| 21:25 Uhr

Startups an der Saar
Suhler Firma Zila setzt auf Standort an der Saar

Zila-Geschäftsführer Steffen Wiedmann (l.), gemeinsam mit seinem Leiter für Forschung und Entwicklung, Eliseo Pignanelli, der den Standort in Saarbrücken verantwortet.
Zila-Geschäftsführer Steffen Wiedmann (l.), gemeinsam mit seinem Leiter für Forschung und Entwicklung, Eliseo Pignanelli, der den Standort in Saarbrücken verantwortet. FOTO: Rich Serra
Saarbrücken. Die Prozesstechnik-Firma Zila hat nebem dem Zema ihre Saarbrücker Filiale gegründet. Ursprung war eine Forschungs-Kooperation. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Noch sieht es bei der Firma Zila in Saarbrücken übersichtlich aus. Wenige Schreibtische füllen den großen Büroraum in einem Gebäude hinter dem Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema) am Eschberger Weg. Das allerdings werde nicht so bleiben, sagt Zila-Geschäftsführer Steffen Wiedmann. Bereits Mitte des Jahres sollen hier fünf bis sechs Mitarbeiter arbeiten, mit den Plätzen für Studenten sollen dann zwölf Arbeitsplätze belegt sein.


Der Zila-Standort in Saarbrücken ist noch ganz jung. Erst im Oktober ist die Dependance des Suhler Spezialisten für Gebäude-, Haus- und Prozesstechnik an den Start gegangen. „Seit November haben wir Internet, dann war Weihnachten“, sagt Wiedmann. „Genaugenommen legen wir erst jetzt richtig los.“

Zila, das ist eine Mischung aus Startup und etabliertem Ingenieurbüro. Die Ursprungsfirma besteht zwar schon seit 1992, stand aber seit 2008 zur Nachfolge an. „2014 habe ich mit meinem Bruder das operative Geschäft übernommen“, sagt Wiedmann. Die beiden Brüder, Steffen als Kaufmann, Frank als Spezialist für Mess- und Automatisierungstechnik, haben sich vorgenommen das Unternehmen auszubauen. Quasi als Startup sind sie mit sechs Mitarbeitern an den Start gegangen und haben die Zahl mittlerweile auf 13 mehr als verdoppelt. Und das Wachstum soll weitergegen. „Saarbrücken spielt dabei für uns eine wichtige Rolle.“ Denn der Saar-Standort soll künftig die komplette Entwicklung im Bereich der Prozesstechnik übernehmen.

Die Entscheidung für Saarbrücken und auch der Standort beim Zema sind kein Zufall. Denn Zila kooperiert schon länger mit dem Zema. Der heutige Zila-Forschungsleiter und Leiter der Saarbrücker Niederlassung, Eliseo Pignanelli, hat am Zema mit einem Forschungsprojekt promoviert, bei dem er bereits mit den Thüringern zusammengearbeitet hat. Der von ihm entwickelte Sensor soll nun auch das erste Produkt aus Saarbrücken werden: Ein Sensor, mit dem Öl, andere Flüssigkeiten und Gase untersucht werden können. „In der Anwendung mit Ölen kann es beispielsweise den Wassergehalt oder die Konzentration von Additiven messen und so die Wartungszyklen optimieren“, sagt Pignanelli. Ein weiteres Produkt, das in Saarbrücken optimiert werden soll: Ein so genannter Sicherheitsdruck-Begrenzer für Kälteanlagen. „Den haben wir bereits seit Jahren als einziger Hersteller weltweit im Programm, aber er ist noch zu teuer“, sagt Wiedmann. Das Saarbrücker Team soll das Gerät nun optimieren und mit neuer Technik preiswerter machen.

Den Standort Saarbrücken, der erste von mehreren geplanten Standorten in Deutschland, hat Zila einerseits wegen der Nähe zur Forschung gewählt: Mit Zema, HTW und Uni sei hier ein reiches Forschungspotenzial vorhanden, sagt Wiedmann. Es sei hier aber auch leichter Personal zu finden als in Thüringen. „Wegen unserer Expansion haben wir großen Bedarf an Ingenieuren“, sagt Wiedmann. Aktuell sucht Zila vor allem einen Software-Architekten, da die aktuelle Mitarbeiterin promovieren will. „Was Personal angeht, fühlt sich Saarbrücken besser an als Suhl“, sagt Wiedmann. Dabei helfe auch, dass Zila auch weiterhin bei Forschungsprojekten im Saarland engagiert ist.



Obwohl Saarbrücken vorerst vor allem als Entwicklungseinheit agiert, sieht Wiedmann sie als Wachstumsstandort. Mittelfristig sollten hier auch Vertriebsmitarbeiter angesiedelt werden. Und auch räumlich gebe es noch Möglichkeiten: „Hier gibt es noch mehrere Etagen, die wir auch beziehen können“, sagt Wiedmann. Letztlich sei die Filialgründung auch ein Schritt auf dem Weg zur Spezialisierung. Historisch hätten die beiden Brüder mit dem Geschäft des Entwicklungsbüros auch einen Bauchladen von Produkten übernommen: „Die früheren Besitzer haben sehr viele Problemlösungen entwickelt“, sagt Wiedmann. Die besten dieser Produkte sollen nun weiterentwickelt und Zila damit als Spezialist dauerhaft etabliert werden.