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Lernen in zwei Sprachen

Alicia Schneider kann Franzosen und Deutsche in ihrer jeweiligen Muttersprache beraten. Foto: Dietze
Alicia Schneider kann Franzosen und Deutsche in ihrer jeweiligen Muttersprache beraten. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Ensdorf. In einer deutsch-französischen Ausbildung absolviert Alicia Schneider den Praxisteil in Deutschland, geht aber in Frankreich zur Schule. So kann sie beide Abschlüsse machen. Lars Reusch

Als Alicia Schneider von ihrer Arbeit spricht, sagt sie einen Satz, der schlagartig klarmacht, dass deutsch-französische Arbeitsmarkt-Projekte im Saarland tatsächlich sinnvoll sein können. "Wenn ich mitbekomme, dass Kunden aus Frankreich sind", erzählt sie, "schwätz' ich die sofort auf Französisch an, ob ich helfen kann." Schneider ist Französin und Auszubildende bei Möbel Martin in Ensdorf , wo sowohl Saarländer als auch viele Franzosen ihre Inneneinrichtung kaufen - und mit ihrem französisch-saarländischen Charme punktet die 18-Jährige bei beiden Gruppen.



Schneider hat freilich einen Vorteil: Sie stammt zwar aus Schöneck in Frankreich, ihre Mutter ist aber Deutsche, drum ist sie zweisprachig aufgewachsen. Sie ist daher auch wie geschaffen für die deutsch-französische Ausbildung, die seit vergangenem Jahr angeboten wird: Junge Franzosen machen den praktischen Teil ihrer Ausbildung in einem saarländischen Betrieb und den theoretischen Teil in einer Schule in Frankreich. Nach zwei Jahren erreichen sie so den französischen Abschluss "BTS négociations relations clients" und haben die Möglichkeit, noch ein drittes Jahr dranzuhängen und den deutschen Einzelhandelskaufmann draufzusatteln.

Das ist auch Schneiders Ziel. Sie arbeitet gerne in Deutschland, hat hier auch schon ein Praktikum in der Parfümerie eines großen Kaufhauses gemacht. Ein Praktikum als Verkäuferin in einem Betrieb in Frankreich hat ihr dagegen gar nicht gefallen: Zu streng war es dort, anders als bei ihren Stationen in Deutschland, wo man auch mal Spaß haben dürfe.

Und um im Verkauf in Deutschland zu arbeiten, ist eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau natürlich von Vorteil. Und das nicht nur der Abschluss-Anerkennung wegen: Wenn sie Kunden im Ensdorfer Möbelhaus berät, welches Sofapolster das richtige oder welcher Grill am besten für sie geeignet ist, lernt Schneider Feinheiten des Deutschen kennen, mit denen sie selbst in ihrem zweisprachigen Elternhaus noch keine Berührung hatte.

Das zeigt auch, dass in einem so beratungsintensiven Einzelhandelsbereich wie einem Möbelhaus die deutschen Sprachkenntnisse besonders wichtig sind. Und es gibt auch formale Voraussetzungen für diese deutsch-französische Ausbildungsform: Französische Bewerber dürfen nicht älter als 25 sein und müssen ihren Wohnsitz in Frankreich haben. Das wieder ist für Alicia Schneider kein Problem: In Deutschland arbeitet sie zwar gerne, wohnen möchte sie aber doch auf der anderen Seite der Grenze, dort, wo Familie und Freunde leben.



Für Schneiders Arbeitgeber liegt der Vorteil der deutsch-französischen Ausbildung auf der Hand: Je nach Standort kommen bis zu 40 Prozent der Möbel-Martin-Kunden aus Frankreich. "Die sind dann immer froh, wenn ein Mitarbeiter französisch mit ihnen reden kann", erzählt Schneider. Für Möbel Martin, das für den Eigenbedarf ausbildet, besteht allerdings das Risiko, dass die jungen Franzosen das Unternehmen dann bereits nach zwei Jahren wieder Richtung Frankreich verlassen.

Schneider jedenfalls gedenkt, noch länger im Saarland zu bleiben. Auch zur Freude ihrer Mutter: "Die ist richtig stolz auf mich", erzählt die 18-Jährige.

Die Ausbildungsserie im Internet: www.saarbruecker-zeitung.de/serie-ausbildung