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Bahn-Infrastruktur
Schienen-Kahlschlag oder simpler Rückbau?

Streit wegen der Bahn-Infrastruktur im Saarland. Dabei soll doch Verkehr auf die Schiene verlagert werden.
Streit wegen der Bahn-Infrastruktur im Saarland. Dabei soll doch Verkehr auf die Schiene verlagert werden. FOTO: dpa/dpaweb / A3483 Matthias Schrader
Saarbrücken. Die Bahn und die Verkehrsministerien widersprechen Tressel. Von Dimitri Taube

Der saarländische Grünen-Bundestagsabgeordnete Markus Tressel kritisiert die Deutsche Bahn für die Stilllegung und den Rückbau von Weichen, Gleisen und Bahnsteigen im Saarland. In einer Stellungnahme beklagt der Politiker einen „Kahlschlag bei der Bahn-Infrastruktur“.


„Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums wurden seit dem Jahr 2014 im Saarland 53 Weichen, 15 895 Meter Gleisanlagen und etwas mehr als 1000 Meter Bahnsteiglängen zurückgebaut beziehungsweise stillgelegt“, teilt Tressel mit. Neu hinzugekommen seien hingegen lediglich zwei Weichen im Bahnhof Lebach. Damit sei in den vergangenen fünf Jahren die Eisenbahn-Infrastruktur im Saarland nochmals reduziert worden. Dabei sei eine Verlagerung von Personen- und Güterverkehr auf die Schiene dringend notwendig.

Aus diesem Grund fordert der Grünen-Landeschef eine Investitionsoffensive für den Ausbau des Bahnnetzes. Bund und Land sieht er in der Verantwortung, den Ausbau voranzubringen und damit „eine jahrzehntelange verfehlte Verkehrspolitik zu korrigieren“.



„Die Folgen des Infrastruktur-Kahlschlags im Eisenbahnbereich sind gravierend. Fehlende Weichen, Überhol- und Ausweichgleise sorgen regelmäßig bei außerplanmäßigen Situationen für Verspätungen“, heißt es in Tressels Stellungnahme. Richtige Nadelöhre wie in Wemmetsweiler seien entstanden.

Darüber hinaus moniert der Bundestagsabgeordnete: „Der Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene stehen fehlende Gleisanschlüsse entgegen. Zudem behindern immer noch eingleisige Bahnstrecken und die fehlende Elektrifizierung auf mehreren Strecken die dringend notwendige Angebotserweiterung im Personennahverkehr.“

Die Bahn weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet den Rückbau von Weichen und Gleisen im Saarland als „verantwortbar“. Ein Sprecher teilt auf SZ-Anfrage mit, der Rückbau sei „im Zusammenhang mit umfangreichen Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten des Oberbaus in den Bahnhöfen“ erfolgt.

Das Bundesverkehrsministerium bewertet die Lage ähnlich und verweist auf die Pläne, die Strecke zwischen Homburg und Zweibrücken zu reaktivieren. Bis zur Planfeststellung sei die Finanzierung sichergestellt, heißt es in einem Schreiben von Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU). Vorgesehen sei eine Verlängerung der S-Bahn Rhein-Neckar bis Zweibrücken. Ab 2025 sollen die ersten Züge zwischen Homburg und Zweibrücken fahren, hieß es kürzlich.

Auch für das saarländische Verkehrsministerium ist der Rückbau von Weichen und Gleisen unproblematisch. Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich bei den rückgebauten Weichen um solche, die nicht mehr genutzt wurden. Einfluss auf die Verkehrsinfrastruktur habe der Rückbau nicht.

Von den rund 16 Kilometer stillgelegten und zurückgebauten Gleisen entfielen laut Ministerium elf Kilometer auf die Strecke Türkismühle-Freisen – und dort gebe seit 2012 keinen Bahnbetrieb mehr. „Der Landkreis St. Wendel und die anliegenden Gemeinden planen, die Strecke zum Bau eines Radweges zu nutzen“, schreibt das Ministerium. Weiter heißt es: „Die restlichen Maßnahmen verteilen sich auf ungenutzte Bahnhofsanlagen im gesamten Saarland.“

Einen Zusammenhang von Gleisrückbau und Verspätungen sieht das Verkehrsministerium nicht. Generell verfüge das Saarland über eine gut ausgebaute und leistungsfähige Eisenbahninfrastruktur. Auch sei das Saarland bundesweit das Flächenland mit dem höchsten Anteil an elektrifizierten Bahnstrecken, erinnert die Behörde.

Der Grünen-Abgeordnete Markus Tressel kritisiert, dass die Bahn zu viele Schienen und Weichen abbaut.
Der Grünen-Abgeordnete Markus Tressel kritisiert, dass die Bahn zu viele Schienen und Weichen abbaut. FOTO: Alle Rechte beim Dt. Bundestag / Achim Melde