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Auflagen für die Industrie
Saarländische Stahlindustrie lehnt schärfere Klimaziele ab

Saarbrücken. Der Verband der Saarhütten lehnt ehrgeizigere Klimaziele für die EU ab. „Anstatt die Klimaziele weiter zu verschärfen, muss zunächst versucht werden, die bestehenden Ziele zu realisieren, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu gefährden“, forderte Antje Otto, Geschäftsführerin des Verbandes. Von SZ/dpa

Aus ihrer Sicht drohen Nachteile, wenn nur die EU die Auflagen erhöht. „Wer im weltweiten Wettbewerb steht, braucht auch weltweit einheitliche Rahmenbedingungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Otto. Auch der Bundesverband der deutschen Industrie lehnte „Alleingänge der EU“ ab.


Die EU-Kommission will das offizielle Klimaziel der Europäischen Union für 2030 deutlich hochschrauben: 45 statt 40 Prozent Senkung der Treibhausgase gegenüber 1990 soll die EU international zusagen. Dies werde er den EU-Staaten vorschlagen, hatte Klimakommissar Miguel Arias Cañete erklärt. Deutschland werde aber schon sein Klimaziel verfehlen, bis 2020 mindestens 40 Prozent weniger Treibhausgas im Vergleich zu 1990 auszustoßen, sagte Otto und verwies auf den von der Bundesregeriung beschlossenen Klimaschutzbericht 2017. Demnach würden nur 32 Prozent erreicht.

Otto kritisiert auch, dass kein Vertreter der energieintensiven Industrie in der Kohlekommission, die einen Vorschlag zum Ausstieg aus der Stromerzeugung aus Kohle sucht, vertreten ist. Dies sei aus Ottos Sicht geboten, weil diese Industrie, zu der auch die Saarhütten gehören, „für ein Viertel des deutschen Stromverbrauchs steht und besonders sensibel gegenüber einem Strompreisanstieg ist“.



Höhere Kosten erwartet die saarländische Stahlindustrie darüber hinaus durch einen enormen Preisanstieg für Kohlendioxid-Luftverschmutzungs-Zertifikate. Neuen Studien zufolge könnte der Preis in den nächsten fünf Jahren auf 35 bis 40 Euro pro Tonne CO2 klettern. Er hat sich seit August 2017 schon auf über 18 Euro verdreifacht. Zusammen mit höheren Strompreisen könne dies zu einer „existenziellen Bedrohung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie führen“, warnt Verbandsgerschäftführerin Otto.