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Tarifverhandlungen
Metall-Arbeitgeber: „Nicht im Schlaraffenland“

Die Arbeitgeber erwarten für die Metall-Tarifverhandlungen in den kommenden Monaten harte Auseinandersetzungen.
Die Arbeitgeber erwarten für die Metall-Tarifverhandlungen in den kommenden Monaten harte Auseinandersetzungen. FOTO: Christian Charisius / dpa
Saarbrücken/Mainz. Morgen treffen die IG Metall und die Arbeitgeber des Bezirks West zu den aktuellen Tarifverhandlungen zusammen. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Die Forderungen der IG Metall für die aktuellen Tarifverhandlungen sind bereits seit Oktober bekannt – jetzt geht der Bezirk Mitte in die Verhandlungen. Morgen beginnt in Mainz die erste Verhandlungsrunde, in der die Gewerkschaft der Arbeitgeberseite ihre Forderungen vorstellt.



Joachim Malter, der als Hauptgeschäftsführer der ME Saar die Arbeitgeber vertritt, erwartet angesichts der Forderungen sehr harte Verhandlungen. Sechs Prozent mehr Geld verlangt die Gewerkschaft auf der einen Seite für ihre deutschlandweit rund 3,9 Millionen Beschäftigten. Außerdem will sie, dass die Arbeitgeber Metall-Arbeitern das Recht einräumen, für zwei Jahre die Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden zu reduzieren – mit Rückkehrrecht und Teillohn-Ausgleich.

Vor allem die Arbeitszeitforderung ist Malter ein Dorn im Auge. Denn das sei für die Betriebe in dieser Form nicht zu stemmen. „Sicherlich wird es in Notlagen beispielsweise wegen Pflegebedarfs in der Familie immer möglich sein, mit dem Arbeitgeber eine Lösung zu finden“, sagt Malter. Aber das Recht auf Teilzeit, bei dem der Arbeitnehmer auch noch bestimmen kann, welcher Tag frei ist, stelle das Unternehmen vor erhebliche Personalrisiken. „Es wäre ja noch zu schaffen, wenn fünf Arbeitnehmer verteilt über die Woche einen freien Tag nehmen. Dann könnte man sie durch eine Fachkraft ersetzen, vorausgesetzt, dass man diese überhaupt noch findet“, sagt Malter. „Aber wenn alle beispielsweise am Freitag frei nehmen wollen, ist die Produktion nicht mehr zu sichern.“

Malter sieht in solchen Forderungen langfristig eine Bedrohung für den Industriestandort. „Wir sehen mit großer Besorgnis, dass die Investitionen in Deutschland massiv zurückgehen“, sagt er. Gerade mit Blick auf die Digitalisierung der Produktion und der Umbrüche in der Autoindustrie seien hierzulande erhebliche Investitionen nötig, um die Fabriken auf den neuesten Stand zu bringen. Angesichts der Entwicklungen würden sich allerdings immer mehr Unternehmen überlegen, ob es noch sinnvoll ist, hierzulande zu investieren. Nach Angaben der ME Saar ist die Zahl der Auslandsbeteiligungen und -Aktivitäten der Metall- und Elektrounternehmen zwischen  2010 und 2015 um 23 Prozent gestiegen, die Beschäftigung im Ausland um 26 Prozent und der Umsatz um 51 Prozent. Und das zulasten der deutschen Standorte. „Wir sind hier nicht im Schla­raffenland“, sagt Malter. „Das funktioniert nicht, denn irgendwann sind die Betriebe weg.“

Auch die Forderung von sechs Prozent mehr Gehalt sehen die Arbeitgeber sehr kritisch. Zwar sei es richtig, dass Volkswirte für Deutschland höhere Tarifabschlüsse fordern, um den Binnenkonsum anzukurbeln. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass damit ausgerechnet die Metallbranche gemeint ist, sagt Malter. Seit 2013 sind die Gehälter in der Branche nach Angaben von ME Saar um fast 20 Prozent gestiegen, das Jahres-Durchschnittsgehalt in der Branche liegt im Saarland bei 53 000 Euro. Mit den hohen Arbeitskosten – nach Berechnung des Wirtschaftsinstituts IW Köln sind diese in der Branche bei 43,10 Euro – liegt Deutschland im Spitzenbereich weltweit. Nur die Schweiz, Belgien und Schweden liegen demnach noch höher. In Tschechien dagegen werden der Berechnung zufolge nur 25 Prozent der deutschen Arbeitskosten fällig, in Polen nur 20 Prozent. Hier noch weiter an der Schraube zu drehen, sei auch trotz der aktuell unbestritten guten Konjunktur nicht sinnvoll. Denn es sei nicht abzusehen, wie sich die Wirtschaftslage in den kommenden Jahren entwickelt – und ob sich die Unternehmen die jetzt geforderten hohen Gehaltszuwächse dann noch leisten können.



Für sinnvoller als Verhandlungen über weitere Gehaltssteigerungen oder kürzere Arbeitszeiten hält der ME-Saar-Chef Gespräche über zusätzliche Betriebsrenten. Hier Modelle zu entwickeln, um die Rentenlücke im Alter bei den Beschäftigten zu schließen, das sei Tarifpolitik, bei der von beiden Seiten schnell Einigkeit zu erzielen sei. Schon gar, da durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz ab Januar sowieso Handlungsbedarf bestehe.

ME-Saar-Chef Joachim Malter
ME-Saar-Chef Joachim Malter FOTO: BeckerBredel