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Der Streik bei der Saarbrücker Gießerei geht weiter
Neue Halberg Guss ist „massiv gefährdet“

(Symbolbild).
(Symbolbild). FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Arbeitgeber und Gewerkschaft brachen gestern ihre Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag ab. Von Tobias Fuchs

Der Streik beim Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) geht weiter. Gestern verhandelte die Gewerkschaft IG Metall mit der Geschäftsführung zwar erneut über einen Sozialtarifvertrag. Doch: Nach einer Stunde gingen die Parteien in Saarbrücken auseinander – ohne Ergebnis, ohne neuen Termin. Der Fortbestand der Traditionsgießerei mit 2100 Beschäftigten in Saarbrücken-Brebach und Leipzig ist „massiv gefährdet“, wie Halberg-Chef Alexander Gerstung sagte. Darin bestand Einigkeit mit der IG Metall. Gerstung kritisierte die Gewerkschafter scharf. „Die packen gerade den Grabdeckel drauf“, sagte er: „Uns ist nicht klar, was die Agenda der IG Metall ist.“ Patrick Selzer, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Saarbrücken, hielt dagegen: „Wir hatten erwartet, dass das Tarifangebot heute komplettiert wird.“ Außerdem vermisste Selzer „belastbare Fakten“ zur Zukunft des Motorblock-Herstellers. Gerstung schlug einen Schlichter vor, die Gegenseite lehnte ab: Eine Schlichtung mache keinen Sinn, so Selzer.


Die Arbeitnehmervertreter hatten der NHG vor zwei Wochen einen Forderungskatalog vorgelegt. Er sollte die Basis für einen Tarifvertrag sein. Der Hintergrund: Das Unternehmen will sein Werk in Leipzig mit 600 Mitarbeitern schließen. Auch in Brebach sollen 300 Jobs gefährdet sein. Weshalb die Gewerkschaft eine Transfergesellschaft und Abfindungen verlangt, finanziert über einen treuhänderisch verwalteten Fonds – der für alle Angestellten reicht. Dieser Umfang soll der NHG erst bei den Verhandlungen vor einer Woche klargeworden sein, auf die der Streik folgte. Daher hatte man mit der IG Metall eine Sprachregelung gefunden, von einem „unvollständigen Angebot“ gesprochen.

Im Anschluss bezifferte ein NHG-Sprecher das Finanzvolumen des Fonds auf rund 700 Millionen Euro, in etwa das Doppelte des erwarteten Jahresumsatzes. Gerstung sprach gestern von einer „Höchstforderung“, die „jenseits von gut und böse“ liege. Darum kam die NHG der Gewerkschaft vorerst nicht weiter entgegen. Der Geschäftsführer sagte: „Ich lasse mich nicht von jemanden vor sich hertreiben, der keine unternehmerische Verantwortung trägt.“ Die belastbaren Kundenbeziehungen litten massiv unter dem Arbeitskampf. Anders sieht das die Gewerkschaft: Sie misstraut der Prevent-Gruppe, zu der die NHG seit Januar gehört. Und befürchtet, dass die Gießerei ihren Hauptkunden Volkswagen verliert, weil der mit Prevent über Kreuz liegt.