| 21:57 Uhr

Interview Armin Rein
Mangel an Lkw-Fahrern bremst Spediteure

Schon heute sind viele Lkw auf der Straße. Bis 2030 soll deren Zahl weiter steigen.
Schon heute sind viele Lkw auf der Straße. Bis 2030 soll deren Zahl weiter steigen. FOTO: dpa / Marcel Kusch
Saarbrücken. Der Präsident des saarländischen Landesverbands Verkehrsgewerbe rechnet mit stark steigenden Preisen für Transporte. Von Volker Meyer zu Tittingdorf
Volker Meyer zu Tittingdorf

Den Speditionen fehlt der Nachwuchs an Fahrern. Zugleich steigt aber die Nachfrage nach Transporten. Armin Rein, der Präsident des Landesverbands Verkehrsgewerbe Saarland (LVS) wirbt um junge Leute. Nach seiner Auffassung ist der Beruf in den vergangenen Jahren attraktiver geworden.


Herr Rein, der Internethandel boomt und damit die Logistikbranche. Der Güterverkehr nimmt dem Bundesverkehrsministerium zufolge bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 38 Prozent zu. Das muss die Spediteure doch freuen.

REIN Die Situation unserer Branche ist so gut wie nie. Das Internetgeschäft Ist ein Wachstumstreiber für unser Gewerbe. Der Bedarf an Transporten steigt weiter. Das Problem ist inzwischen aber die Verfügbarkeit von Laderaum.



Armin Rein, Präsident des Landesverbands Verkehrsgewerbe Saar.
Armin Rein, Präsident des Landesverbands Verkehrsgewerbe Saar. FOTO: Industrie- und Handelskammer Saa / WIB

Warum? Sie können doch einfach mehr Lkw kaufen.

REIN Ich habe schnell meinen Fuhrpark um 20 Lkw erweitert. Das ist kein Problem. Doch ich habe noch lange nicht die Mitarbeiter, die die Lkw qualifiziert fahren können und dürfen. Wir haben weniger Nachwuchs an Fahrern bei steigender Nachfrage nach Transportkapazitäten. Das ist eine Wachstumsbremse für uns – und unsere Auftraggeber. Die Folge: Transporte werden immer teurer.

Wie groß ist das Nachwuchsproblem?

REIN Auf zwei Fahrer, die gehen, kommt schätzungsweise nur ein neuer.

Aber ist das nicht verständlich? Der Beruf hat ja kein so gutes Image. Die meisten denken an Fernfahrer, die in der Woche ihre Familie nicht sehen und schlecht bezahlt werden.

REIN Sonntagabend raus, Samstagmittag daheim – das war einmal. Wir fahren heute in festen Rhythmen und haben Schichtbetrieb. Meistens sind die Fahrer abends daheim wie andere Arbeitnehmer auch. Die Arbeitsbedingungen haben sich drastisch verbessert, und die Verdienstmöglichkeiten sind weitaus besser als früher, eben auch, weil Fahrer fehlen.

Wie viel verdient ein Lkw-Fahrer?

REIN Das lässt sich schwer sagen. Das hängt von den Einsatzbedingungen ab. Die Spanne liegt etwa zwischen 2500 und 3000 Euro monatlich. Dazu kommen steuerfreie Zuschläge und Spesen. Sie sind ein hoher Anreiz.

Das hat sich aber noch nicht herumgesprochen.

REIN Ja, das Image muss verbessert werden. Wir müssen junge Menschen der Smartphone-Generation für unser Gewerbe begeistern. Unser Beruf hat eine gute duale Ausbildung. Und man braucht auch Grips. Unsere Fahrer nutzen Laptops und On-Board-Units. Die Digitalisierung schreitet auch im Speditionsgewerbe voran.

Inzwischen konkurrieren aber viele Branchen um die immer weniger werdenden Schulabgänger. Gibt es noch andere Wege, an Fahrer zu kommen.

REIN Menschen ohne berufliche Qualifikation können bei uns einen Beruf finden. Um sie schneller zu qualifizieren, wäre es gut, wenn wir auch eine auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung anbieten könnten. Nicht jeder braucht die Berechtigung, Gefahrgüter zu transportieren. Und Flüchtlinge könnten wir eher einsetzen, wenn Berufskraftfahrer-Weiterbildung nicht unbedingt mit einer Prüfung in deutscher Sprache abgeschlossen werden muss.

Wäre der Einsatz der – umstrittenen – überlangen Lkw Teil einer Lösung?

REIN Es ist mir unverständlich, warum so viele Menschen Vorbehalte gegen die Lang-Lkw haben. Der Typ 1 der Lang-Lkw ist nur 1,50 Meter länger als bisherige Lkw. Da gucken 99 Prozent der Bevölkerung drauf und sehen keinen Unterschied. Aber das sind zehn Prozent Ladevolumen mehr. Das bringt eine Entlastung angesichts des Fahrermangels und fehlenden Laderaums. Der nächste Lang-Lkw-Typ 2 mit fast 50 Prozent mehr Volumen macht noch mehr Sinn. Geringere Achslasten, weniger Rollwiderstände und damit eine niedrigere Belastung der Straßen. Hinzu kommt der deutlich geringere Kraftstoffverbrauch. Es ist aber nur ein kleiner Teil der Transportaufträge – leichte Güter über lange Strecken – für Lang-Lkw geeignet.

Fahren dürfen die Lang-Lkw nur auf genehmigten Strecken. Im Saarland wurde der größte Teil des Autobahnnetzes für Lang-Lkw freigegeben, aber noch nicht die Zubringerwege. Nur Testfahrten haben bisher stattgefunden. Wann tut sich da mehr?

REIN Das saarländische Verkehrsministerium hat keinerlei Vorbehalte gegenüber Lang-Lkw. Eigentlich dürfte auch die Freigabe der Autobahnen deutschlandweit kein Problem sein, aber Rheinland-Pfalz hat das nicht gemacht. So ist für uns an der Landesgrenze Schluss. Es sollen nun Gespräche mit der rheinland-pfälzischen Landesregierung stattfinden. Damit die Politik wach wird, muss das Transportgewerbe Strecken beantragen und den Bedarf anmelden.

Demnächst stehen Erhöhungen der Lkw-Maut bevor. Was bedeutet dies für Ihre Branche?

REIN Die Ausweitung der Maut auf alle Bundesstraßen zum 1. Juli bedeutet eine Kostenerhöhung von geschätzt zwei Milliarden Euro. Zu den 15 000 Autobahnkilometern kommen noch weitere 37 000 Kilometer Bundesstraßen hinzu. Die Maut trifft dann stärker den Verteilerverkehr in der Fläche. Man geht davon aus, dass bisher 48 Prozent des Verteilerverkehrs in der Fläche mautpflichtig waren. Zukünftig werden es 75 Prozent sein. Und zum 1. Januar nächsten Jahres kommt eine weitere Mauterhöhung, die dem Staat nochmals zwei Milliarden Euro im Jahr einbringen soll.

Wie reagieren Sie auf die zusätzlichen Kosten?

REIN Es ist klar dass das Transportgewerbe die Mauterhöhungen nicht tragen kann – bei den geringen Gewinnmargen, die wir einfahren. Wir müssen die Kosten eins zu eins zum Auftraggeber weiterreichen. Schließlich muss aber der Endverbraucher zahlen. So werden zum Beispiel die Versandkostenpauschalen teurer werden.

Das Gespräch führte
Volker Meyer zu Tittingdorf