| 20:50 Uhr

Reichtum und Armut
Studie: Soziale Benachteiligung nimmt zu

Berlin. Laut Oxfam weist Deutschland die zweithöchste Ungleichheit innerhalb der Eurozone auf.

(epd/dpa) Kurz vor dem Start des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos hat die Entwicklungsorganisation Oxfam vor einer wachsenden sozialen Ungleichheit in der Welt gewarnt. Derzeit besäßen 42 Milliardäre so viel Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, teilte Oxfam in Berlin mit Verweis auf eine neue Studie mit, die heute veröffentlicht wird. Das Hilfswerk beruft sich dabei auf Daten zur globalen Vermögensverteilung der Schweizer Großbank Credit Suisse sowie auf die Reichenliste des Wirtschaftsmagazins Forbes für das Jahr 2017.


Auf Basis dieser Daten habe das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung vor einem Jahr noch dem der reichsten 61 Personen entsprochen. Der Trend zur zunehmenden Vermögenskonzentration auf wenige Milliardäre verschärfe sich damit drastisch, sagte die Oxfam-Expertin für soziale Ungleichheit, Ellen Ehmke. Die Hilfsorganisation korrigierte damit ihre Zahlen vom vergangenem Jahr, wonach 2016 weltweit acht Milliardäre so viel Vermögen hatten wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. In die neuesten Daten seien bereinigte Statistiken der UN zur Berechnung der Weltbevölkerung sowie neue Zahlen aus Russland, China und Indien eingeflossen, hieß es.

Zu der WEF-Jahrestagung in den Schweizer Alpen werden vom 23. bis 26. Januar mehr als 3000 Teilnehmer erwartet, darunter etwa 70 Staats- und Regierungschefs wie US-Präsident Donald Trump, der französische Staatschef Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch Hunderte Vorstandsvorsitzende globaler Konzerne kommen nach Davos.



Laut dem Oxfam-Bericht „Reward Work, not Wealth“ („Arbeit, nicht Vermögen belohnen“) haben 2017 die 3,7 Milliarden Menschen, die die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, überhaupt nicht vom Vermögenswachstum profitiert. Der Graben zwischen Reich und Arm vertiefe sich damit weiter. Als Ursache dafür sieht die Hilfsorganisation vor allem „Konzerne und Superreiche“, die ihre Gewinne erhöhen, „indem sie Löhne drücken und Steuern vermeiden – auf Kosten normaler Arbeiter und Angestellter sowie des Allgemeinwohls“. So drücke das reichste Prozent der Bevölkerung sich durch Streuertricks um Steuerzahlungen von etwa 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr, erklärte Oxfam. Entwicklungsländern entgingen durch die Steuervermeidung von Konzernen und reichen Einzelpersonen mindestens 170 Milliarden US-Dollar an Steuereinahmen pro Jahr. Das sei mehr als die gesamte weltweite Entwicklungshilfe von rund 145 Milliarden US-Dollar.

Auch in Deutschland sei soziale Ungleichheit ein Problem. Bei der Vermögensverteilung weise die Bundesrepublik nach Litauen die zweithöchste Ungleichheit innerhalb der Eurozone auf, erklärte die Organisation. Das Vermögen des reichsten Prozents der deutschen Bevölkerung sei zwischen 2016 und 2017 um 22 Prozent, das der ärmeren Hälfte hingegen nur um drei Prozent gewachsen.

Oxfam fordert unter anderem von der Bundesregierung, die Steuervermeidung von Konzernen und Superreichen zu stoppen, faire Einkommen für Frauen und Männer durchzusetzen und in Bildung sowie Gesundheit für alle zu investieren. So müssten Konzerne verpflichtet werden, öffentlich zu machen, wo und in welcher Höhe sie auf ihre Gewinne Steuern zahlen. Weltweit sollten verbindliche Mindeststeuersätze vereinbart werden. Zudem sei die Einführung einer umfassenden Finanztransaktionssteuer nötig. Diese Mittel müssten für die weltweite Armutsbekämpfung und den internationalen Klimaschutz eingesetzt werden, erklärte die Entwicklungsorganisation.