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Lebenshilfe St. Wendel
100 Jobs für Behinderte werden gerettet

Die insolvente Firma B Paulus, die Standorte in Rehlingen-Siersburg (unser Foto) und Merzig hat, erhält eine Zukunftsperspektive. Sie beschäftigt 160 Menschen, davon 100 mit Behinderung.
Die insolvente Firma B Paulus, die Standorte in Rehlingen-Siersburg (unser Foto) und Merzig hat, erhält eine Zukunftsperspektive. Sie beschäftigt 160 Menschen, davon 100 mit Behinderung. FOTO: Ruppenthal
Merzig/St. Wendel. Das Behindertenwerkstatt-Unternehmen B. Paulus soll von der Lebenshilfe St. Wendel übernommen werden. Vor knapp einem Jahr wurde es insolvent. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Das insolvente Behindertenwerkstatt-Unternehmen B. Paulus mit Standorten in Merzig und Rehlingen-Siersburg wird von der Lebenshilfe St. Wendel, Merzig-Wadern übernommen. Das bestätigte einer ihrer Geschäftsführer, der CDU-Landtagsabgeordnete Hermann-Josef Scharf, auf Anfrage. B. Paulus war Ende vergangenen Jahres bereits zum zweiten Mal in die Pleite gerutscht. Seitdem leitet der als Insolvenzverwalter eingesetzte Saarbrücker Rechtsanwalt Günter Staab die Firma mit ihren rund 160 Arbeitnehmern. 100 davon sind behindert. Diese verpacken, konfektionieren und lagern unter anderem Tiefkühlprodukte, wie zum Beispiel Hochsee-Fische oder Gemüse. Die Gebinde werden an Handels- oder Gastronomieketten verkauft. Es wird ein Jahresumsatz von rund zwölf Millionen Euro erwirtschaftet.


Geplant ist, dass die Lebenshilfe St. Wendel, Merzig-Wadern, die zu diesem Zweck eine neue Gesellschaft gründet, die beiden Fertigungsstätten übernimmt. Die Produktionshallen in Merzig sollen angemietet werden. In Rehlingen-Siersburg soll zunächst ebenfalls Miete gezahlt werden. Später will die Lebenshilfe die Produktion dort konzentrieren und den Standort Merzig aufgeben. Im Lauf der Zeit soll dann die Immobilie in Rehlingen-Siersburg gekauft und in Raten finanziert werden. Dem Vernehmen nach ist hier das Land eingeschaltet. So soll die landeseigene SBB Saarland Bau und Boden Projektgesellschaft den involvierten Banken das Areal von rund 94 000 Quadratmetern zunächst abkaufen und später der Lebenshilfe überlassen. Über Details und Kaufpreise wurde Stillschweigen vereinbart. Außerdem müssen die Vereinbarungen noch in den zuständigen Aufsichtsgremien abgesegnet werden, machen die Beteiligten deutlich. Die Übernahme soll zum 1. März kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Der Einigungsdruck ist allerdings groß. „Es geht darum, dass 100 behinderte Menschen ihren Arbeitsplatz behalten“, macht Insolvenzverwalter Staab deutlich. „Sie hätten sonst nichts mehr.“ Dieser Auffassung schließt sich Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Barke (SPD) an. „Das ist keine normale Insolvenz, bei der wir den Menschen kündigen müssten und die sich dann nach einem anderen Job umsehen“, erläutert er.



Auch die Lebenshilfe St. Wendel sieht sich in der sozialen Pflicht. „Wir wissen, wie überlebenswichtig für behinderte Menschen ihr Umfeld ist“, sagt Geschäftsführer Scharf. „Das gilt besonders für ihren Arbeitsplatz.“ Die Nordsaarländer betreiben bislang noch keine Werkstatt für behinderte Menschen, sondern kümmern sich in erster Linie darum, dass die von ihnen betreuten Frauen und Männer möglichst selbstbestimmt wohnen und ihre Freizeit sinnvoll gestalten können. Die St. Wendeler sind bislang lediglich am Werkstattzentrums (WZB) der Lebenshilfe mit Sitz in Spiesen-Elversberg beteiligt. Mit fünf Werken und 1400 Beschäftigten zählt die WZB zu den größten Behinderten-Einrichtungen im Land.

Paulus war schon einmal in die Pleite abgerutscht. Diese sogenannte Insolvenz in Eigenregie war erst im März 2016 abgeschlossen worden. Allerdings blieben zwei  große Verlustbringer – eine Behinderten-Werkstatt und ein Wohnheim in Thüringen – damals im Unternehmensverbund. Bei dem neuen Verfahren wurden diese abgespalten und verbleiben in der Insolvenzmasse, erläutert Staab.