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Kommentar
Viele Menschen werden vergessen

Kommentarkopf Lothar Warscheid
Kommentarkopf Lothar Warscheid FOTO: Robby Lorenz / SZ

Eine rund laufende Konjunktur ist für jeden Wirtschaftspolitiker eine feine Sache. Die Unternehmen sind zufrieden. Es kann sogar der eine oder andere Firmennneubau eröffnet werden. Also alles gut? Leider nein, weil neben aller Euphorie viele Menschen vergessen werden. Rund 20 Prozent der Arbeitnehmer sind in so genannten prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt – also ungewollt in Teilzeit oder haben nur eine befristete Anstellung. Trotz der Suche nach Fachkräften ist die Leiharbeit nach wie vor verbreitet, und zwar mit dem Ziel, die Arbeitskosten zu senken und nicht, um Auftragsspitzen abzufedern. Wer dann bei 2000 Euro brutto verharrt, bekommt eher die Schattenseiten des Booms mit – nämlich steigende Lebensmittel-, Wohn- und Energiekosten. Kommt es tatsächlich zu Lohnerhöhungen, werden sie direkt von einem progressiven Steuertarif abgeschöpft. Auf der anderen Seite verharrt die Zahl der Langzeitarbeitslosen weiterhin auf einem hohen Niveau von rund 870 000 Menschen. Auch diese müssen größtenteils in den Arbeitsmarkt integriert werden, wenn sie nicht zu Dauerverlierern werden sollen. Es bleibt also noch viel zu tun.