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Börsengang von Spotify
Musikdienst lässt die Kasse klingeln

 Spotify-Chef Daniel Ek.
Spotify-Chef Daniel Ek. FOTO: Vince Bucci / dpa
New York. Der schwedische Streamingdienst Spotify hat seinen Börsenstart in New York hinter sich. Die Hoffnungen sind groß, die Verluste aber auch.

Der größte Musik-Streamingdienst Spotify hat bei seinem Börsendebüt für Spannung gesorgt. Erst mehr als drei Stunden nach dem Handelsauftakt der New York Stock Exchange (NYSE) wurde gestern ein offizieller Einstandskurs von 165,90 US-Dollar (134,7 Euro) für die Aktien des schwedischen Unternehmens ermittelt. Damit starteten die Papiere 26 Prozent über dem von der NYSE gesetzten Referenzkurs von 132 Dollar (107 Euro). Das bedeutet, die Aktien waren zum Auftakt deutlich mehr wert als bei privaten Transaktionen vor dem Börsengang.


Dass sich der Handelsstart der Anteilsscheine so lange hinzog, liegt auch an dem ungewöhnlichen Verfahren der Direktplatzierung, das Spotify gewählt hatte. Die Schweden verzichteten weitgehend auf die – für eine Firma ihrer Größenordnung eigentlich übliche – Betreuung durch Investmentbanken.

Spotify ließ sich zwar von Goldman Sachs und Morgan Stanley beraten. Doch statt die Wall-Street-Häuser mit der Aktienausgabe und der kursstabilisierenden Platzierung bei Großinvestoren und dem dazugehörigen Preisbildungsprozess zu betrauen, wurde einfach ein Teil der bestehenden Anteilsscheine direkt an der Börse gelistet. Dadurch spart die Firma Kosten, sammelt aber auch kein frisches Aktienkapital ein und nimmt Ungewissheit zum Handelsauftakt in Kauf. Durch das Verfahren sollen die Gründer und Investoren des Streamingdienstes die Kontrolle behalten. Außerdem sollen Kosten für die Beteiligung von Banken an der Emission vermieden werden. Die Firma hält nichts von großem Pomp – so stellte Firmenchef und Gründer Daniel Ek klar, dass niemand zum Börsenstart die Glocke läuten oder Partys feiern werde, er selbst werde auch keine Interviews geben.

Aus den bei der US-Börsenaufsicht (SEC) eingereichten Dokumenten ging kürzlich hervor, dass Spotify den Wert des Unternehmens auf 23,4 Milliarden Dollar (gut 19 Milliarden Euro) schätzt. Der Streamingdienst erklärte Anfang März, es würden Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Dollar in Umlauf gebracht.

Spotify ist zwar der klare Marktführer im Musik-Streaming, aber weit entfernt von einem profitablen Geschäftsmodell. Ende 2017 hatte das schwedische Unternehmen 71 Millionen zahlende Abo-Kunden und 159 Millionen Nutzer insgesamt. Doch trotz rasanten Wachstums – der Umsatz kletterte im vergangenen Jahr um fast 39 Prozent – nahm der operative Verlust von 349 Millionen auf 378 Millionen Dollar zu. 2018 will Spotify die 200-Millionen-Nutzer-Marke knacken, rechnet aber mit einem operativen Minus von 230 bis 330 Millionen Dollar.



Um Anleger vor dem Börsendebüt zu überzeugen, vergleicht sich Spotify gerne mit Netflix. Nicht zuletzt hat Firmenchef Ek mit Barry McCarthy den Mann als Finanzchef an Bord geholt, der 2002 bereits den heutigen Marktführer im Video-Streaming an die Börse brachte. Parallelen gibt es durchaus: Bevor Netflix zum Inbegriff einer neuen Fernsehkultur wurde, die ohne klassische Kabelanbieter auskommt, schrieb das Unternehmen auch lange Zeit rote Zahlen. Heute ist Netflix profitabel und an der Börse über 130 Milliarden Dollar wert.

Daniel Ek ist als Mitgründer und Chef von Spotify mit 35 Jahren inzwischen eine der Schlüsselfiguren im globalen Musikgeschäft. Doch der Schwede hat sich sein betont geerdetes Auftreten bewahrt und richtete die Zimmer seiner zwei Kinder jüngst mit Ikea-Möbeln aus, wie er in einem Interview bekannt gab. Dort erfuhr man auch, dass „Dancing Queen“ sein Lieblings-
ABBA-Song ist.