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Saarbrücken
Opel reagiert auf Streik bei Halberg

Wann Gewerkschaft und NHG ihre Gespräche fortsetzen, erscheint völlig ungewiss.
Wann Gewerkschaft und NHG ihre Gespräche fortsetzen, erscheint völlig ungewiss. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Der Autohersteller zieht wegen des Arbeitskampfes beim Zulieferer Schließtage vor. Von Tobias Fuchs und Joachim Wollschläger
Tobias Fuchs

Der Streik beim Zulieferer Neue Halberg Guss (NHG) zeigt bei Opel Folgen: Man werde für Juli geplante Schließtage im Werk Eisenach in den Juni vorziehen, kündigte gestern ein Sprecher an. Um auf Engpässe bei Motoren zu reagieren. Andere Standorte seien kurzfristig nicht betroffen, hieß es.


Die NHG stellt hauptsächlich Motorblöcke für die Automobilbranche her. Doch vor eineinhalb Wochen hat ein Großteil der 2100 Beschäftigten die Arbeit niedergelegt. Die Gießerei will ihren Standort Leipzig mit 600 Mitarbeitern schließen, im Stammwerk Saarbrücken-Brebach stehen 300 Jobs auf der Kippe. Daher fordert die Gewerkschaft IG Metall einen Sozialtarifvertrag. Der Arbeitgeber beziffert dessen Kosten auf 700 Millionen Euro, spricht von einer „Höchstforderung“. In der vergangenen Woche platzten die Tarifgespräche. An den Verhandlungen in Saarbrücken hatte auch ein Gesandter von Opel teilgenommen. Seitdem verhärten sich die Fronten.

Der Arbeitskampf führt auch beim Hauptkunden Volkswagen zu ersten Beeinträchtigungen der Produktion (wir berichteten). Während sich VW gestern erneut zurückhaltend äußerte, schlug ein weiterer Abnehmer härtere Töne an. Die Aussage der NHG, dass Streiks die Geschäftsbeziehungen langfristig gefährdeten, sei sicher richtig, sagte ein Sprecher des Motoren-Herstellers Deutz. Die NHG beliefere Deutz mit Teilen und sei ein wichtiger Lieferant, sagte der Sprecher. Er appellierte an die Verhandlungsparteien, „zu vernünftigen Ergebnissen zu kommen“. Deutz zählt zu den Kunden, auf die NHG-Chef Alexander Gerstung verstärkt setzen will, falls VW sich zurückziehen sollte. Die IG Metall fürchtet, VW zu verlieren, weil hinter der NHG seit Januar die bosnische Prevent-Gruppe steht. Sie liegt mit den Wolfsburgern über Kreuz.



Wann Gewerkschaft und NHG ihre Gespräche fortsetzen, erscheint völlig ungewiss. Ohne einen Schlichter will das Unternehmen nicht weiterreden, da es die Forderungen der Arbeitnehmer für überzogen hält. Die IG Metall erwidert: Solange es keine Positionen gebe, die sich gegenüberstehen, sei ein Schlichter nicht sinnvoll. Was bedeutet: Die Gewerkschaft will ein überarbeitetes Tarifangebot sehen, bevor sie wieder verhandelt. Heute erwarten die Streikenden in Brebach eine Delegation aus Amberg, vom Zulieferer Grammer, dessen zweitgrößter Anteilseigner Prevent ist.