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Sarah Gillen erste Frau an der Spitze des Wirtschaftsausschusses im Saar-Landtag
„Man muss den Alltag der Bürger kennen“

Sarah Gillen informiert sich beim Tholeyer Bürgermeister Hermann Josef Schmidt über den Industrie- und Gewerbepark im Ortsteil Theley.
Sarah Gillen informiert sich beim Tholeyer Bürgermeister Hermann Josef Schmidt über den Industrie- und Gewerbepark im Ortsteil Theley. FOTO: Rich Serra
Saarbrücken. Was Sarah Gillen als erste Frau an der Spitze des  Wirtschaftsausschusses im Saar-Landtag bewirken will. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Ihre erste Berührung mit dem Saar-Landtag hat sie schon mit 14. Sarah Gillen besichtigt mit der Jungen Union das Parlament und ist „fasziniert davon, dass man einer relativ kleinen Zahl an Personen vertraut, die Geschicke eines ganzen Landes zu verantworten“. Dass sie selbst einmal ab 2017 als CDU-Abgedordnete dort sitzen und jetzt auch als erste Frau überhaupt im Saarland den Wirtschaftsausschuss leiten würde, hätte sich die verheiratete Mutter von zwei Kindern nach eigenen Worten nicht träumen lassen.


Gillen (34), Diplom-Ingenieurin aus St. Wendel, Beraterin von Bau-Interessenten, zugleich Mitglied in der CDU-Wirtschaftsvereinigung, will dem Wirtschaftsausschuss in der Öffentlichkeit deutlich mehr Gehör verschaffen. „Mein Anspruch ist, dass der Ausschuss nicht auf Themen reagiert, sondern sich selbst einmischt und Akzente setzt.“ Gillen stört zum Beispiel, dass das Saarland zwar ab 2020 mehr Geld bekommt, in der Verwaltung und den  Ministerien aber das Personal fehlt, Projekte zu planen und auf den Weg zu bringen. Das brauche viel Zeit. „Damit müssten wir eigentlich jetzt schon beginnen. Wir haben einen Sanierungsstau in allen öffentlichen Gebäuden, vor allem den Schulen, aber auch bei Brücken und selbst der Saar-Uni.“ Schlecht gedämmte Gebäude verursachten hohe Kosten und belasteten die Umwelt.

 Das Land müsse sich um die Ausweisung neuer Gewerbeflächen kümmern. Aushängeschilder wie der Lisdorfer Berg und andere Gebiete stießen an ihre Grenzen. Die Bahn müsse von der Saar-Politik und der Wirtschaft gemeinsam unter Druck gesetzt werden, um die Fernverkehrsverbindungen auszubauen. Auch die Verbindungen im Nahverkehr nach Lothringen und Luxemburg entsprächen nicht der Realität, da hier immer mehr Berufspendler unterwegs sind. Vom Saar-Flughafen erwartet sie, dass es schnell gelingt, mit der Airline Bmi regional viele Anschluss-Verbindungen über das Drehkreuz München hinaus buchen zu können (Durchtarifierung).



Im Straßenbau setzt die Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses auf bessere Vorab-Informationen des Gremiums. Es sei nicht nachvollziehbar, dass landesweit zahlreiche Wege nur notdürftig repariert werden, statt Schwerpunkte zu setzen und bestimmte Strecken komplett zu erneuern. Die Energiepreise will Gillen prüfen lassen. Sie seien im Vergleich zu anderen Regionen zu hoch. Im Erscheinungsbild des Saarlandes gegenüber Gästen bestehe Nachholbedarf in Sachen Sauberkeit. Gillen regt an, mehr Wettbewerbe auszuloben, die besonderes Engagement von Bürgern für attraktive Straßen und Grundstücke belohnen, etwa mit einem Straßenfest, das auch eine Brauerei unterstützen könne. Gillen will sich viele Anregungen in Gesprächen holen. „Man muss die Anliegen der Bürger kennen.“ Nur so entstehe Vertrauen zu Politikern. Und noch etwas ist ihr wichtig: „Mir geht es in der Regel um die Sache, auch in der Kommunikation. Ich rede lieber direkt mit jemandem statt über ihn.“