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Energie
Ukraine und Russland streiten erneut um Gas

Russland könnte der Ukraine erneut das Gas abdrehen.
Russland könnte der Ukraine erneut das Gas abdrehen. FOTO: dpa / Roman Pilipey
Kiew/Moskau. Die erneut ausgebrochenen Spannungen können auch Auswirkungen auf die Versorgung der EU haben.

Im Gasstreit steuern die Ukraine und Russland auf einen kompletten Abbruch ihrer Lieferbeziehungen zu. Der russische Energieriese Gazprom kündigte am Wochenende Agenturen zufolge in Moskau an, er habe bereits begonnen, eine Auflösung der Verträge mit dem ukrainischen Staatskonzern Naftogaz vorzubereiten. Naftogaz erklärte sich zu Gesprächen mit Russland unter Vermittlung der EU bereit, wie örtliche Medien in Kiew berichteten.


Die Ukraine wollte im März erstmals seit zwei Jahren wieder Gas aus Russland zum Eigenverbrauch kaufen. Der Staatskonzern Gazprom verweigerte die Lieferung und überwies eine ukrainische Vorauszahlung zurück. Es fehlten die nötigen Zusatzverträge, argumentierte Gazprom.

Der Streit kommt kurz nach der Entscheidung eines Schiedsgerichts in Stockholm. Dieses hatte Gazprom zur Zahlung von umgerechnet mehr als zwei Milliarden Euro an Naftogaz verpflichtet. Russland habe weniger Gas durch das Nachbarland geleitet als vereinbart. Der Ukraine gab das Gericht auf, 2018 mindestens fünf Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas zu kaufen.



Gazprom sieht sich vom Gericht übervorteilt. Bereits am Freitag hatte der Konzern angekündigt, die noch bis Ende 2019 geltenden Verträge mit Naftogaz aufzulösen.

Dies könnte vor allem Sorgen in der EU auslösen, denn die Ukraine ist das wichtigste Transitland für russisches Erdgas nach Westeuropa. Seit Gazprom bei früheren Streitigkeiten zwischen Moskau und Kiew vorübergehend die Lieferungen in die Ukraine eingestellt hatte, gibt es in der EU die Sorge, dass es zu Engpässen kommen könnte.

Der Transit nach Europa sei trotz des Streits gesichert, hieß es aber aus Kiew. Auch Russlands Energieminister Alexander Nowak versprach der EU-Kommission in einem Telefonat, es gebe vorerst keinen Grund zur Sorge. „Bis zur gerichtlichen Auflösung des Vertrags zwischen Gazprom und Naftogaz ist der Gastransit über die Ukraine nicht gefährdet“, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

In der Ukraine stand die Versorgung in den vergangenen Tagen wegen der eisigen Temperaturen aber sehr wohl infrage. Die Ukraine importiert Gas vor allem aus EU-Staaten. Aktuell sind es 29 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag.

(dpa)