| 20:15 Uhr

Postbank bittet zur Kasse

Nur jungen Leuten und Menschen mit höheren Einkommen bietet die Postbank künftig noch Gratis-Girokonten. Foto: Berg/dpa
Nur jungen Leuten und Menschen mit höheren Einkommen bietet die Postbank künftig noch Gratis-Girokonten. Foto: Berg/dpa FOTO: Berg/dpa
Bonn. Die Postbank gehörte zu den Pionieren, als sie vor 20 Jahren das kostenlose Girokonto einführte. Jetzt folgt sie dem gegenläufigen Trend in der Finanzbranche.

Von kleinen regionalen Sparkassen bis zu großen Banken, der Trend scheint unaufhaltsam. Die Kontogebühren befinden sich seit Monaten im Höhenflug. Jetzt hat die Postbank , der Branchenprimus im Privatkundengeschäft, beschlossen, sich weithin vom kostenlosen Girokonto zu verabschieden. Verschont von Kontogebühren bleiben weitgehend junge Leute und Kunden mit einem höheren monatlichen Geldeingang. In Kraft treten die Neuregelungen zum 1. November.


Hintergrund der Maßnahme sind die anhaltend niedrigen Zinsen sowie der Strafzins, den Banken zahlen müssen wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. All dies drückt auf die Ergebnisse. Das Marktumfeld mache es immer schwerer, mit dem Girokonto Geld zu verdienen, begründete Postbank-Vorstand Susanne Klöß den Schritt. Erstmals führt die Postbank nun ein Online-Konto mit einer monatlichen Grundgebühr von 1,90 Euro ein. Ein flexibles Konto mit einem Entgelt von 3,90 Euro gibt es für Kunden, die ihre Bankgeschäfte sowohl online als auch in Filialen abwickeln wollen. Teurer wird für diese Kunden auch die Visa-Card, für die künftig 29 Euro statt 22 Euro im Jahr fällig werden.

"Es wird bei uns aber nach wie vor ein kostenloses Girokonto geben", sagte Klöß. So bleibt für Kunden unter 22 Jahren die Kontoführung weiterhin kostenlos. Auch das "Komfortkonto" ist gratis, einschließlich Kreditkarte, wenn regelmäßig mindestens 3000 Euro monatlich eingezahlt werden. Abgeschafft wird der monatliche Mindesteingang von 1000 Euro, ab dem die Kontoführung bislang gratis gestellt worden war. Postbankkunden, die diese Grenze nicht erreichten, mussten bislang 5,90 Euro zahlen. "Wir werden künftig deshalb eine große Anzahl von Kunden haben, die weniger für die Kontoführung bezahlen", sagte Klöß. Deren Zahl soll sich laut Postbank auf über eine Million Kunden belaufen.



Die Postbank , derzeit noch eine Tochter der Deutschen Bank und auf dem Sprung an die Börse, hatte vor knapp 20 Jahren erstmals Gratis-Girokonten eingeführt. Das Institut und seine Tochterfirmen zählen über 14 Millionen Kunden, davon unterhalten mehr als fünf Millionen ein Girokonto.

Erst Anfang März hatte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon , die Lawine richtig losgetreten. Sparkassenkunden müssten sich auf höhere Gebühren einstellen, "die Zeit der kostenfreien Girokonten ist vorbei", urteilte der oberste Verbandschef der Sparkassen . Angesichts der aus seiner Sicht falschen Zinspolitik müssten alle Marktteilnehmer neue Ertragsquellen erschließen. Und Klöß von der Postbank schlussfolgert: "Wenn sich das Zinsniveau in den vergangenen sieben Jahren nicht kontinuierlich nach unten bewegt hätte, dann würden wir solche Bewegungen wie heute auch nicht sehen".