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Streiktag bei Halberg Guss
Gewerkschaft will „zurück an den Tisch“

Mitarbeiter des Autozulieferers Neue Halberg Guss am Mittwoch bei einer Kundgebung in Saarbrücken.
Mitarbeiter des Autozulieferers Neue Halberg Guss am Mittwoch bei einer Kundgebung in Saarbrücken. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Hunderte Beschäftigte des Autozulieferers Neue Halberg Guss (NHG) haben am Mittwoch in Saarbrücken Klarheit über die Zukunft ihrer Arbeitsplätze verlangt.

Sie legten am Morgen ihre Arbeit für 24 Stunden nieder und zogen in einer Demonstration vor den saarländischen Landtag. „Wir wollen den öffentlichen Druck erhöhen, eine Lösung zu finden“, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Saarbrücken, Hans Peter Kurtz.


Zudem wollten die Beschäftigten gegen die Geschäftsführung der HNG protestieren, die sich „in einer menschenverachtenden Weise gegenüber den Arbeitnehmern aufführt“.

Nach einer von der Geschäftsführung für gescheitert erklärten Schlichtung müssten die Parteien „jetzt wieder zurück an den Tisch kommen“, sagte der Zweite Bevollmächtigte der Gewerkschaft, Patrick Selzer.



Steht die NHG vor einem Verkauf?

Und dies sowohl mit der Gewerkschaft als auch mit einem möglichen Käufer. „Meiner Kenntnis nach läuft noch ein Verkaufsprozess“, sagte er. Der Zulieferer von Motorblöcken und Antriebswellen gehört zur bosnisch-deutschen Prevent-Gruppe der Familie Hastor. Wichtig sei, dass der Verkaufsprozess „schnell über die Bühne geht“, sagte Selzer.

1300 Beschäftigte bei Streiktag

Bei dem Streiktag am Standort Saarbrücken beteiligten sich in drei Schichten insgesamt „um die 1300 Beschäftigte an dem Ausstand“. Bei der Kundgebung und der Demo am Vormittag seien rund 800 Menschen dabei gewesen, sagte Selzer – die Polizei sprach von 600.

Mit Trillerpfeifen, Plakaten und Lautsprechern waren sie zum Landtag gezogen, wo die Abgeordneten in einer Plenarsitzung tagten. Dort hätten Politiker verschiedener Fraktionen ihre Solidarität bekundet – und „dass sie hinter den Beschäftigten stehen“, sagte Selzer.

Gewerkschaft: „Der Sand rinnt durch die Zeituhr“

Die Mitarbeiter seien stets bereit, um ihre Arbeitsplätze zu kämpfen. Aber es zehre an ihnen: „Wenn das so lange geht, schlägt sich das schon in der Gefühlswelt der Leute nieder. Der Sand rinnt durch die Zeituhr. Es wird immer knapper, es ist eine sehr bedrückende Geschichte.“

Auch weiterhin werde es Aktionen in kurzfristigen Abständen geben, kündigte er an. Man schließe nicht aus, dass es erneut auch „zu einer weiteren längeren Arbeitskampfmaßnahme“ kommen könnte. Einen Streiktag hatte es auch am Dienstag am Standort Leipzig gegeben.

Die Geschäftsführung der NHG hatte vergangene Woche das Schlichtungsverfahren um einen Sozialtarifvertrag für gescheitert erklärt. Ein „Stellenabbau in deutlich größerem Umfang als noch im Juni angenommen“ sei nun nicht mehr auszuschließen, hieß es.

Ursprünglich sollte die Leipziger Gießerei mit 700 Beschäftigten Ende 2019 geschlossen werden. Im Stammwerk Saarbrücken war ein Abbau von 300 der 1500 Jobs erwogen worden. Die Schlichtung lief seit Ende Juli – vorher war rund sechs Wochen gestreikt worden.

(dpa)