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Studienkredite bedrohen die US-Wirtschaft

Immer wieder protestieren Studenten gegen die hohen Studiengebühren. Bislang vergeblich. Foto: Garcia/dpa
Immer wieder protestieren Studenten gegen die hohen Studiengebühren. Bislang vergeblich. Foto: Garcia/dpa FOTO: Garcia/dpa
New York. Die weltgrößte Volkswirtschaft ächzt unter einem rasant wachsenden Berg an Studienkrediten. Das Problem der College- und Uni-Absolventen wird mehr und mehr zur Belastung für die US-Konjunktur. dpa-Mitarbeiter Hannes Breustedt

Wer in den USA studiert, macht neben seinem Abschluss oftmals auch noch jede Menge Schulden. Schulden, die viele Amerikaner ein Leben lang begleiten. Einen billionenschweren und rasant wachsenden Berg von Studienkrediten schiebt das Land inzwischen vor sich her. Jetzt warnt die Ratingagentur Moody's : Die steigende Schuldenlast bedroht den US-Konsum und damit den wichtigsten Pfeiler der weltgrößten Volkswirtschaft .



"Die Studienkredite in den USA betragen nun mehr als 1,3 Billionen Dollar und diese Zahl dürfte in absehbarer Zeit weiter zunehmen", sagt Moody's-Analyst Charles O'Shea. "Studienkredite sind nach Hypotheken die zweitgrößte Schuldenquelle der US-Haushalte", erläutert Expertin Susan Dynarski von der Brookings Institution . Sieben Millionen Kreditnehmer könnten ihre Schulden nicht mehr bedienen, und Millionen mehr seien in Zahlungsverzug.

Das Hochschulsystem in den USA ist für Studenten deutlich teurer als etwa in Deutschland. 2015 wurden an privaten Colleges im Schnitt 32 405 Dollar pro Jahr an Gebühren fällig. Auch die öffentlichen Einrichtungen gehen ins Geld. Je nachdem, ob US-Bürger im eigenen Bundesstaat oder in einem anderen studieren, liegen die jährlichen Kosten durchschnittlich bei 9410 oder 23 893 Dollar . Diese Summen kann kaum ein Student aus eigener Tasche stemmen. Wer keine reichen Eltern hat, nimmt deshalb in der Regel einen Kredit auf. Laut Experte O'Shea werden in den USA jährlich 160 Milliarden Dollar fällig, um diese Schulden abzubezahlen. Bei Konsumentenschulden gibt es aber in keinem Bereich höhere Ausfallraten als bei den Studienkrediten.

Beunruhigend ist auch das Tempo, mit dem die Verschuldung zunimmt. Während die Einkommen von College-Absolventen in den letzten sieben Jahren im Schnitt um lediglich drei Prozent zugelegt hätten, seien die Schulden im gleichen Zeitraum um rund 53 Prozent geklettert, rechnet O'Shea vor. Wer trotz Abschluss keine oder nur schlecht bezahlte Jobs findet, landet in der Schuldenfalle. Erschwerend hinzu kommt, dass der Markt für Darlehen als Becken voller Kredithaie gilt.

Analyst O'Shea fürchtet, dass die angespannte Lage bei den Studienkrediten zum volkswirtschaftlichen Problem wird. Denn seit 2014 befänden sich diese Schulden nicht mehr hauptsächlich bei den jüngeren Bürgern, sondern bei der mittleren Generation der 30- bis 39-Jährigen. Die gibt eigentlich besonders viel Geld aus, an ihr hängt maßgeblich der US-Konsum. Die Studienkredite, die vielfach gar nicht in einem Berufsleben abbezahlt werden können und mit in die Rente genommen werden müssen, zehren am verfügbaren Einkommen. "Es wird ohne Zweifel negative Folgen geben", sagt O' Shea. Durch die Schulden bleibe weniger Geld für den Konsum übrig. Größere Anschaffungen etwa von Autos oder Häusern könnten aufgeschoben oder abgeblasen werden. Das träfe die USA ins Mark. Denn über zwei Drittel der Wirtschaftsleistung hängen am Konsum.