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Drama bei Saarbrücker Gießerei
IG Metall: So zieht Prevent Werte aus der Neue Halberg Guss heraus

(Symbolbild).
(Symbolbild). FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Prevent saugt die Neue Halberg Guss (NHG) aus. Dieser Vorwurf gegen den Eigentümer der Saarbrücker Gießerei steht schon lange im Raum. Von Volker Meyer zu Tittingdorf
Volker Meyer zu Tittingdorf

Die IG Metall hat einen konkreten Verdacht und ein aktuelles Beispiel: Die Prevent-Gruppe hat demnach möglicherweise Maschinen im sogenannten Sale-and-­Lease-Back-Verfahren an eine eigene Firma verkauft. Bei diesem Verfahren werden Anlagen veräußert und zurückgemietet, um frisches Geld zu besorgen. Am Mittwoch ließ die Geschäftsführung beteuern, der Käufer sei ein fremdes amerikanisches Unternehmen. Amerikanisch stimme, sagt auch die Gewerkschaft. Nur habe Prevent sehr wohl etwas damit zu tun. Laut IG Metall wurden die Maschinen an die American Die Casting Holdings veräußert. Im Zusammenhang mit diesem Unternehmen und brasilianischen Partnergesellschaften taucht dem dortigen Firmenregister zufolge immer wieder ein Name auf: Rogerio Luis Goncalves. Er ist seit Mitte April auch Geschäftsführer der NHG.


Goncalves leitete zuvor bereits Prevent-Tochterunternehmen in Brasilien und legte sich dort mit Volkswagen an, wie das Manager-Magazin berichtete. 2015 hatte VW großen Ärger mit Prevent in Brasilien wegen Lieferstopps: 160 Tage Produktionsausfall, 18 000 Mitarbeiter in Zwangsurlaub, 140 000 nicht gefertigte Fahrzeuge, alles zusammen nach Darstellung des Autokonzerns ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe. Unmittelbar nach der Berufung von Goncalves zum Geschäftsführer bei Neue Halberg Guss unterbrach das Unternehmen Lieferungen an VW.

Die Belegschaft will jedenfalls im Kampf um die Arbeitsplätze verhindern, dass der Käufer der Maschinen, irgendetwas abbaut und fortschafft. Am Donnerstag haben die Mitarbeiter deshalb die Zufahrt blockiert. Am Freitag leitete der Betriebsrat juristische Schritte ein, um den befürchteten  Abtransport zu verhindern. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung wäre eine Verlagerung von Anlagen ein unzulässiger Vorgriff auf Maßnahmen, über die Betriebsrat und Management demnächst vorm Arbeitsgericht erst verhandeln wollen, wie Betriebsratschef Bernd Geier erläuterte. Der Betriebsrat habe nun in einem Schreiben an die Geschäftsführung gefordert, das Fotografieren von Anlagen zu unterlassen und einen Abbau zu verhindern. „Sollte die Geschäftsführung dagegen verstoßen, werden wir eine einstweilige Verfügung beim Arbeitsgericht beantragen, sagte Geier.



Er befürchtet, dass insbesondere Anlagen, mit denen Gussteile für Volkswagen und Daimler produziert werden können, fortgeschafft werden sollen. Bei einem Gespräch des Betriebsrats mit dem Management in Frankfurt, habe Geschäftsführer Alexander Gerstung am Donnerstag angekündigt, dass das Unternehmen „nur die Maschinen, die wir noch brauchen, zurückmietet“, wie Geier sagte. Gerstung habe dann auch mitgeteilt, dass Daimler die Lieferverträge gekündigt habe. Damit würden Anlagen für Daimler nicht mehr gebraucht. VW wird schon seit längerem nicht mehr beliefert. Welche Maschinen die Neue Halberg Guss noch braucht, habe der Geschäftsführer nicht gesagt.

Anfang des Jahres, als Prevent die Gießerei mit damals 1500 Mitarbeitern in Saarbrücken und 700 in Leipzig übernommen hatte, waren VW und Daimler die Hauptkunden. Aus Sicht von IG Metall und Betriebsrat wurden sie durch enorme Preiserhöhungen und Lieferstopps vergrault.