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Elektronik
Neue Test-Räume für die Prüf-Profis

Gerhard Schirra, Geschäftsführer von CTC Advanced, in einem der Prüfräume des Unternehmens. Die blau-schwarzen Schaumstoff-Zacken an den Wänden und auf einem Teil des Bodens dienen der Schall-Isolation.
Gerhard Schirra, Geschäftsführer von CTC Advanced, in einem der Prüfräume des Unternehmens. Die blau-schwarzen Schaumstoff-Zacken an den Wänden und auf einem Teil des Bodens dienen der Schall-Isolation. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Firma CTC Advanced investiert in Saarbrücken 6,5 Millionen Euro. Das Unternehmen prüft und zertifiziert alles, was mit Elektronik zu tun hat.

Das Prüf- und Zertifizierungs-Unternehmen CTC Advanced (vormals Cetecom) investiert 6,5 Millionen Euro am Standort Saarbrücken. Das Geld fließt in ein neues Gebäude, dessen Baubeginn gestern mit dem ersten Spatenstich gestartet wurde. Mitte Mai soll es bereits fertiggestellt sein. Dort sollen auf 2000 Quadratmetern zusätzliche Büro- und Laborflächen entstehen. Auf weiteren 1300 Quadratmetern soll eine neue Prüfhalle eingerichtet werden.



Denn das Aufgabenspektrum des Unternehmens wächst ständig, da immer mehr Daten über Funk verschickt werden und die Menschen von einer Fülle elektromagnetischer Felder umgeben sind. „Alle Geräte, die elektromagnetische oder Funksignale aussenden, müssen geprüft und zertifiziert werden“, sagt Geschäftsführer Gerhard Schirra. „Unsere Kunden kommen aus der ganzen Welt.“  Allein in einem Auto gebe es zahlreiche Komponenten, die auf ihre Umgebung ausstrahlen. Dazu gehörten beispielsweise der Funkschlüssel, die Lautsprecher, die Freisprech-Einrichtung, eine Nahverbindung über Bluetooth, die Antenne oder die Batterie. Ein weiterer Bereich seien medizinische Produkte, wie zum Beispiel Herzschrittmacher oder Hörgeräte.

Alles wird jedoch von den neuen Handys übertroffen, „die zahlreichen Vorgaben genügen müssen“, sagt Schirra. Manche Testreihen wie die Auswirkungen der sogenannten Nahfeld-Kommunikation (NFC) „werden inzwischen von Robotern übernommen“. Eingesetzt wird die Technologie zum Beispiel beim Bezahlen per Smartphone. Allerdings müsse garantiert sein, dass die Lesegeräte diese Signale auch verstehen. „Unsere Roboter-Einrichtung kann parallel 47 Lesegeräte auf ihre NFC-Tauglichkeit hin überprüfen“, sagt Schirra.

„Im Erweiterungsbau sollen unter anderem Lithium-Ionen-Batterien auf ihre Alltagstauglichkeit in Elektrofahrzeugen geprüft werden“, erläutert Andreas Ehre, Mitglied der CTC-Geschäftsleitung. So würden dort beispielsweise Unfälle simuliert oder Nägel in die Batterien getrieben, um zu überprüfen, wie sie reagieren. „In diesen Batterien ist sehr viel Energie auf engstem Raum zusammengepackt, und es besteht die Gefahr, dass sie in Brand geraten, wenn sie beschädigt werden“, sagt Ehre. „Das muss auf jeden Fall verhindert werden.“

CTC unterstützt seine rund 950 Kunden auch, wenn die Zertifizierung der Elektrogeräte in zahlreichen Ländern sichergestellt werden soll. „Hierzu haben wir ein Expertenteam zusammengestellt, das die wichtigsten Kontakte zu den Behörden eines jeden Landes herstellt“, erläutert Ehre.



CTC Advanced ist nach seiner Umbenennung – wie auch die frühere Muttergesellschaft Cetecom – ein Tochterunternehmen des RWTÜV (Essen) geblieben. „Wir können jetzt nur freier entscheiden“, meint Schirra. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr rund 18 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet und beschäftigt mehr als 160 Mitarbeiter – Tendenz steigend. Zehn Stellen sind derzeit unbesetzt. Hervorgegangen ist die Firma aus dem früheren Bundesamt für Zulassungen in der Telekommunikation (BZT) mit Sitz in Saarbrücken. Mit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarkts wurde das BZT 1998 aufgelöst und seine Aufgaben privaten Firmen übertragen.