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Homburger Brauerei
Karlsberg Brauerei setzt auf Alkoholfreies

Karlsberg-Chef Christian Weber begutachtet Bier. Er sieht die Unternehmensgruppe nach einem umfassenden Umbau auf gutem Kurs.
Karlsberg-Chef Christian Weber begutachtet Bier. Er sieht die Unternehmensgruppe nach einem umfassenden Umbau auf gutem Kurs. FOTO: Iris Maria Maurer
Homburg. Im Umbruchsjahr 2017 sind bei der Homburger Firmengruppe Umsatz und Gewinn gesunken. In diesem Jahr soll es wieder aufwärts gehen. Von Udo Lorenz

Keine Bierpreiserhöhung bei Karlsberg bis mindestens Herbst dieses Jahres, neue Marken wie naturtrübes „Kellerbier“ – und immer mehr Alkoholfreies, von 0,0-Prozent-Mixery-Produkten bis hin zu Afri Cola und Bluna, wovon bald die Markenrechte gekauft werden sollen. Diese Linie verfolgt derzeit die Homburger Karlsberg-Unternehmensgruppe, wie es gestern bei der Vorstellung der Bilanzzahlen für 2017 hieß. Die Gruppe – mit der Keimzelle Karlsberg Brauerei GmbH und als Mehrheitsaktionär der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach GmbH & Co. KG – sieht sich nach den Worten ihres Chefs Christian Weber nach Mengenabbau, Umsatzrückgang und Umstrukturierung für die Zukunft gut aufgestellt. Das spiegelt offenbar auch die Bewertung der Unternehmensanleihe an der Börse wieder. Obwohl die Wirtschaftsauskunftei Ende vergangenen Jahres das Rating von BB auf BB- Ende vergangenen Jahres herabgesetzt hat,  notiert die 40-Millionen-Euro-Anleihe aktuell zwischen acht und zehn Prozent über dem Ausgabekurs.


„Wir haben ein wahnsinnig wichtiges Jahr 2017 hinter uns“, sagte Weber. „Das Geschäftsjahr stand im Zeichen des Umbruchs und Übergangs mit dem Ziel, eine nachhaltige Verbesserung der zukünftigen Ertragskraft zu erreichen.“ Das sei mit Konzentration auf das Inlands- und Premium-Markengeschäft gelungen, und Karlsberg habe im dritten Jahr hintereinander bewiesen, dass auch das zukunftsorientierte Geschäft mit Mineralwasser, Saft und hochwertigen alkoholfreien Getränken floriere, sagte Weber. Das noch bis 2019 dauernde Kostensenkungsprogramm sehe vor, den Personalbestand von 570 Mitarbeitern bei der Brauerei am Standort Homburg und 1300 Mitarbeitern im Verbund bis auf den altersbedingten Abbau von 42 Arbeitsplätzen weitgehend stabil zu halten, sagte Weber.

Die Karlsberg-Brauerei GmbH hatte nach den Worten ihres Geschäftsführers Markus Meyer „eine überdurchschnittliche Performance im Inlandsgeschäft und einen Mengenabbau im Ausland“. So sank der Gesamtumsatz der Brauerei wie prognostiziert um 22,7 Prozent auf 123,1 Millionen Euro (Vorjahr: 159,2 Millionen Euro). Das Geschäft mit den Marken Karlsberg und Mixery stieg um 3,8 Prozent auf 65,9 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um 11,9 Prozent auf 14,8 Millionen Euro zurück – nach 16,8 Millionen Euro im Jahr zuvor. Die Ertragskraft ging allerdings herauf. Die Ebitda-Gewinnmarge stieg von 10,6 auf 12,0 Prozent.

Für das Gesamtjahr 2018 erwartet Karlsberg einen Anstieg der Umsätze im einstelligen Prozentbereich. Die Gewinne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sollen „im unteren zweistelligen Bereich gesteigert werden“, kündigte das Unternehmen an. Die Ertragskraft soll also weiter zulegen. 80 Prozent des Karlsberg-Bierabsatzes werden im Handel, 20 Prozent in der Gastronomie gemacht.

Die Mineralbrunnen Überkingen-Teinach-Gruppe (MIN KG), bei der Karlsberg einen Anteil von mehr als 50 Prozent hält, steigerte ihren Umsatz 2017 im dritten Jahr in Folge. Die Erlöse legten um 2,3 Millionen auf 142,1 Millionen Euro zu. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich nach Unternehmensangaben um 21,2 Prozent auf 20,0 Millionen Euro (2016 waren es 16,5 Millionen). Zur MIN KG mit Sitz in Bad Teinach-Zavelstein (Baden-Württemberg) gehören Gastronomie- und Spezialitätenmarken wie Afri, Bluna und Vaihinger sowie Kindworth-Fruchtlimos und Fruchtschorlen. Auch die MIN KG erwartet für 2018 ein Umsatzplus im einstelligen Prozentbereich und zudem ein Ebitda-Ergebnis auf Vorjahresniveau.