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Wichtige Hannovermesse
Saar-Politik gab diesmal ein schwaches Bild ab

HANNOVER/SAARBRÜCKEN Als mit dem Ende des Bergbaus die damalige Landesregierung beschloss, künftig auf Informationstechnologie zur Sicherung des Wohlstands zu setzen, klang das noch recht gewagt. Heute kann man vielerorts erkennen, dass dieser Entschluss richtig war. Dafür stehen mittlerweile eine hohe Forschungs- und Entwicklungskompetenz an den Hochschulen, erfolgreiche Institute sowie Leuchttürme wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, die Unternehmensgruppe des Informatik-Professors August Wilhelm Scheer oder das in Gründung befindliche Helmholtz-Zentrum für Cyber-Sicherheit. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Die neuen Technologien haben längst auch Einzug gehalten in Industriebetriebe wie Ford, Bosch oder ZF. Dort werden mehr und mehr Abläufe in der Produktion automatisiert. Das senkt Kosten, während die Mitarbeiter höherwertige Aufgaben übernehmen. Unsere Region spielt im IT-Bereich in der ersten Liga, was auch diese Woche auf der Hannovermesse Industrie an vielen Beispielen und vorgestellten Projekten zu sehen war. Die Saar-Experten sind geschätzte Gesprächspartner.


Umso schlimmer, dass bei der Außendarstellung des Saarlandes auf der Messe diesmal der Wurm drin war. Das lag nicht am Forschungsstand, der gut besucht war und sich im Umfeld von Konkurrenten wie Bayern und Nordrhein-Westfalen überzeugend behauptet hat. Was unverständlich und unverantwortlich ist, war das vollständige Fehlen saarländischer Spitzenpolitiker. Kein Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), der den rund 30 Saar-Ausstellern aus dem Mittelstand durch einen Besuch und Interesse an deren Entwicklungen seinen Respekt erwiesen hätte. Kein Ministerpräsident, der die weltgrößte Industriemesse nutzt, um für Ansiedlungen im Land zu werben. Seinen Vorgängern im Amt ist so etwas nicht passiert.

Werbung für das Land kann man nicht nur millionenteuren Image-Kampagnen überlassen. Standortwerbung muss Chefsache sein, sonst passt die Position des Saarlandes als starker Industriestandort nicht zu seinem politischen „Spitzenpersonal“. Auch Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) fehlte in Hannover, ebenso Staatssekretär Jürgen Barke (SPD). Was doppelt peinlich ist, denn spontan und abweichend von seinem offiziellen Besuchsprogramm schaute sogar Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) aus Verbundenheit kurz bei „seinen Saarländern“ am Forschungsstand vorbei. Keiner aus der Landesregierung konnte ihn empfangen. Auch ein Gemeinschaftsstand des Landes, an dem sich Jungunternehmer vorstellen können, fehlte wieder. Bei der Cebit findet man ihn dagegen.



Viel Murks also, der schnell aufgearbeitet werden muss. Was sich auch aus einem anderen Grund lohnt, der wiederum positiv ist. So haben auf der Hannovermesse sowohl die Region Grand Est als auch der Eurodistrict Saarmoselle ausdrücklich den Wunsch geäußert, sich im kommenden Jahr gemeinsam mit dem Saarland zu präsentieren. Das macht schon deshalb Sinn, weil diesmal jeder mit einem eigenen Stand in völlig verschiedenen Hallen vertreten war, der Effekt folglich geringer. Ein großer gemeinsamer Stand würde nicht nur Kosten senken, sondern könnte gleichzeitig zahlreiche Unternehmen aus allen daran beteiligten Regionen präsentieren. Das könnte allen Besuchern der Messe die Leistungsfähigkeit der Großregion mit dem Saarland im Herzen demonstrieren.

Dazu kommt: Auch der Nachbar Luxemburg will mit dem Saarland enger zusammenarbeiten und bald gemeinsame Delegationsreisen der Wirtschaft innerhalb der Großregion veranstalten. Damit sich Unternehmen und Branchen grenzüberschreitend besser kennenlernen. Aus all dem folgt: Das Saarland hat im Jahr 2019 die Chance zu einem neuen, erheblich überzeugenderen Auftritt in Hannover. Diese Chance sollte dringend genutzt werden.