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Die Lage bei Halberg Guss spitzt sich zu
„Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende“

Der Streik der Motorblock-Gießer der Neuen Halberg Guss (NHG) dauert mit dem heutigen Samstag bereits einen Monat. Die Forderung nach einer Verhandlungs-Lösung wird immer lauter. 
Der Streik der Motorblock-Gießer der Neuen Halberg Guss (NHG) dauert mit dem heutigen Samstag bereits einen Monat. Die Forderung nach einer Verhandlungs-Lösung wird immer lauter.  FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Saarbrücken/Köln. Der Chef des Motorenbauers Deutz, Frank Hiller, warnt die streikenden Mitarbeiter von Halberg Guss vor einer Katastrophe.

Mit einem leidenschaftlichen Appell hat sich der Vorstandsvorsitzende des Kölner Motorenbauers Deutz, Frank Hiller, gestern an die Mitarbeiter der Motorblock-Gießerei Neue Halberg Guss (NHG) gewandt. „Wenn der Streik weitergeht, wird Halberg einen Riesenschaden erleiden“, sagte der Manager unserer Zeitung. „Das endet in einer Katastrophe.“ Seiner Auffassung nach „wird das Vertrauen in das Unternehmen nachhaltig zerstört“. Deutz selbst habe inzwischen die Lieferungen aufgebraucht, die dafür gedacht gewesen seien, die Zeit der Betriebsferien bei NHG, die nächste Woche beginnen, zu überbrücken.


„Sollte sich die Situation nicht bald entspannen, können auch wir bei Deutz einen zwangsweisen Produktionsausfall und damit verbundene Kurzarbeit in unserem Unternehmen nicht länger ausschließen“, betonte er. Seinen Informationen zufolge gelte das auch für andere NHG-Kunden. Er rief dazu auf, die Betriebsferien, die bei NHG in der kommenden Woche beginnen, auszusetzen und die Produktion wieder aufzunehmen. Parallel dazu könne weiter verhandelt werden. In einer Videobotschaft, die über den Internet-Kanal Youtube (Link siehe unten) verbreitet wurde, appellierte er an die NHG-Geschäftsführung, an die Muttergesellschaft Prevent, aber auch an den Betriebsrat, die Gewerkschaft IG Metall und die Politik: „Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende.“



Ähnlich Appelle kommen inzwischen auch von NHG-Zulieferern aus dem Saarland. „Etliche Lieferanen sind in Not“, sagt ein Firmeninhaber mit langjährigen Geschäftbeziehungen zu NHG, der allerdings nicht genannt werden will. Seines Wissens würden sich außerdem die guten Leute bei NHG „schon nach anderen Jobs umsehen“.

Dennoch will die Gewerkschaft in der kommenden Woche den Streik weiterführen, wie der 2. Bevollmächtigte der Saarbrücker Verwaltungsstelle der IG Metall, Patrick Selzer, auf Anfrage bestätigte. Den juristischen Segen für diesen Arbeitskampf hat gestern das Arbeitsgericht Frankfurt erteilt. „Nach Auffassung des Gerichtes ist der Streik nicht rechtswidrig“, heißt es in einer Mitteilung. Direkt nach dem Richterspruch hat die NHG-Geschäftsführung eines Berufungsverfahren vor dem Landesarbeitsgericht Hessen angestrengt. Diese Gerichtsverhandlung findet am Montag statt. Prozessgegner ist der Bundesvorstand der IG Metall.

Der Leiter des Bezirks Mitte der IG Metall, Jörg Köhlinger, forderte die Geschäftsführung auf, schnell an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Die IG Metall hat kein Interesse an einem Dauer-Arbeitskampf, sondern an raschen, aber eben auch konstruktiven Verhandlungen“, erklärte er laut einer Mitteilung. „Wir stehen für eine zügige Fortsetzung der Verhandlungen bereit, von uns aus kann und sollte es schon am Montag oder Dienstag weitergehen“, betonte er. Dann müsse sich die Arbeitgeberseite „aber auch inhaltlich bewegen“. Die IG Metall bleibe bei ihrer Forderung nach einem Sozialtarifvertrag. Außerdem soll über einen Treuhänder ein Fonds eingerichtet werden, der die Nachteile von denen ausgleicht, die ihren Arbeitsplatz betriebsbedingt verlieren. Die letzte Verhandlungsrunde war am Donnerstag ergebnislos abgebrochen worden.

Nach Auffassung von NHG-Geschäftsführer Alexander Gerstung setzt der Streik „die Existenz des wirtschaftlichen erfolgreichen Betriebsteils in Saarbrücken aufs Spiel“. Mit dem am Donnerstag vorgelegten Angebot „sind wir an die äußerste Grenze dessen gegangen, was finanziell noch tragfähig gewesen wäre“. Dennoch signalisieren er und Mit-Geschäftsführer Barbaros Arslan weiterhin Verhandlungsbereitschaft.

„Im Sinne aller Beteiligten sind wir weiterhin verhandlungsbereit, um im Interesse der verbleibenden Arbeitsplätze eine wirtschaftlich tragfähige Lösung zu finden“, betont Arslan. „Wir stehen jederzeit für Gespräche zur Verfügung, um zu einer Einigung zu kommen.“ Es scheine hier aber „hauptsächlich um Abläufe gewerkschaftlicher Prozesse statt um wirtschaftliche Sinnhaftigkeit, die Rettung der Arbeitsplätze und die Nöte unserer Kunden zu gehen“, heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsführung.

Frank Hiller, Vorstandschef des Motorenbauers Deutz.
Frank Hiller, Vorstandschef des Motorenbauers Deutz.
(low)