformatiker und Anwendungstechniker im Bereich der Informations-Technologie (IT).

Investitionen waren auch im Bereich der Fernwärme nötig, nachdem der Tüv die Fernwärmeschiene Saar stillgelegt hat. Damit ist in der Folge die Reserveenergie aus Völklingen weggefallen. „Wir haben dann prüfen müssen, ob unsere Kapazitäten ausreichen, um die Versorgung sicherzustellen“, sagt Geschäftsführer Severin. Dafür seien auch entsprechende Nachrüstungen nötig gewesen. Aber die kalten Wochen Anfang des Jahres hätten eindeutig gezeigt, dass die Fernwärme weiter sicher sei.

Die Geschäftsführer der Stadtwerke: Thomas Severin (links) und Peter Edlinger.
Die Geschäftsführer der Stadtwerke: Thomas Severin (links) und Peter Edlinger. FOTO: Iris Maria Maurer