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Satelliten beeinflussen die Ernte
Zentimetergenaue Ernte ist keine Hexerei

Landwirt Stefan Rauen (rechts) und Umweltminister Reinhold Jost testeten gestern eine durch Satellitensteuerung optimierte Feldbearbeitung. Satellitendaten beeinflussen dabei die Fahrt des Traktors auf dem Acker. Er fährt dadurch noch genauer.
Landwirt Stefan Rauen (rechts) und Umweltminister Reinhold Jost testeten gestern eine durch Satellitensteuerung optimierte Feldbearbeitung. Satellitendaten beeinflussen dabei die Fahrt des Traktors auf dem Acker. Er fährt dadurch noch genauer. FOTO: Ruppenthal
Perl. Ein satellitengesteuerter Dienst erlaubt jetzt auch im Saarland die genauere Steuerung von Landmaschinen. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Ein Trecker oder Mähdrescher, der ein Feld eigenständig abfährt? Was wie Zukunftsmusik klingt, ist längst Wirklichkeit. Mit Hilfe von Satellitensteuerung können Landmaschinen relativ genau über das Feld navigieren. Im Saarland ist das seit gestern sogar mit höchster Präzision möglich. Im Rahmen eines Pilotprojektes hat Umweltminister Reinhold Jost (SPD) auf dem Hof von Stefan Rauen in Perl-Borg die Nutzung genauester Positionsdaten für die Landwirtschaft freigeschaltet. Basis des Projektes sind Daten des Satelliten-Positionierungsdienstes Sapos, der von den Vermessungsverwaltungen der Länder bereitgestellt wird. In einer Kombination von Satellitendaten, die per GPS übertragen werden, und Sapos-Korrekturmeldungen, die der Schlepper per Mobilfunk erhält, navigieren die Maschinen auf den Zentimeter genau über das Feld.


Rauen nutzt mit seinen Landmaschinen schon seit Jahren Satellitentechnik für die Feld-Bearbeitung. Bisher mit einer Genauigkeit von rund zehn bis 15 Zentimetern. 2010 hatte er den ersten Schlepper mit der Technik ausgerüstet. Seit 2014 hat er einen zweiten Schlepper, der auch schon autonom lenkt. „Jetzt mit einer Genauigkeit von einem Zentimeter zu arbeiten, ist natürlich noch einmal ein weiterer Schritt“, sagt er. Er sieht in der Technik einen ganzheitlichen Ansatz, wenn er letztlich sämtliche Daten speichert, um auch bei der Ernte auf vorausgegangene Bearbeitungsdaten zurückzugreifen.

Im Rahmen des zweijährigen Pilotprojekts können 20 saarländische Landwirte kostenfrei das Sapos-System nutzen, sagt Umweltminister Jost. Vorerst seien 20 000 Euro dafür veranschlagt. Üblicherweise werden die Sapos-Daten über ein Jahresabonnement oder per minutengenauer Abrechnung bezahlt. Durch die kostenlose Bereitstellung der Daten will das Ministerium einen Anstoß geben, um das „Precision Farming“ im Saarland zu etablieren.



Dass das System selbst bei höheren Einsatzkosten – bis zu 30 Euro kalkuliert Alfred Hoffmann vom Referat Landwirtschaft im Umweltministerium für die Bearbeitung eines Hektars – noch lohnend ist, davon ist Matthias Dörr vom Maschinenring Saarland überzeugt. Denn letztlich sparen die Landwirte, weil sie deutlich weniger Energie einsetzen müssen, wenn weniger Doppel-Bearbeitung stattfindet. Und bei der Mais-Aussaat sei anschließend eine Nachbearbeitung des Feldes möglich, ohne die empfindlichen Pflanzen zu beschädigen.

Jost sieht zudem einen wichtigen Schritt zu mehr Umweltschutz. Denn auch Pflanzenschutz- und Düngemittel lassen sich mit der Technik präzise und sparsamer auf das Feld bringen. „Die Vorteile liegen auf der Hand“, sagt Jost. „Vollständig aufeinander abgestimmte Prozesse ohne Rüstzeiten und ohne mehrfache Feldüberfahrten entlasten die Böden und die Umwelt.“ Auch Zeit, Kraftstoff und weitere Betriebsmittel würden gespart. „Rentabilität und nachhaltige Ressourcenschonung lassen sich so gut miteinander vereinen.“ Viele neue Traktoren seien schon mit Satellitentechnik und autonomer Steuerung ausgestattet. Zur Digitalisierung gehört auch der Einsatz von Sensortechnik. Durch die Kombination mit Wetterdaten können Pflanzen bedarfsgerecht bewässert werden.

Nach einer Studie des Branchenverbands Bitkom kann die Digitalisierung die Wertschöpfung der Landwirtschaft bis zum Jahr 2025 um 2,8 Milliarden Euro steigern, unter anderem durch geringere Ausfallzeiten der Erntemaschinen, eine sensorgesteuerte Wartung sowie eine optimale Erntelogistik durch die Kombination von Reifegrad-Erfassung und Wetterdaten.