| 21:47 Uhr

IT-Forschung
Warum Sigmar Gabriel vom Saarland beeindruckt ist

„Politik trifft Zukunft“: Sigmar Gabriel (Mitte) diskutiert mit Wolfgang Wahlster (links) und August-Wilhelm Scheer über Voraussetzungen für den Erfolg als Unternehmer.
„Politik trifft Zukunft“: Sigmar Gabriel (Mitte) diskutiert mit Wolfgang Wahlster (links) und August-Wilhelm Scheer über Voraussetzungen für den Erfolg als Unternehmer. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Die Unternehmen im Bereich Künstlicher Intelligenz und die Forschungslandschaft sieht der Politiker und Kolumnist als Vorbild für ganz Deutschland. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Was macht Erfolg in Deutschland aus? Sigmar Gabriel, ehemaliger Bundeswirtschaftsminister und neuerdings Kolumnist der Wirtschaftswoche, muss da nicht lange überlegen: „Durchhaltevermögen und starke Persönlichkeiten“, sagte er am Mittwochabend in Saarbrücken in einer Diskussionsrunde mit dem Software-Unternehmer August-Wilhelm Scheer sowie dem Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), Wolfgang Wahlster. Gabriel bereist derzeit die Bundesländer, um die Frage zu klären: „Ist Deutschland zukunftsfähig?“


Mit dem Durchhaltevermögen als Grundlage für Erfolg als Mensch und als Unternehmer ist es seiner Ansicht nach in Deutschland nicht so gut bestellt. Zu viele Auszubildende brechen ihre Lehre ab, zu viele Firmengründer geben zu früh auf oder verkaufen ihr Unternehmen vorzeitig an Größere, die schon länger am Markt sind. Gabriel, der früher einmal Berufsschullehrer war, sieht besonders die Schulen gefordert, Jugendliche besser auf das Leben vorzubereiten. Noch wichtiger als Wissensvermittlung sei es zu lernen, wie man mit Autoritäten umgeht, wie man Konflikte austrägt, sich zu einer starken Persönlichkeit entwickelt und durchhält: in der Lehre, im Studium, bei der Verwirklichung eigener Ideen als Unternehmer. „Deutschland ist ein anstrengendes Land. Sie müssen verdammt viel lernen, um langfristig erfolgreich zu sein“, sagte Gabriel.

Der jahrzehntelang tätige Software-Unternehmer August-Wilhelm Scheer stimmt ihm zu: „Werte, die heute vielfach als altmodisch gelten, sind heute wichtiger als die Wissensvermittlung.“ Er selbst habe auch gegen anfängliche Widerstände aus Kreisen der Saar-Universität durchgehalten und seine Idee vom Unternehmertum verwirklicht. Und er habe zu keinem Zeitpunkt staatliche finanzielle Förderung beansprucht. „Ich glaube nicht, dass Geld das Hindernis ist, auch nicht bei Existenzgründern. Es gibt Gründerfonds für die Anschubfinanzierung. Unternehmertum ist spannend, weil man seine Freiheit hat, sehr viel arbeitet, auch schlaflose Nächte verbringt, aber eben auch Erfolge sehen kann.“



Diese Erfolge „sind in der Künstlichen Intelligenz (KI) an der Saar schon seit 30 Jahren zu erkennen. So lange ist das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) am Markt“, betonte dessen Chef Wolfgang Wahlster. Das Saarland engagiere sich in diesem Bereich national und international deutlich stärker als andere Regionen, was auch Sigmar Gabriel feststellte. Das Saarland sei hier, auch in Verbindung mit seiner Forschungslandschaft; ein Vorbild für ganz Deutschland.

Gabriel besichtigte im Saarland das Unternehmen Semvox, das sich mit Sprachsteuerung befasst, das DFKI und die Scheer Group. Seiner Ansicht nach ist das Saarland in der Kombination aus Künstlicher Intelligenz und der Weiterentwicklung der Industrieunternehmen mit Hilfe neuester Technologien ideal vorbereitet auf Herausforderungen der Zukunft. Zudem rät Gabriel, den Mittelstand zu stärken. „Unser Mittelstand ist hoch innovativ und weltweit erfolgreich. Die Mischung aus Mittelstand und Großunternehmen macht uns so stark. Darum beneiden uns viele Länder .“