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Interview
„Trump wird seine Drohung wahr machen“

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) FOTO: Daniel Naupold / dpa
Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist überzeugt: Deutschland würde unter US-Strafzöllen besonders leiden.

Herr Fratzscher, hat Trump jetzt praktisch freie Bahn, um seine angedrohten Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe wahrzumachen?


FRATZSCHER Die hat Trump auch schon vorher gehabt. Denn Strafzölle kann er weitgehend unabhängig vom US-amerikanischen Parlament verhängen. Ich gehe davon aus, dass Trump seine Drohung wahrmacht und sogar noch nachlegen wird. Und zwar in erster Line gegen China, das seinerseits Handelsbarrieren errichtet hat. Insofern sind nicht nur die USA der Buhmann.

Soll die EU besser stillhalten, oder mit Gegenzöllen antworten?

FRATZSCHER Die EU muss mit eigenen Zöllen reagieren. Allein schon deshalb, weil die europäische Volkswirtschaft die einzige ist, die den USA wirksam Paroli bieten kann.

Demnach wäre ein Handelskrieg unausweichlich.



FRATZSCHER Ein Handelskrieg kann durchaus vermieden werden, aber nur dann, wenn Trump einlenkt. Und das wird er nur tun, wenn er von den Europäern Druck bekommt. Insofern ist der Ansatz klug, dass die EU Strafzölle für bestimmte Produkte wie Whiskey oder Motorräder im Blick hat. Sie würden in den USA zwar einen eher geringen wirtschaftlichen, dafür aber großen politischen Schaden anrichten. Denn besagte Produkte werden in Regionen und Wahlkreisen hergestellt, in denen Trump besonders populär ist und auf deren Unterstützung er politisch angewiesen ist.

Welche Folgen hätten die US-Strafzölle für Deutschland?

FRATZSCHER An der deutschen Stahl- und Aluminiumproduktion hängen zehntausende Jobs. Einige davon würden in Gefahr geraten. Und sollten die Strafzölle auch noch auf Autos ausgeweitet werden, wie es Trump angedeutet hat, dürfte der Schaden noch deutlich größer sein. Weit mehr als eine Million Jobs in Deutschland hängen an dieser Branche. Eine solche Eskalation könnte Deutschland schwerlich verkraften. Generell gilt: Die deutsche Wirtschaft hat besonders viel zu verlieren, weil sie stark exportorientiert ist. Die Ausfuhren machen etwa die Hälfte unserer Wertschöpfung aus. In den USA dagegen sind es nur etwa zehn bis 15 Prozent.

Schützt sich die EU nicht auch mit Zöllen vor Billigeinfuhren?

FRATZSCHER Das tut die EU in einigen Bereichen, und das ist auch legal, wenn es sich um Dumping-Importe handelte. Bei den Stahl- und Aluminium-Exporten in die USA kann man davon aber nicht sprechen.

Am Ende sitzt Trump aber doch am längeren Hebel, oder?

FRATZSCHER Auch die USA würden bei einem Handelskrieg verlieren. Denn Stahl- und Aluminiumprodukte würden dort teurer.

Davon würden aber die US-Stahlproduzenten profitieren.

FRATZSCHER Richtig. Vorübergehend wäre das sicher der Fall. Im Gegenzug würden aber in der weiter verarbeitenden Industrie die Preise steigen. Das dämpft die Nachfrage, wodurch ebenfalls Jobs verloren gingen. Nach allen Untersuchungen wäre der Verlust in den weiter verarbeitenden Branchen sogar größer als der Beschäftigungsgewinn in der US-Stahlindustrie. Ich würde allerdings nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass Trump hier für rationale Argumente empfänglich ist. Schließlich hat er mehr Jobs für die heimische Schwerindustrie versprochen. Die Kehrseite hat er nie erwähnt.

Das Gespräch führte Stefan Vetter