| 21:59 Uhr

Streit um Zukunft der Saarbrücker Gießerei
Neue Halberg Guss stoppt Schlichtung

„Halberg Guss muss leben“. Mit diesem Banner zogen streikende Mitarbeiter der Gießerei Mitte Juli durch Frankfurt. Wie das Unternehmen jetzt weiterleben kann, ist nun wieder ganz ungewiss.
„Halberg Guss muss leben“. Mit diesem Banner zogen streikende Mitarbeiter der Gießerei Mitte Juli durch Frankfurt. Wie das Unternehmen jetzt weiterleben kann, ist nun wieder ganz ungewiss. FOTO: dpa / Arne Dedert
Saarbrücken. Die Geschäftsführung der Saarbrücker Motorblock-Gießerei hat die Schlichtungsverhandlungen für gescheitert erklärt. Jetzt droht eine neue Eskalation. Von Volker Meyer zu Tittingdorf
Volker Meyer zu Tittingdorf

Die Hoffnungen der Belegschaft auf einen Neuanfang bei Neue Halberg Guss (NHG) sind gestern jäh enttäuscht worden. Die Geschäftsführung hat die Schlichtung für gescheitert erklärt. „Völlig überraschend“ kam die Nachricht für die IG Metall, wie die Gewerkschaft mitteilte. Jetzt steht ein bedrohliches Szenario im Raum: „Ein Stellenabbau in deutlich größerem Umfang als noch im Juni angenommen ist nicht mehr auszuschließen“, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. Das Management hatte die Schließung des Leipziger Werks mit seinen 700 Mitarbeitern für Ende 2019 angekündigt, und für das Hauptwerk in Saarbrücken stand ein Abbau von 300 der 1500 Stellen im Raum.


Den Ausstieg aus der Schlichtung begründet die NHG mit Vorwürfen an die Gewerkschaft: „Die Nachwirkungen des langen und intensiven Streiks haben dazu geführt, dass eine zukunftsorientierte Lösung nahezu unmöglich geworden ist.“ Seit Ende Juli lief die Schlichtung. Vorausgegangen war ein sechswöchiger Streik für einen Sozialtarifvertrag, der die Folgen des geplanten drastischen Arbeitsplatzabbaus abfedern sollte, und für eine Zukunftsperspektive. Daran zweifelten nämlich Gewerkschaft und Betriebsrat, spätestens nachdem die NHG die Lieferungen an den Hauptkunden VW unterbrochen und drastische Preiserhöhungen verhängt hatte. Die Arbeitnehmervertreter fürchteten, dass die 2200 Beschäftigten zum Spielball in einer seit Jahren erbittert geführten Auseinandersetzung zwischen der Prevent-Gruppe und VW werden würden. Prevent hatte die NHG im Januar übernommen.

Zunächst ging es in den Schlichtungsgesprächen um die Forderung nach einem Sozialtarifvertrag. Bald verschob sich aber der Schwerpunkt. Die NHG-Eigentümer verhandelten auch über „einen eventuellen Verkauf an einen Investor“, wie es jetzt in der Stellungnahme der Geschäftsführung heißt. Die Hoffnungen wuchsen, eine Zukunftsperspektive für beide Standorte der Motorblock-Gießerei zu finden. Die Rettung des Werks Leipzig schien möglich, und die Mitarbeiter in Saarbrücken machten sich Hoffnungen, dass mehr Jobs als erwartet erhalten bleiben können.



Aus Sicht der NHG-Geschäftsführung war aber „der von der IG Metall und der saarländischen Regierung favorisierte potenzielle Käufer nicht in der Lage, von den Automobilherstellern dauerhaft verbindliche Zusagen über Liefermengen und -preise zu erhalten, die eine Fortführung des Unternehmens unter Erhalt beider Standorte ermöglicht hätten“. Zwar schließt die Prevent-Gruppe einen Verkauf weiterhin nicht gänzlich aus, aber Gespräche mit anderen Kaufinteressenten „bieten aktuell keine ausreichende Perspektive“. Und weil die IG Metall auf ihren Maximalforderungen beim Sozialtarifvertrag beharre, sei die Schlichtung gescheitert.

Die IG Metall hat eine ganz andere Sicht auf die Schlichtung. „Nach unseren Informationen laufen gerade aktuell erfolgversprechende Verhandlungen mit einem Erwerber. Streit gibt es dabei vor allem über den Kaufpreis, den die Eigentümer der NHG erwarten“, sagte Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte, zu dem auch das Saarland gehört. Dass der Preis ein Grund für die Absage der Geschäftsführung an die Schlichtung sein könnte, bestritt ein Sprecher des Unternehmens. Die IG Metall hält den Schritt des Managements für unverantwortlich. Damit werde kein Problem der Standorte gelöst und die Belieferung der Kunden zusätzlich erschwert, erklärt die Gewerkschaft. „Wir verlangen, dass die Verhandlungen jetzt kurzfristig zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden, statt durch Zockerei die Arbeitsplätze unserer Kollegen aufs Spiel zu setzen“, forderte Köhlinger. Ob der mit Beginn der Schlichtung unterbrochene Streik nun wieder aufgenommen wird, blieb gestern offen. Aus Sicht des Unternehmens würde dies die prekäre Lage des Unternehmens nur verschärfen. Denn der Streik habe schon dazu geführt, dass Kunden sich andere Zulieferer gesucht hätten, sagte der Firmensprecher.