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Ford, Bosch, Nemak
Sorge um Autostandort Saar eint Fraktionen

 Das Schicksal der Arbeiter des Ford-Werks in Saarlouis macht den Abgeordneten des Saar-Landtages Sorgen. Dort sollen in nächster Zeit 1600 Arbeitsplätze abgebaut werden.
Das Schicksal der Arbeiter des Ford-Werks in Saarlouis macht den Abgeordneten des Saar-Landtages Sorgen. Dort sollen in nächster Zeit 1600 Arbeitsplätze abgebaut werden. FOTO: rup
Saarbrücken. Das Autoland Saar muss zukunftsfest gemacht werden. Das forderten am Mittwoch alle Landtagsfraktionen. Über das Wie gab es Dissens. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Die Einschläge kommen näher. Über der saarländischen Automobil- und -zulieferindustrie ziehen dunkle Wolken auf. Arbeitsplatz-Abbau bei Ford, Bosch und Eberspächer in satter vierstelliger Größenordnung. Was tun, wenn das so weitergeht? Grund genug, dass sich auch der Landtag erneut mit der wichtigsten Schlüsselbranche der saarländischen Industrie beschäftigte. Das taten die Abgeordneten am Mittwoch intensiv und ausführlich. Wobei die vier Fraktionen lediglich die Forderung einte, dass alles unternommen werden muss, um der Automotive-Branche in der Region mit ihren 44 000 meist gut dotierten Arbeitsplätzen eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen.


Das war es dann auch schon mit der Gemeinsamkeit, wobei vor allem der AfD-Abgeordnete Rudolf Müller den „rot-grünen Ideologen“ kräftig die Leviten las. Sie seien Schuld daran, dass in der EU Abgas-Grenzwerte eingeführt worden seien und werden, die dazu führten, „dass lediglich Kleinwagen aus französischer, italienischer und japanischer Fertigung in Deutschland noch eine Chance haben“. Seiner Überzeugung nach „wird die deutsche Automobilindustrie mutwillig zerstört“. Müller forderte die Landesregierung auf, sich im Bundesrat dafür einzusetzen, dass die Grenzwerte beispielsweise für Stickoxide wieder angehoben werden, da auch von höheren Werten keine Gefahr für die Gesundheit ausgehe.

Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine hält hingegen nichts davon, die Grenzwerte jetzt wieder infrage zu stellen. „Wir müssen die Luftverschmutzung eindämmen und die Vorschriften nicht wieder lockern“, sagte er. Hans-Peter Kurtz, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, meinte ebenfalls, dass die Argumentation von AfD-Müller zu kurz greife. „Dass Ford in Saarlouis 1600 Arbeitsplätze abbauen will, hat viele Gründe“, sagte er – unter anderem den Brexit, aber auch die die Profitabilitätsziele des US-Autobauers. Zudem erinnert er daran, dass „wir im Saarland auch Erfolge verbuchen können“ und führte die Pläne des Getriebebauers ZF an, im Saarland 800 Millionen Euro zu investieren. „Die Autoindustrie ist im Umbruch, das lässt sich nicht wegdiskutieren“, meinte er und verwies auf Alternativen zum klassischen Verbrennungsmotor wie zum Beispiel Hybrid- oder Elektro-Antriebe. Allerdings kann er sich auch eine Zukunft ohne Dieselautos nicht vorstellen und forderte die Weiterentwicklung dieser Technologie.



Der in der Nachbarschaft zum Ford-Werk aufgewachsene CDU-Parlamentarier Marc Speicher aus Saarlouis-Roden erinnerte daran, dass auf dem Röderberg am Mittwoch vor 49 Jahren das erste Auto vom Band lief – ein kleines Jubiläum. „Ich kenne viele, die dort seit Jahrzehnten arbeiten und stolz da­rauf sind.“ Und wenn – wie geplant – die Nachtschicht wegfällt, „geht auch Einkommen verloren, mit dem die Leute geplant haben“, sagte er. „Hinter diesen Zahlen stecken immer Einzelschicksale.“

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) knüpfte daran an. Sie sagte, dass derzeit viele Gespräche geführt werden, um Ford davon zu überzeugen, auch nach 2024, wenn es um neue Modelle geht, auf den Standort Saarlouis zu setzen. Das Land habe den Autobauer stets unterstützt, was auch Lafontaine als ehemaliger Ministerpräsident unterstrich. Beispielhaft nannte Rehlinger den Zulieferpark, wo bei der Wirtschaftsförderung alle Register gezogen worden seien. „Jetzt ist es an der Zeit, dass wir auch etwas zurückfordern können“, betonte sie. Es sei entscheidend, „dass der Automobil-Standort Saarland wettbewerbsfähig bleibt“.

Auf der anderen Seite wurde auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in die Pflicht genommen. Der Saarländer „hat jetzt die Möglichkeit, etwas für seine Heimat zu tun“, sagte Lafontaine. So könne die Batteriefabrik, die Altmaier mit einer Milliarde Euro fördern will, auch ins Saarland kommen. Dem konnte auch Rehlinger nur zustimmen.