| 21:11 Uhr

Immer mehr Betriebe finden keine Lkw-Fahrer
Lkw-Fahrer werden dringend gesucht

Die Lkw-Branche hat akuten Personalmangel. In den kommenden fünf Jahre sind alleine in Deutschland rund 400.000 Stellen als Berufskraftfahrer zu besetzen.
Die Lkw-Branche hat akuten Personalmangel. In den kommenden fünf Jahre sind alleine in Deutschland rund 400.000 Stellen als Berufskraftfahrer zu besetzen. FOTO: Patrick Pleul
Saarbrücken . Verbraucher müssen mit längeren Lieferzeiten rechnen. Die Branche wirbt mit modernen Arbeitsbedingungen. Von Thomas Sponticcia

Rund 400.000 Lkw-Fahrer werden in den kommenden fünf Jahren bundesweit gesucht. Gleichzeitig ist der Markt nahezu „leergefegt“. Selbst in Osteuropa sind kaum noch Fahrer zu finden. Zudem gehe viele demnächst in Rente. Diesen Engpass werden Verbraucher durch längere Lieferzeiten zu spüren bekommen, befürchtet Claus Thomas Bodamer, Geschäftsführer des Landesverbandes Verkehrsgewerbe im Saarland. Betroffen sind alle Bereiche: Kühltransporte, Möbel, Textilien Baustoffe, Mineralöl,  Spezial- und Schwerlasttransporte, Gefahrengut, Umzüge und vieles mehr.



Offensichtlich haben viele junge Leute heute häufig ein falsches Bild von diesem Beruf, vermuten Bodamer und auch Axel Peifer, Inhaber der Spedition Peifer in Freisen. Wer heute einen Lkw fährt, habe eine deutlich verantwortungsvollere Tätigkeit als noch vor vielen Jahren, wirbt Peifer für diesen Beruf. Fahrer verhandelten mit Disponenten über Transporte und Strecken, kümmern sich um Dokumente, reden mit Kunden. „Zudem bedienen sie modernste Computertechnik im Lkw, die von der Ausstattung her der in einem Flugzeug vergleichbar ist“, so Peifer. Auch der Komfort im Lkw entspreche modernsten Ansprüchen: von der Stand-Klimaanlage über  orthopädische, luftgefederrte Sitze bis hin zu einem Führerhaus im XXL Format, in dem sich der Fahrer bewegen kann. Alleine für diese Sonderausstattung müsse man in einem neuen Lkw im Schnitt 10.000 Euro rechnen.  Ein Lkw koste den Spediteur um die 100.000 Euro. Hinzu komme der Sattelauflieger für die Ware, der nochmals 30.000 Euro erfordert.

Peifer verweist auf einen Brutto-Tariflohn von 13,50 Euro. Hinzu kommen tägliche Spesen in Höhe von 23 Euro für den Fahrer. Die Spesenregelung gelte schon 20 Jahre. Hier sei die Politik gefordert, eine Erhöhung zu fördern. Gleichzeitig widerspricht Peifer dem Argument, Fahrer sähen ihre Familien nicht. Es werde so gut wie möglich versucht, ihnen entgegenzukommen. So sollen Fahrer mit Familie und Kindern ihren Urlaub nehmen können, wenn Schulferien sind. Bodamer berichtet, Touren würden möglichst so optimiert, dass Fahrer nicht zu lange von ihren Familien weg sind. Auch intern werde viel für ein gutes Betriebsklima getan, Peifer berichtet von einer Fahrer-Lounge, in der man sich trifft, sanitären Räumen „ in einem Tip-Top-Zustand“, und Festen, die von den Fahrern organisiert werden. Der Betrieb bildet mittlerweile selbst Fahrer aus. Viele Organisationen werben Nachwuchskräfte für den Beruf: von den Wirtschaftsjunioren, die das Berufsbild vorstellen, bis hin zur Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland.

 Berufskraftfahrer werden auch von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit vermittelt. Dort sind derzeit 254 freie Stellen gemeldet. Nach Angaben der Agentur bieten Bildungsträger Qualifizierungs-Angebote für Berufskraftfahrer an, gefördert von der Agentur. Zumal ein Lkw-Führerschein nicht reicht. Eine geförderte Qualifizierung inklusive Führerschein und Prüfung vor der IHK kann 7000 Euro kosten, sagt Michael Arnold, Referent für Verkehrsprüfung bei der Kammer. Dafür seien  die Chancen anschließend hervorragend, eine Stelle zu finden.