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Zulieferstreit
Management: Neue Halberg Guss in Gefahr

Prevent hat seinen Sitz in Wolfsburg-Warmenau, also nicht weit entfernt von der Volkswagen-Konzernzentrale.
Prevent hat seinen Sitz in Wolfsburg-Warmenau, also nicht weit entfernt von der Volkswagen-Konzernzentrale. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Saarbrücken/Wolfsburg. Es fehlen wichtige Aufträge, um den Fortbestand der Saarbrücker Gießerei zu sichern. Das räumt die Geschäftsführung gegenüber der besorgten Belegschaft ein. Von Volker Meyer zu Tittingdorf
Volker Meyer zu Tittingdorf

Die Signale bei der Neuen Halberg Guss (NHG) stehen weiter auf Konflikt, und die Sorgen der Beschäftigten um die Zukunft ihres Arbeitsplatzes werden gewiss wachsen. Das Management der Unternehmensmutter Prevent hat auf den Fragenkatalog, den die IG Metall und der Betriebsrat an die Geschäftsführung gesandt hatte, zwar fristgemäß bis gestern Antworten geschickt, doch nur „teilweise und unzureichend“ habe Prevent geantwortet, sagte gestern Patrick Selzer, 2. Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall in Saarbrücken. Vor allem aber: Das Management räumt ein, dass der Standort in Gefahr sei. Das geht aus der unserer Zeitung vorliegenden Textfassung vor.


Nachdem Prevent die Auslieferung von Motorblöcken an VW vergangene Woche zeitweise unterbrochen hatte, sorgen sich Gewerkschaft und Belegschaft um die Zukunft der rund 1500 Arbeitsplätze in der Saarbrücker Gießerei sowie der etwa 600 Jobs im Schwesterwerk Leipzig. Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass Prevent seinen langjährigen Zwist mit VW nun auf dem Rücken der Belegschaft der Neuen Halberg Guss austrägt.

Die Antworten selbst, die gestern im Unternehmen ausgehängt wurden, enthalten brisante Aussagen zu Arbeitsplätzen und Fortbestand des Standorts. Die Geschäftsführung räumt darin ein, dass weder die beiden NHG-Standorte in Saarbrücken-Brebach und Leipzig noch alle Arbeitsplätze gesichert seien. Entscheidender Grund dafür ist dem Schreiben zufolge, dass entgegen früherer Zusicherungen keine Zukunftsaufträge von VW vorlägen. Volkswagen wolle eine eigene Gießerei bauen, außerdem gingen die Stückzahlen wegen der eingebrochenen Nachfrage nach Diesel-Autos zurück. Das Management gibt VW die Schuld an der schwierigen Lage.



Die Prevent-Geschäftsführung bestreitet weiter, dass vergangene Woche ein zeitweiser Lieferstopp verhängt wurde. Wer das behaupte, mache sich zum „Handlanger von VW“, zitierten gestern Mitarbeiter Aussagen der Geschäftsführung. Außerdem wird der Belegschaft Schuld an Verzögerungen gegeben. Sie habe durch die Betriebsversammlung am Donnerstag pünktliche Lieferungen verhindert. Ein Prevent-Sprecher hatte unserer Zeitung gegenüber aber eingeräumt, dass es zu Lieferverzögerungen gekommen sei, weil „Volkswagen Rechnungen im Millionenbereich nicht pünktlich bezahlt hat“. Gestern wurde VW offenbar planmäßig beliefert.

Das Management reagiert in dem Schreiben mit Drohungen auf die Frage nach unbezahlten Sozialversicherungsbeiträgen. Wer etwas behaupte, was die Kreditwürdigkeit der NHG gefährde, sehe sich Schadenersatzforderungen gegenüber. Zugleich gab Prevent aber zu, dass der Arbeitgeberanteil der Beiträge im März gestundet wurde. Sie „werden im April und Mai nachgezahlt“, teilte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mit.

Zwei für die Mitarbeiter sicherlich positive Nachricht finden sich auch in den Antworten: zum einen, dass das Unternehmen seit kurzem schuldenfrei sei. Zum anderen heißt es,  man habe einen Auftrag von einem Industriekunden erhalten.

Unterdessen spitzt sich der Streit zwischen der Zuliefer-Gruppe Prevent und Volkswagen zu. Die Firmengruppe der bosnische Familie Hastor bereitet eine Milliardenklage gegen VW vor, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte. Volkswagen hatte im März Aufträge fristlos gekündigt, was sich Prevent offenbar nicht gefallen lassen wolle, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Jetzt fordere das Unternehmen Schadenersatz. In der Branche sei von zwei Milliarden Euro die Rede. Im Sommer 2016 hatte Prevent über seine beiden Tochterunternehmen ES Guss und Car Trim Volkswagen unter Druck gesetzt, nachdem der Auto-Riese Aufträge im Wert von 500 Millionen Euro storniert hatte. Die Prevent-Töchter stellten Lieferungen ein. Zeitweise standen in VW-Werken die Bänder still.

Anschließend einigte man sich in einem Vergleich, den VW nun aufgekündigt hat, obwohl er auf sechs Jahre angelegt war. Volkswagen begründet den Schritt damit, sich damals in einer Zwangslage befunden zu haben.

Am Werkstor der Neuen Halberg Guss in Brebach versammelten sich am Donnerstag rund 600 besorgte Mitarbeiter.
Am Werkstor der Neuen Halberg Guss in Brebach versammelten sich am Donnerstag rund 600 besorgte Mitarbeiter. FOTO: BeckerBredel