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Thyssen-Krupp und Tata
Stahlkocher billigen Fusions-Tarifvertrag

Mitglieder des Betriebsrats von Thyssen-Krupp zählen die Stimmzettel zum Tarifvertrag für die Fusion mit der indischen Tata aus.
Mitglieder des Betriebsrats von Thyssen-Krupp zählen die Stimmzettel zum Tarifvertrag für die Fusion mit der indischen Tata aus. FOTO: dpa / Roland Weihrauch
Düsseldorf. Thyssen-Krupp hat eine weitere Hürde zum geplanten Zusammenschluss der Stahlsparte mit Tata genommen.

Mit einem „Ja“ zum Tarifvertrag zur Fusion mit dem Konkurrenten Tata haben die Stahlkocher von Thyssen-Krupp Rückenwind zu einer Neuordnung des Konzerns gegeben. 92,2 Prozent der befragten IG-Metall-Mitglieder votierten bei der Abstimmung dafür, teilte die IG Metall mit. Damit sei ein Schutzschild für die Beschäftigten geschaffen worden. Betriebsrat und Gewerkschaft hatten für eine Zustimmung zu dem Tarifvertrag geworben, der nach massiven Protesten der Belegschaft ausgehandelt worden war.


„Die Mitglieder der IG Metall an den Stahlstandorten haben sich mit deutlicher Mehrheit für den Tarifvertrag entschieden und damit eine gute Zukunftsperspektive für das geplante Joint Venture geschaffen“, sagte Thyssen-Krupp-Personalvorstand Oliver Burkhard.

Vor einer Zustimmung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat müsse nun noch die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Fusion nachgewiesen werden, hieß es von der Gewerkschaft. Notfalls könnte die Fusion aber auch gegen die Stimmen der Arbeitnehmerbank beschlossen werden.



Das Votum der Beschäftigten galt als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu der Stahlfusion. Laut dem Tarifvertrag sollen die über 21 000 Beschäftigten der Thyssen-Krupp-Stahlsparte unter anderem eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erhalten.

Das Unternehmen hält weiterhin an der geplanten Streichung von 2000 Stellen in Deutschland sowie an der Verlagerung des Unternehmenssitzes in die Niederlande fest. Mit dem neuen Tarifvertrag seien jedoch Standards gesetzt worden auch für die Beschäftigten des geplanten Joint Ventures in den Niederlanden und in Großbritannien, teilte die Gewerkschaft mit.

Mit der Stahlfusion will Vorstandschef Heinrich Hiesinger den Konzern stärker auf die Industriesparte mit Geschäften wie Aufzügen und Autokomponenten konzentrieren. Dieser Bereich macht mittlerweile den Löwenanteil des Geschäfts aus. Hiesinger stand in den vergangenen Monaten nicht nur von Seiten der Arbeitnehmervertreter unter Druck, sondern auch durch die Anteilseigner. Besonders Großaktionär Cevian hatte zuletzt am Rande der Hauptversammlung im Januar kritisiert, dass der Umbau nicht schnell genug voran gehe. Cevian-Chef Lars Förberg hatte sogar eine Zerschlagung des Konzerns ins Spiel gebracht.

In den kommenden Wochen sollen nun Gutachten zu der Fusion vorgelegt werden, bei denen es unter anderem um die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Zusammenschlusses gehen soll. Nach den Plänen des Konzerns soll die Fusion nach der Zustimmung durch den Aufsichtsrat noch im Frühjahr besiegelt werden.

Der traditionsreiche Stahlkonzern will sich auf lange Sicht von dem schwankungsanfälligen Geschäft lösen. Hiesinger hatte in der Vergangenheit immer wieder auf strukturelle Probleme im von Überkapazitäten geprägten Stahlgeschäft hingewiesen. Thyssen-Krupp und Tata erhoffen sich von der Zusammenlegung ihrer Geschäftsteile hohe Einsparungen, früheren Angaben zufolge 400 bis 600 Millionen Euro jährlich. An dem Gemeinschaftsunternehmen sollen beide Partner je 50 Prozent halten.