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Kaum Chancen für ältere Erwerbslose

Berlin. Langzeitarbeitslose über 58 Jahre bekommen oftmals über lange Zeit kein Jobangebot mehr und fallen schließlich aus der Statistik heraus. Die Zahl der Betroffenen lag im vorigen Jahr um mehr als die Hälfte über dem Wert von 2011. Stefan Vetter

Ältere Langzeitarbeitslose haben auf dem Arbeitsmarkt offenbar zunehmend schlechte Karten. So ist die Zahl der über 58-jährigen erwerbslosen Hartz-IV-Empfänger , die mindestens ein Jahr lang kein Jobangebot mehr bekamen, seit 2011 um mehr als die Hälfte gestiegen. Das geht aus Daten der Bundesregierung hervor, die unserer Zeitung vorliegen.


In der offiziellen Arbeitslosenstatistik tauchen sie gar nicht mehr auf. Denn nach dem Sozialgesetzbuch gelten Personen über 58 Jahre, die länger als ein Jahr ohne Arbeit sind, nicht mehr als erwerbslos, wenn ihnen von den Jobcentern zwölf Monate lang kein Angebot für eine versicherungspflichtige Beschäftigung unterbreitet wurde. Wie die Bundesregierung jetzt auf eine Anfrage der Linkspartei mitteilte, fielen darunter im vergangenen Jahr durchschnittlich fast 163 000 Personen. Im Jahr 2011 waren es nur 106 500 gewesen. Das entspricht einer Steigerung von rund 53 Prozent.

Auch die Zahl der mindestens 58 Jahre alten Langzeitarbeitslosen, die statistisch als Arbeitslose gelten, hat sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich erhöht - von knapp 118 000 auf fast 167 000. Das ist ein Anstieg um 42 Prozent. Dagegen sank die Zahl der über 58-jährigen Erwerbslosen, die an aktivierenden Maßnahmen teilnehmen oder Ein-Euro-Jobs verrichten, im gleichen Zeitraum um rund 17 Prozent. Und das, obwohl sich an der Gesamtzahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger in dieser Altersgruppe seit 2011 kaum etwas verändert hat. Sie erhöhte sich nur geringfügig um etwa 3000 auf knapp 478 000 Personen.

"Ältere Arbeitnehmer haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer, eine neue Stelle zu finden", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linkfraktion, Sabine Zimmermann . Doch ganz offensichtlich hätten die Jobcenter viele von ihnen als nicht vermittelbar abgeschrieben. Dabei müsse gerade in die Betreuung und Vermittlung älterer Erwerbsloser investiert werden. "Einer der wesentlichen Gründe für Altersarmut ist langjährige Erwerbslosigkeit direkt vor Erreichen des Rente", sagte die Linken-Politikerin. Schon deshalb verbiete sich jede Diskussion um eine Erhöhung des Renteneintrittsalters.