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Arbeit und Qualifikation
Mit Hartz IV kaum Chance auf Abschluss

Eine abgeschlossene Ausbildung ist die beste Voraussetzung für einen Arbeitsplatz.
Eine abgeschlossene Ausbildung ist die beste Voraussetzung für einen Arbeitsplatz. FOTO: dpa / Daniel Bockwoldt
Berlin. Immer weniger Hartz-IV-Empfänger können einen Berufsabschluss nachmachen. Dadurch sinken auch ihre Chancen am Arbeitsmarkt.

Nur ein Bruchteil der erwerbslosen Hartz-IV-Empfänger ohne Berufsabschluss kam im vergangenen Jahr in eine Weiterbildungsmaßnahme, die auf eine Beseitigung dieses zentralen Vermittlungshemmnisses ausgerichtet war. Das geht aus einer Datenübersicht der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die unserer Redaktion vorliegt.


Demnach verfügten im Jahr 2017 durchschnittlich 939 000 arbeitslose Grundsicherungsempfänger über keine abgeschlossene Berufsausbildung. Aber nur 12 631 Betroffene haben eine entsprechende Qualifizierungsmaßnahme mit dem Ziel eines solchen Abschlusses angetreten. Im Jahr 2010 waren es noch mehr als 20 000 Grundsicherungsempfänger gewesen. „Oft machen Erwerbslose die Erfahrung, dass ihre Nachfragen und Bemühungen nach einer Weiterbildung von Jobcentern zurückgewiesen werden“, kritisierte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, im Gespräch mit unserer Redaktion. Das sorge für „Frustration und Resignation“.

Weniger eklatant ist das Missverhältnis im Bereich des beitragsfinanzierten Arbeitslosengeldes I. Hier gab es im Jahr 2017 durchschnittlich 113 000 Erwerbslose ohne Berufsabschluss. Gleichzeitig traten 19 250 Betroffene eine berufsabschlussorientierte Weiterbildung an. „Die Zahl der Menschen, die im Rahmen von Weiterbildung mit dem Ziel eines Berufsabschlusses gefördert werden, ist im Vergleich zur Zahl der Erwerbslosen ohne Berufsabschluss verschwindend gering“, bemängelte Zimmermann. Hier müsse die Bundesregierung endlich handeln und deutlich mehr Mittel zur Verfügung stellen, so die Linken-Politikerin. Die gleiche Forderung hatte kürzlich auch der Deutsche Landkreistag erhoben. Die für Hartz-IV-Empfänger zuständigen Jobcenter verfügten pro erwerbsfähigem Leistungsberechtigten nur über ein Fünftel der Gelder, die den Arbeitsagenturen zur Verfügung stünden, „obwohl es deutlich aufwändiger und anspruchsvoller ist, Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, klagte Verbandspräsident Reinhard Sager.



Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind Menschen ohne Berufsabschluss fünfmal häufiger arbeitslos als ausgebildete Fachkräfte. Im Jahr 2016 lag die Arbeitslosenquote von Ungelernten bei 20 Prozent. In der Gruppe der Personen mit beruflichem oder schulischem Abschluss waren es nur 4,2 Prozent. Unter dem Strich, so die Analyse der Arbeitsmarktforscher, führt das hohe Risiko der Arbeitslosigkeit von Ungelernten dazu, dass sie die Hälfte der Arbeitslosen stellen, obwohl ihr Anteil an allen Erwerbspersonen nur 15 Prozent ausmacht.