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Saar-Nanospezialist
Nanogate sichert sich Millionenauftrag

Produktionsanlage für beschichtete Kunststoffe der Serie N-Metals bei Nanogate: Das Unternehmen will die Produkte in Edelstahl-Optik in den USA herstellen.
Produktionsanlage für beschichtete Kunststoffe der Serie N-Metals bei Nanogate: Das Unternehmen will die Produkte in Edelstahl-Optik in den USA herstellen.
Göttelborn. Die Göttelborner beliefern einen US-Küchengerätehersteller mit Spezialkunststoff. Es ist der größte Auftrag der Firmengeschichte. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

(jwo) Einen Tag vor der heutigen Hauptversammlung konnte der Göttelborner Nano-Hersteller Nanogate seine Aktionäre mit einer Erfolgsmeldung auf die guten Ergebnisse einstimmen. Gestern verkündete das Unternehmen den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte: Der Spezialist für Oberflächenbeschichtungen beliefert einen US-Haushaltsgerätehersteller ab 2019 mit Komponenten für Küchengeräte. Das Volumen des Auftrags beträgt 100 Millionen Dollar bei einer Laufzeit von bis zu acht Jahren.


Bei dem Auftrag geht es nach Unternehmensangaben um einen hitzebeständigen Kunststoff, der in einem von Nanogate entwickelten und integrierten Verfahren mit einer Metallisierung in Edelstahloptik versehen wird. „Der Millionen-Auftrag für Edelstahl-Ersatztechnologien bestätigt unsere Innovationskraft und unsere gute strategische Ausrichtung“, sagte Nanogate-Vorstandschef Ralf Zastrau. „Innovative Kunststoffe als Ersatz für Metalle bieten erhebliche Kosten- und Design-Vorteile.“

Die neue Technik hat Nanogate eigenen Angaben zufolge in den USA entwickelt. Seit Jahresbeginn habe der Saarbrücker Konzern mit der Vermarktung begonnen. Die Produktion soll ab Anfang des Jahres im US-Werk in Ohio starten. Doch der US-Auftrag sei für die neue Technik erst der Anfang, sagte der Nanogate-Chef. Die Aufmerksamkeit sei weltweit sehr hoch.



Mit der Edelstahl-Optik erweitert Nanogate seine Linie von Kunststoffen in Metall-Optik. Bereits jetzt hat das Unternehmen in dem Bereich N-Metals beschichtete Kunststoffe in Chrom-Optik im Angebot. Neben diesen Lösungen in Chrom und Edelstahl sei bereits eine dritte Lösung zum Ersatz von Metall durch Kunststoff in Arbeit, teilte das Unternehmen gestern mit. Nanogate verzeichne auch über den aktuellen Auftrag hinaus „signifikantes Interesse an Edelstahlersatztechnologien, vor allem für Anwendungen in Küche oder Bad“, sagte Zastrau.

Ob die von Trump jüngst erhobenen Strafzölle und damit auch die höheren Stahlpreise der Kunststofflösung weiteren Schub verleihen können, das wollte Zastrau gestern nicht spekulieren. Fakt sei aber, dass die Kunststoff-Teile in Edelstahl-Optik durch die Form-Varian­ten in unterschiedlichsten Feldern eingesetzt werden können. „Aus unserer Sicht ist das ein hoher dreistelliger Millionenmarkt“, sagte Zastrau.

Nanogate ist mit seinen hochfest beschichteten Kunststoffen bereits seit vielen Jahren in unterschiedlichsten Industriebereichen aktiv. Zu den Kunden zählen unter anderem Airbus, BMW, Daimler oder BSH Hausgeräte.

Das Saar-Unternehmen ist seit Jahren – unter anderem mit Zukäufen – auf Wachstumskurs. Erst vor wenigen Wochen hat Nanogate das schwäbische Design- und Entwicklungsunternehmen Holzapfel Engineering Team in Böblingen gekauft. Im Februar hatte sich das Unternehmen das finnische Technologie-Startup Tacto-Tek gesichert. Die Finnen sind auf die Integration gedruckter Schaltungen und elektronischer Komponenten in Spritzguss-Kunststoffe spezialisiert.

Der Umsatz im vergangenen Jahr legte um rund zwei Drittel auf 186,2 Millionen Euro zu. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 74 Prozent auf 21,5 Millionen Euro. Für das aktuelle Jahr hatte Zastrau einen Umsatz von 220 Millionen Euro angekündigt. Im Saarland hat Nanogate Standorte in Göttelborn und in Neunkirchen. Weltweit hat das Unternehmen rund 1500 Mitarbeiter.

Nanogate-
Vorstandschef 
Ralf Zastrau.
Nanogate- Vorstandschef Ralf Zastrau. FOTO: Iris Maurer