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Abzug auf Raten
Will Ryanair die Basis am Hahn schließen?

 Für den Flughafen Hahn ist Ryanair die wichtigste Airline im Passagierverkehr.
Für den Flughafen Hahn ist Ryanair die wichtigste Airline im Passagierverkehr. FOTO: dpa / Thomas Frey
Hahn. Der irische Billigflieger dünnt sein Angebot am Flughafen Hahn aus. Angeblich droht der Airport den Status als Ryanair-Basis zu verlieren. Von Bernd Wientjes

Während das Frachtgeschäft am Flughafen Hahn weiterhin boomt, gehen die Passagierzahlen immer weiter zurück. Bis Ende November vergangenen Jahres wuchs die dort umgeschlagene Menge um über 45 Prozent. Mit rund zwei Millionen Fluggästen im vergangenen Jahr wurden rund 500 000 Reisende weniger auf dem Hahn abgefertigt als 2017. Allein im Dezember ging die Zahl um fast 24 Prozent zurück. Und der Aderlass wird in diesem Jahr weitergehen.


Nicht nur, dass der Hauptkunde des Hahn, die irische Fluggesellschaft Ryanair, die Zahl ihrer Flüge ab April vom Hunsrück aus deutlich reduzieren will – statt vier sollen nach Informationen unserer Zeitung nur noch zwei Flugzeuge dort stationiert werden. Laut der Bürgerinitiative (BI) gegen den Nachtflughafen Hahn wollen die Iren ab November auch den Flughafen als Basis aufgeben. Dann wären dort keine Maschinen mehr stationiert. Die meisten der vom Hahn aus startenden Ryanair-Flugzeuge würden dann zunächst von anderen Flughäfen zum Hahn fliegen. Dadurch könnte sich die Zahl der Verbindungen noch weiter reduzieren.

Nach Darstellung der Bürgerinitiative wurde den am Hahn stationierten Ryanair-Führungskräften auf einer streng vertraulichen Informationsveranstaltung mitgeteilt, dass ein Großteil von ihnen damit rechnen müsse, in Kürze unter anderem nach Berlin versetzt zu werden. Dort errichte die Airline am Flughafen Tegel ab April eine Basis. Wer sich nicht versetzen lassen wolle, müsse kündigen, soll es auf der Informationsveranstaltung geheißen haben. Ryanair teilte auf Anfrage unserer Zeitung wortkarg mit, dass man sich „zu diesem Thema nicht äußern möchte“. Auch von den Verantwortlichen des Flughafens Hahn war keine Stellungnahme zu erhalten.



Bei der Pilotenvereinigung Cockpit schließt man nicht aus, dass Ryanair die Basis auf dem Hunsrück aufgeben könnte, auch wenn man aktuell von solchen Plänen nichts wisse, wie ein Sprecher der Gewerkschaft unserer Zeitung mitteilte. Auch Branchenexperten schließen dieses Szenario nicht aus. Da sich die Ryanair-Piloten in vielen Ländern mittlerweile gewerkschaftlich organisiert hätten, verliere die Fluggesellschaft die Flexibilität, ihre Crews in Europa „herumzuschieben“, sagt Christoph Brützel von der Internationalen Universität in Bad Honnef. „Ryanair wird daher die Anzahl der Basen auf wenige, jeweils größere, reduzieren.“

Bereits Ende Januar hatte Ryanair angesichts des einbrechenden Gewinns angekündigt, möglicherweise Standorte aufzugeben und betroffene Mitarbeiter zu informieren. Im vergangenen Jahr hat Ryanair die Basen in Bremen und im niederländischen Eindhoven geschlossen. Michael Santo, Luftfahrtexperte und Vorstand der Münchner Unternehmensberatung h&z, hält die Ankündigung von Ryanair sich von verschiedenen Flughäfen zurückzuziehen, für „ein gut kalkuliertes, fast schon choreographiertes Drohszenario“. Wegen des erstmals seit fünf Jahren verbuchten deutlichen Gewinnrückgangs werde nun „logischerweise an der Kostenschraube“ gedreht. „Dabei sind natürlich die Regionalflughäfen schnell gute Ziele, da diese eine schwache Verhandlungsposition gegenüber Ryanair besitzen“, sagt der Experte. Die Schließung der Basis auf dem Flughafen Bremen sei, so Santo, „als ein Signal an Gewerkschaften“ zu werten, „Arbeitnehmervertretungsstrukturen bei Ryanair einfach nicht zu akzeptieren“.