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Saar-Kraftwerke bleiben am Netz

Das Kohlekraftwerk Bexbach wird auch weiterhin Strom liefern. Es darf nicht geschlossen werden. Foto: Steag
Das Kohlekraftwerk Bexbach wird auch weiterhin Strom liefern. Es darf nicht geschlossen werden. Foto: Steag FOTO: Steag
Quierschied/Bexbach. Die Kohlekraftwerke in Bexbach und Weiher sind bis Ende dieses Jahrzehnts gerettet. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat sie als systemrelevant eingestuft. Rund 300 Arbeitsplätze bleiben erhalten. Lothar Warscheid

Die saarländischen Kohlekraftwerke Bexbach und Quierschied-Weiher werden auf absehbare Zeit nicht stillgelegt. Das teilte der Betreiber der beiden Stromfabriken, der Essener Kraftwerkskonzern Steag, gestern mit. Anfang November hatte die Steag für beide Blöcke bei der Bundesnetzagentur die Stilllegung beantragt. Allerdings hat der Übertragungsnetzbetreiber Amprion diese beiden Kraftwerksblöcke als systemrelevant eingestuft und die Steag aufgefordert, die Betriebsbereitschaft dieser beiden Kraftwerke zunächst bis Ende November 2019 aufrechtzuerhalten. Beide müssten beim sogenannten Redispatch eingesetzt werden. Das bedeutet, dass sie dann zum Zug kommen, wenn die Sonne zu wenig scheint oder kaum Wind weht, so dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieformen weitgehend am Boden liegt.


"Bei einer Stilllegung der Kraftwerke Bexbach und Weiher wäre eine nicht unerhebliche Gefährdung oder Störung der Sicherheit oder Zuverlässigkeit des Elektrizitätsversorgungssystems zu erwarten", begründet Amprion nach Angaben der Steag die Bedeutung der beiden saarländischen Steinkohle-Kraftwerke. Diesen Betrieb auf Abruf finanziert Amprion und legt die Kosten auf die Stromkunden um.

Die rund 300 Mitarbeiter in den beiden Kraftwerken "sind überglücklich", sagt Klaus-Dieter Woll, Betriebsratsvorsitzender des Kraftwerks Bexbach und stellvertretender Konzernbetriebsrats-Chef der Steag. "Seit langem habe ich zum ersten Mal wieder zufriedene Gesichter bei den Kraftwerks-Mitarbeitern gesehen - und auch Freudentränen."



Ähnlich beschreibt der Betriebsratschef des Kraftwerks Weiher, Michael Schommer, die Gefühlslage seiner Leute. "Unsere Kraftwerke sind trotz ihres Alters sehr modern und kostengünstig", sagt er. Doch gegen die Preise an der Strombörse "kommen wir nicht an". Das Kraftwerk Bexbach verfügt über eine Leistung von 780 Megawatt (MW), Weiher hält 724 MW bereit.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) sagt, dass der Weiterbetrieb der beiden Steag-Kraftwerke "eine gute Nachricht für das Saarland ist". Mit der Entscheidung werde deutlich, "dass Kohlekraftwerke nach wie vor eine wichtige Brückenfunktion bei der Energiewende haben". Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD ) betonte, "dass die Kraftwerke Bexbach und Weiher betriebsbereit und instand gehalten werden müssen und somit eine Perspektive erhalten". Nach Auffassung von Michael Neyses , energiepolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, "darf mittelfristig kein Weg daran vorbeiführen, dass wir mit den erneuerbaren Energien in den Grundlastbereich kommen und uns vom schmutzigen Kohlestrom verabschieden".

In Nordrhein-Westfalen muss die Steag allerdings die Kraftwerksblöcke West 1 und 2 sowie Herne 3 stilllegen, da sie als nicht systemrelevant eingestuft wurden. An diesen beiden Standorten ist im März beziehungsweise Juni endgültig Schluss. "Für uns alle ist das ein harter und trauriger Einschnitt in der langen Geschichte der Steag im Ruhrgebiet", heißt es in einer Mitteilung.

Meinung:

Gefährliche Schieflage

Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

Obwohl es zu erwarten war, ist es eine gute Nachricht, dass die beiden größten saarländischen Kohlekraftwerke Weiher und Bexbach als systemrelevant eingestuft werden und zumindest bis Ende November 2019 Bestandsgarantie haben. Vermutlich werden sie noch wesentlich länger betrieben werden müssen, da die Stromversorgung aus Sonne und Wind alles andere als zuverlässig ist. Außerdem werden in dieser Zeit in Südwestdeutschland zwei große Atomkraftwerke eingemottet. Spätestens dann droht der Stromversorgung südlich der Mainlinie eine gefährliche Schieflage.