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Hindernisse beim Bau von Sozialwohnungen
„Die Baukosten laufen aus dem Ruder“

Im Saarland sollen in den kommenden drei Jahren bis zu 400 neue Sozialwohnungen entstehen. Auf die Bauwirtschaft kommt viel Arbeit zu.
Im Saarland sollen in den kommenden drei Jahren bis zu 400 neue Sozialwohnungen entstehen. Auf die Bauwirtschaft kommt viel Arbeit zu. FOTO: dpa / Lothar Ferstl
Saarbrücken. Der Verband der Wohnungswirtschaft Saar warnt vor Regulierungswahn. Bis 2023 sollen 400 neue Wohnungen entstehen. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Rund 400 neue, günstige Wohnungen lassen sich im Saarland in den kommenden drei bis vier Jahren realisieren. Diese Ansicht vertritt Volker Leers, Präsident des Verbandes der Wohnungswirtschaft (VdW) Saar. Mitglieder im Verband sind kommunale, öffentliche und private Kapitalgesellschaften aus dem ganzen Saarland. Als Grundlage für die prognostizierten rund 400 Wohnungen im sozialen Wohnungsbau bezieht sich Leers auf die im August 2018 von der Landesregierung bewilligten 52 Millionen Euro Förderkulisse. „Das ist eine enorme Grundlage für die Neubautätigkeit in der Region“, betonte Leers gestern auf dem Verbandskongress.


Die veranschlagte Vorlaufzeit von zwei Jahren sei notwendig, denn es gelte, in Zusammenarbeit mit den Städten Grundstücke für jeweils 20 bis 50 Wohnungen zu finden, gleichzeitig durch eine geeignete Nutzung Bausünden möglichst zu verhindern. Zudem müsse man im Rahmen der Investitionen Planungsrecht schaffen, Baugenehmigungen beschaffen, geeignete Bauunternehmen finden. Letzteres falle immer schwerer, denn diese Unternehmen seien bundesweit derzeit nahezu ausgebucht. Zudem fehle ihnen Personal, um das zu ändern.

Leers sieht im Saarland keine Wohnungsnot, anders als in Ballungszentren wie Berlin oder Frankfurt. Man wolle jetzt den Bau neuer Sozialwohnungen angehen, um ähnliche Zustände zu verhindern. Es fehlten aber schon genug Wohnungen für Studenten oder auch alleinerziehende Mütter. Unternehmen wie die Woge oder die Saarbrücker Siedlungsgesellschaft konzentrierten sich auf Neubauten, andere Mitgliedsunternehmen auf die Modernisierung bestehender Objekte. Zwei Umstände behinderten den Wohnungsbau an der Saar massiv: ein zu bürokratisches Vergaberecht sowie ein „ausufernder Regulierungswahn“, betonte Leers. So müssten, um in den Genuss der Förderung zu kommen, Unternehmen Projekte ab einer gewissen Größenordnung öffentlich ausschreiben. Das gelte sowohl für Neubauten als auch für Bestandsveränderungen. Dies könnten die Unternehmen nicht leisten. „Viele der zumeist kleineren Wohnungsbauunternehmen haben weder die nötige Erfahrung noch das erforderliche Personal für solche Ausschreibungen.“ Zudem liefen die Baukosten aus dem Ruder. „Diese sind von 2010 bis 2017 um 50 Prozent gestiegen“, mahnte Leers. Die Preise würden immer weiter in die Höhe getrieben.



Vorstandsmitglied Axel Tausendpfund macht dafür vor allem auch  zahlreiche neue rechtliche Vorschriften für den Klima- und Brandschutz verantwortlich, die geforderte Barrierefreiheit sowie eine wachsende Zahl an DIN-Normen. „Nur wenn die Baukosten gesenkt oder zumindest gebremst werden, bleibt ein Dach über dem Kopf auch für  Haushalte mit niedrigem Einkommen bezahlbar“, warnte Tausendpfund.