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| 21:57 Uhr

Zulieferstreit
Mitarbeiter der Neuen Halberg Guss begehren auf

Die Neue Halberg Guss (NHG) produziert vor allem Motorenblöcke. Die Belegschaft sorgt sich, dass Volkswagen, der mit Abstand wichtigste Abnehmer, wegen des Streits mit dem NHG-Eigner Prevent Aufträge storniert.
Die Neue Halberg Guss (NHG) produziert vor allem Motorenblöcke. Die Belegschaft sorgt sich, dass Volkswagen, der mit Abstand wichtigste Abnehmer, wegen des Streits mit dem NHG-Eigner Prevent Aufträge storniert. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die IG Metall und der Betriebsrat der Gießerei haben den Zukunftstarifvertrag gekündigt. Die Geschäftsführung reagiert mit Unmut. Von Volker Meyer zu Tittingdorf
Volker Meyer zu Tittingdorf

Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat setzen bei der Neuen Halberg Guss ein Zeichen des Widerstands. Sie haben den Zukunftstarifvertrag gekündigt, der eigentlich noch bis Jahresende gelaufen wäre. Das hatten sie angedroht, nachdem die Geschäftsführung vergangene Woche Lieferungen an den Hauptkunden VW zeitweise unterbrochen hatte. Die Belegschaft fürchtet in den Machtkampf hineingezogen zu werden, den die Prevent-Gruppe, der neue Eigentümer der Saarbrücker Gießerei, seit Jahren mit VW führt.

Auslöser der Kündigung waren auch die Reaktionen der Geschäftsführung auf die Versammlung von rund 600 besorgten Beschäftigten, als die Lieferungen nicht rausgingen. „Unterstellungen und Androhungen führen bei der Belegschaft zu Unmut und Verärgerung“, teilte die IG Metall mit. Auch habe die Geschäftsführung in ihren Antworten auf Fragen der Arbeitnehmervertreter „Ängste weiter geschürt“.

Die Kündigung hat aus Sicht von IG Metall und Betriebsrat auch klare Gründe. Die Prevent-Gruppe „hat gegen wichtige Bestimmungen des Vertrags verstoßen“, sagte Patrick Selzer, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken: Das Unternehmen zahlt nach seiner Darstellung die Löhne nicht in der vereinbarten Höhe, sondern bleibt gut ein Prozent darunter. Unternehmensbereiche würden ausgelagert, obwohl der Vertrag genau das untersage. Darüber hinaus habe sich Prevent die südafrikanische NHG-Tochter Atlantic Foundries als Gewinnausschüttung einverleibt – auch dies nach Einschätzung Selzers entgegen den Bestimmungen des Vertrags.

Die Belegschaft sei nicht mehr bereit, das Vorgehen des Managements finanziell und mit Mehrarbeit zu unterstützen, sagte Selzer. Bislang verzichten die Mitarbeiter noch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und leisten Mehrarbeit. Sie fürchten, dass „auf dem Rücken der Belegschaften ein Konflikt ausgetragen wird, der am Ende keine Perspektive für die 1500 Beschäftigten in Saarbrücken und circa 600 Beschäftigten am Standort Leipzig bietet“, heißt es in einer Mitteilung der IG Metall. Die Kündigung dürfte die Prevent-Gruppe Kosten von zwei Millionen Euro bescheren, schätzt der Gewerkschaftsfunktionär.

Die Prevent-Gruppe hatte im Sommer 2016 über ihre Töchter Car Trim und ES Guss VW mit Lieferstopps unter Druck gesetzt. Die danach vereinbarten Lieferverträge hat VW vor einigen Wochen gekündigt. Prevent bereitet nun eine milliardenschwere Schadenersatzklage vor. 2015 hatte es auch in Brasilien Ärger wegen Lieferstopps gegeben: 160 Tage Produktionsstopp, 18 000 Mitarbeiter in Zwangsurlaub, 140 000 nicht gefertigte Fahrzeuge, alles zusammen  ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe. „Das Vertrauensverhältnis hat durch diese Geschehnisse massiv und nachhaltig gelitten“, teilte Volkswagen auf Anfrage mit.

Die Gewerkschaft fordert von der Geschäftsführung eine Zukunftsperspektive für die Mitarbeiter. Bei einer Lösung müssten „die Belange der Beschäftigten berücksichtigt“ werden, sagte Selzer. Er hat den Eindruck, dass in dem Streit der bosnischen Firmengruppe und des Volkswagen-Konzern die Sicherung der Arbeitsplätze nicht im Blick ist.

Die Geschäftsführung von Prevent reagierte mit Unmut auf die Kündigung. Sie „trifft die Neue Halberg Guss zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt“, teilte ein Sprecher mit. „IG Metall und Betriebsrat bringen das gesamte Unternehmen in Gefahr.“ Am kommenden Mittwoch findet eine Betriebsversammlung statt. Dabei soll sich dann die Geschäftsführung den Fragen der Mitarbeiter stellen.

Positiv reagierte das Management auf die Vermittlungsinitiative der Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). „Wir begrüßen grundsätzlich jeden Schritt, der zur Deeskalation beiträgt, und sind daher grundsätzlich gesprächsbereit. Wir hoffen sehr, dass Volkswagen sich seiner Verantwortung stellt und Gespräche auf  einer echten Vertrauensbasis stattfinden können“, teilte der Unternehmenssprecher mit.  Die Ministerin hatte angeboten, ein Treffen zwischen Vertretern von Volkswagen und der Prevent-Gruppe mit zu organisieren und zu moderieren.