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Krankenversicherungen
Krankenkassen-Beiträge könnten leicht sinken

Berlin/Saarbrücken. Die Krankenkassen-Beiträge können im nächsten Jahr um 0,1 Prozentpunkte sinken. Diese Experten-Prognose ist nicht unumstritten.

Rekordbeschäftigung und gute Konjunktur bescheren den Beitragszahlern im kommenden Jahr voraussichtlich eine Entlastung bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Bundesgesundheitsministerium und Bundesversicherungsamt gehen davon aus, dass der Zusatzbeitrag von derzeit 1,1 Prozent auf 1,0 Prozent reduziert werden kann.



Die Krankenkassen erwarten zwar höhere Ausgaben und sind deswegen gegen eine Reduzierung. Damit wurde in dem zuständigen Schätzerkreis, dem alle drei Seiten angehören, gestern kein Einvernehmen erzielt. Doch letztlich legt das Ministerium den Zusatzbeitrag fest. Diese Entscheidung soll bis 1. November fallen. Wenn es ihn wie erwartet senkt, reduziert sich der Gesamtbeitrag für die 54 Millionen Kassenmitglieder im Schnitt von 15,7 Prozent auf 15,6 Prozent vom Bruttolohn. Allerdings ist dies ein Durchschnittswert. Einzelne Kassen können darunter oder darüber liegen. Bei der Ortskrankenkasse Rheinland-Pfalz/Saarland liegt der Zusatzbeitrag derzeit bei den für 2017 empfohlenen 1,1 Prozent. Ob und wie er sich im kommenden Jahr verändert, „entscheidet der Verwaltungsrat im Dezember“, so eine Kassensprecherin. Die Saarbrücker Innungskrankenkasse IKK Südwest erhebt einen Zusatzbeitrag von 1,5 Prozent. Bei der IKK hat der Verwaltungsrat bereits entschieden, dass dieser Beitragssatz auch im Jahr 2018 gelten wird, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Einvernehmlich geht der Schätzerkreis von Einnahmen des Gesundheitsfonds im laufenden Jahr von 216 und im kommenden Jahr von 222,2 Milliarden Euro aus. Der Fonds ist die Geldsammel- und -verteilstelle für die Krankenkassen. Bei den Ausgaben erwarten Ministerium und Versicherungsamt für dieses Jahr 226,4 und für das kommende Jahr 236,2 Milliarden Euro, die Krankenkassen dagegen 227,2 und 237,3 Milliarden Euro.

Der stabile Beitrag ist vor allem auf die anhaltend gute Beschäftigungslage zurückzuführen. Zudem hatte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Krankenkassen im Wahljahr 2017 zusätzliche 1,5 Milliarden Euro aus der Reserve des Gesundheitsfonds zukommen lassen. Mitte des Jahres waren die Finanzreserven der gesetzlichen Krankenkassen auf rund 17,5 Milliarden Euro gestiegen. Somit wurde im ersten Halbjahr 2017 fast schon der Überschuss des Gesamtjahrs 2016 von 1,62 Milliarden Euro erreicht. Im Gesundheitsfonds, über den die Gelder an die einzelnen Kassen verteilt werden, befanden sich Ende 2016 rund 9,1 Milliarden Euro. Diese Reserve dürfte aber inzwischen kleiner geworden sein.

Seit 2015 zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte einen festen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Den Zusatzbeitrag von derzeit 1,1 Prozent zahlen die Arbeitnehmer alleine.



Die Betriebskrankenkassen (BKK) haben die geplante Senkung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags kritisiert. Vielen Versicherten würden finanzielle Spielräume zur Beitragssenkung vorgegaukelt, die in der Praxis bei den allermeisten Krankenkassen nicht vorhanden seien, erklärte der Vorstand des BKK-Dachverbands, Franz Knieps.

Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, erklärte: „Die gesetzliche Krankenversicherung befindet sich in einem guten Prozess der finanziellen Stabilisierung. Trotzdem liegen die Rücklagen der Krankenkassen insgesamt unter einer Monatsausgabe. Deshalb wäre es richtig, den Stabilisierungsprozess der vergangenen Jahre fortzusetzen.“