| 20:28 Uhr

Flüchtlinge als Unternehmer
Perspektive Neustart geht in nächste Runde

Hussein Al-Ezzi und Avesta Isso haben bei der ersten Auflage von „Perspektive Neustart“ teilgenommen und an ihren Gründungsideen gearbeitet. Foto: Barbara Scherer
Hussein Al-Ezzi und Avesta Isso haben bei der ersten Auflage von „Perspektive Neustart“ teilgenommen und an ihren Gründungsideen gearbeitet. Foto: Barbara Scherer FOTO: Barbara Scherer
Saarbrücken. Ab heute können sich neue Flüchtlinge für einjähriges Gründungs-Coaching bewerben. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Flüchtlinge, die über eine Unternehmensgründung nachdenken, haben jetzt die Chance, sich ein Jahr zum Unternehmer ausbilden zu lassen. Im Rahmen des Programms „Perspektive Neustart“ werden ab Januar erneut ein Jahr lang zehn vielversprechende Gründungsideen geflüchteter Menschen mit Weiterbildung und Coaching begleitet – im besten Fall bis zur Gründung.


2017 war das Projekt erstmals an den Start gegangen. Und die Erfolge des Programms, das die HTW-Tochter Fitt, unterstützt von der Schöpflin-Stiftung, ins Leben gerufen hat, kann sich sehen lassen: Von zehn Teilnehmern haben sechs bereits gegründet, zwei wollen dies im kommenden Jahr tun, und zwei haben sich statt für die Selbstständigkeit für eine Vollzeit-Stelle bei Unternehmen entschieden.

Angesichts dieser Erfolgsquote hat nicht nur die Schöpflin-Stiftung entschieden, ihr Engagement von 50 000 auf 66 000 Euro anzuheben, auch die Generali-Versicherung beteiligt sich künftig mit 100 000 Euro pro Jahr an Perspektive Neustart – eingebunden in das Projekt „The human safety net“, mit dem Generali in mehreren Ländern unter anderem Flüchtlingsprojekte unterstützt.



Für viele Flüchtlinge ist die Unternehmensgründung die ideale Möglichkeit, hier im Land anzukommen. Denn auch wenn sie einen Beruf gelernt haben, ist es nicht immer leicht, diesen hier auszuüben. Das zeigt das Beispiel von Firas Abou Kuba. Der syrische Jurist hat zwar anfangs versucht, in einer Kanzlei als Anwaltsgehilfe zu arbeiten. Das sei fachlich und sprachlich aber so schwierig gewesen, „dass ich mir dachte, dass ich mit der gleichen Energie mehr erreichen kann“. Im Rahmen von Perspektive Neustart hat er mit seiner Frau den Online-Shop für syrische Spezialitäten dsaar.de gegründet. Auch Handwerker haben es schwer, sich angesichts der hohen Hürden im deutschen Handwerk in ihrem Fach selbstständig zu machen. Hier gelte es, Alternativen zu erarbeiten, sagt Stefanie Valcic-Manstein, die das Projekt bei Fitt begleitet. Unternehmensgründungen haben außerdem den Vorteil, dass dadurch weitere Arbeitsplätze für Menschen aus den entsprechenden Ländern entstehen.

Interessierte können sich heute zwischen 14.30 und 16.30 Uhr über die Teilnahme am Programm informieren. Die Veranstaltung findet im Saarbrücker Schloss mit Infos (auch arabisch) im kleinen Saal, 1. Etage, statt.