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Spezial-Messe
Saar-Firmen als Dienstleister der Chemie-Industrie

Frankfurt/Saarbrücken. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Die Branche kommt eher unscheinbar daher, ist aber enorm wichtig und weltweit verzweigt. Alle drei Jahre treffen sich die Firmen, die Ausrüstungen und Verfahren für die Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie herstellen, auf ihrer wichtigsten Messe in Frankfurt, der Achema. Mehr als 3700 Aussteller aus 55 Ländern zeigten dort in dieser Woche Flagge. Sie lockten etwa 170 000 Besucher aus aller Welt an.


Auch das Saarland ist mit einem Gemeinschaftsstand, der von der Standortfördergesellschaft Saaris betreut wird, regelmäßig auf der Achema vertreten. Die Aussteller sind oft Stammkunden. So Patrick Altmeier, Inhaber und Chef der Firma PCCell aus Heusweiler. „Wir bewegen Ihre Ionen“, ist der Slogan seines Unternehmens, das Kunden auf der ganzen Welt hat. PCCell stellt auf der Basis der Elektrodialyse Anlagen her, die Salze oder Säuren zuverlässig aus Flüssigkeiten entfernen können. Elektrisch aufgeladene Teilchen (Ionen) werden mithilfe einer Membran von den anderen Stoffen getrennt. In der Biotechnologie müssen Fermentlösungen wie zum Beispiel Molke-Produkte „von Salz-Rückständen befreit werden“, sagt Altmeier. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Stahlindustrie, wo in einer Beizflüssigkeit Rückstände von Stahlstäben abgewaschen werden. Der PCCell-Chef kommt mit seiner Firma bereits seit dem Jahr 2000 zur Achema.

Auf eine genauso lange Messe-Chronologie kann auch Bernd Ohlemann, Inhaber und Chef der St. Ingberter Firma Beroplan, zurückblicken. Er liefert für die chemische oder pharmazeutische Industrie schlüsselfertige Membrananlagen. Diese haben die Aufgabe, bestimmte Flüssigkeiten oder Gase durch den Membranfilter durchzulassen und andere daran zu hindern. Seine Firma gibt es seit 20 Jahren.



Da die Achema von vielen Unternehmens-Chefs und -Inhabern besucht wird, kann auch Catharina Lübke zufrieden auf die Ausstellung zurückblicken. Sie vertrat dort den Energie-Versorger VSE, der derzeit das Areal des stillgelegten Kraftwerks Ensdorf vermarktet. Das 53 Hektar große Gelände firmiert unter ERZ (Energie- und Ressourcen-Zentrum) Ensdorf. Lübke sprach mit Leuten, „die großes Interesse an dem Standort haben“. Als nächstes folgen Besichtigungstermine vor Ort, „von denen schon einige fest vereinbart sind“. Auf der Achema hat diesmal auch der Forschungsstandort Saarland ein Fähnchen hochgehoben – in der Person von HTW-Professor Uwe Waller, Spezialist für Aquakultur, und seiner Mitarbeiterin Susann Schaar. Sie zeigten anhand eines Photobioreaktors, wie schnell sich Algen in Süßwasser vermehren können. In diesem Fall sind es Einzeller, „die über die Mikroalgen-Rennbahn geschickt werden“, sagt Schaar. Die Algen-Kolonien vermehren sich auf Basis der Photosynthese. Wie in freier Natur die Blätter der Bäume Kohlendioxid (CO2) in Sauerstoff umwandeln, machen das auch die Algen in den Produktionsröhrchen – nur wesentlich schneller. In der Praxis ist es denkbar, die Algen „bei der Zucht von Süßwasser-Fischen einzusetzen“, sagt Schaar. Die Algen seien aber auch für die Produktion von Bio-Kraftstoff geeignet.