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Jungunternehmer
Saar-Gründer forschen für besseres Sehen

Saarbrücken. Die Gründer des Jung-Unternehmens Akknatek im Starter Zentrum der Uni wollen die Qualität von Operationen am Grauen Star verbessern.

Mit rund 800 000 Operationen im Jahr ist es einer der am häufigsten ausgeführten Eingriffe in Deutschland: die Operation am Grauen Star. Und doch kommt es nach Aussagen von Lorenz Nicolay immer wieder zu unbefriedigenden Ergebnissen: „Das Problem ist häufig eine Fehlpositionierung der künstlichen Linse“, sagt er.



Genau hier wollen Nicolay und sein Mit-Geschäftsführer Edgar Ja­nunts ansetzen. Das Saarbrücker Startup Akknatek entwickelt eine Dia­gnose-Technik, die eine genauere Positionierung der Linse ermöglicht. „Wir haben eine patentierte Messmethode entwickelt, die die Position der Linse erstmalig genau bestimmt“, so beschreibt Nicolay bei der Auszeichnung mit dem Hauptpreis im Gründerwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums die Geschäftsidee. „Damit machen wir Korrekturmaßnahmen erstmals planbar.“

Akknatek haben die beiden Gründer vor rund drei Jahren auf den Weg gebracht – Nicolay als Betriebswirtschaftler, Janunts hat in Medizin-Physik promoviert. Seit gut einem Jahr firmiert das Acht-Mann-Unternehmen, das im Starter-Zentrum der Uni und mit einem zweiten Firmensitz in Kaiserslautern angesiedelt ist, als GmbH.

Die Idee zu Akknatek hatte Janunts bereits in der Zeit, als er noch an der Saar-Uni in der Augenheilkunde geforscht hat. Nicolay kam über die Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer der Uni mit zum Team. „Wir haben zum Gründen hier zusammengefunden“, sagt der Saarländer Nicolay, der vorher bei der Deutschen Bank in Wiesbaden gearbeitet hatte.

Bei der Technik, die Akknatek entwickelt, bleiben die beiden Gründer zurückhaltend. Es gehe darum, Messgeräte zu entwickeln, mit denen optische Messverfahren bei den Grauen-Star-Operationen verbessert werden können. Zielmarkt sind Kliniken weltweit, denn „wir wollen ja nicht nur den Menschen in Deutschland ermöglichen, besser zu sehen“, sagt Janunts.



Beim Grauen Star trübt sich nach und nach die Linse ein, so dass die Welt für den Betroffenen immer stärker hinter einem Schleier verschwindet. „Das ist ein sehr sensibles Thema“, sagt Janunts. Und Akknatek soll mit seiner Entwicklung helfen, dass es nach der Operation nicht wegen unnötiger Komplikationen zu einer weiteren Enttäuschung kommt.

Wann die neue Technik auf den Markt kommt, ist nach Aussage der Gründer noch offen. „Wenn sie klinikfähig ist“, sagt Janunts. Die Finanzierung ihres Projekts haben sie sich im vergangenen November gesichert: Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz hat sich an Akknatek beteiligt. Auch privates Geld stecke in dem Unternehmen.

Für den Markteintritt sehen die beiden Gründer wenig Probleme: „Für den Einstieg können wir unser Netzwerk nutzen“, sagt Janunts, der bereits in unterschiedlichen Bereichen geforscht hat, unter anderem am Max-Planck-Institut, der technischen Hochschule Lausanne sowie der Harvard Medical School. „Wenn es ein Problem gibt, und wir die Lösung haben, werden die Leute in den Kliniken aufmerksam“, ist Janunts überzeugt.

Obwohl Akknatek mehrere Gründerpreise gewonnen hat, warnt Nicolay vor einem „romantisierenden“ Blick auf das Gründen. Extrem arbeitsintensiv sei es, eine neues Unternehmen aus dem Boden zu stampfen. „Gründen braucht erhebliches Durchhaltevermögen“, sagt er. Vor allem, wenn Ergebnisse nicht gleich am nächsten Tag, sondern erst lange später sichtbar würden, ergänzt Janunts.

Dass die Gründung im Saarland stattgefunden hat, ist vor allem dem privaten Umfeld der beiden Geschäftsführer geschuldet. Angesichts des weltweiten Marktes hätte das auch anderswo stattfinden können.

Der Gründungsbegleitung vor allem durch die KWT und die Saarland Offensive für Gründer (SOG) stellen sie grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus. Doch für den Erfolg seien Gründer immer selber verantwortlich: „Man geht seinen Weg, trifft Menschen, und die geben Hinweise. Umsetzen muss man die selbst“, sagt Janunts. Für das Saarland wünscht er sich  noch bessere finanzielle Möglichkeiten für Gründer. Eine Idee wie die von Akknatek in einem frühen Entwicklungsstadium mit Risikokapital zu finanzieren, das sei aktuell im Saarland kaum möglich. „Da brauchen wir mehr Mut“, sagt er.