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Einkommen
Kritik an Arbeitskammer zu Saar-Niedriglöhnen

Sind die Löhne im Saarland wirklich niedriger als in anderen Regionen der Republik?
Sind die Löhne im Saarland wirklich niedriger als in anderen Regionen der Republik? FOTO: Arno Burgi / dpa
Saarbrücken. Auf heftige Kritik ist die Darstellung der Arbeitskammer (AK) Saar gestoßen, dass im Saarland angeblich niedrigere Löhne als in anderen Regionen der Republik gezahlt werden.

Auf heftige Kritik ist die Darstellung der Arbeitskammer (AK) Saar gestoßen, dass im Saarland angeblich niedrigere Löhne als in anderen Regionen der Republik gezahlt werden (wir berichteten). „Im Saarland tätige Arbeitnehmer verdienen mehr als ihre Kollegen im Bund“, sagt Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland. Der von der AK behauptete Verdienstrückstand beruhe auf einer falschen Vergleichsbasis, heißt es in einer Mitteilung. Statt des Durchschnittseinkommens müsse das mittlere Einkommen herangezogen werden. Bei dieser Methode würden Spitzeneinkommen nicht berücksichtigt, „die vor allem in Konzernzentralen verdient werden“. Diese seien im Saarland rar gesät. Bei dieser Berechnung liege das Einkommen hierzulande um 3,7 Prozent über dem Bundesschnitt. Bei den Arbeitnehmern mit qualifiziertem Berufsabschluss betrage der Verdienstvorsprung sogar 6,9 Prozent.



Ähnlich argumentiert Joachim Malter, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU). „Das Einkommen eines Schreiners, einer Verkäuferin oder eines Industrie­mechanikers im Saarland unterscheidet sich nämlich keineswegs vom Durchschnitt der Republik.“ Im Saarland würden bei den Einkommen „eigentlich Verhältnisse herrschen, die eine sozial denkende Einrichtung wie die Arbeitsammer sogar begrüßen müsste“, sagt Malter. „Die unteren Leistungsgruppen verdienen mehr als im Rest Deutschlands und in den oberen haben wir kaum Spitzenverdiener.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen.
IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen. FOTO: BeckerBredel / IHK Saarland

Der VSU-Chef schließt sich allerdings der Einschätzung an, „dass wir durch Leitinvestitionen in Wissenschaft, Bildung und Forschung“ dafür sorgen müssten, dass gut bezahlte Arbeitsplätze geschaffen werden. Wer allerdings Ansiedlungen von Unternehmen fördern will, dürfe den ohnehin schon gut verdienenden Arbeitnehmern nicht noch mehr Lohn geben.

„Solange deren Entgelt nur knapp über dem Bundesdurchschnitt liegt, mag man Ansiedlungen ja noch anlocken können“, sagt Malter. „Wenn diese Gruppen aber glauben, sie müssten nun noch acht Prozent mehr verdienen, wird das mit der Attraktivität des Standorts, Investitionen und Neuansiedlungen nichts werden.“

(red)