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Kampf um Rohstoffe
Kampf um das „Gold“ der Elektroautos

Berlin. Die Abhängigkeit der Industrieländer von den Rohstoffen Lithium und Kobalt wächst

Ohne sie muss die Revolution auf der Straße, in der Energiewelt und bei der digitalen Kommunikation ausfallen: Lithium, Kobalt, Coltan und die Metalle der Seltenen Erden sind der Grundstein für Elektroauto-Batterien, Windkraftanalgen und Smartphone-Akkus. Auch in vielen anderen Produkten kommen die kostbaren Rohstoffe vor.



Vor allem bei Lithium zeichnet sich jedoch eine wachsende Knappheit ab – mit möglichen Folgen für die Versorgung von Herstellern und Kunden auch in Deutschland. Zumal der Wirtschaftsgigant China versucht, weltweit Zugriff auf immer größere Vorkommen zu erhalten, um die eigene Industrie besser gegen Preiskapriolen abzusichern.

Batterien von E-Autos, aber auch viele weitere Elektronikprodukte sind auf Lithium angewiesen. Zwar sind andere Technologien in der Planung, der klassische Lithium-Ionen-Akku dürfte aber noch längere Zeit tonangebend sein. Als entscheidender Faktor für die oft noch unzureichende Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Kosten von Elektroautos steuert die Batterie den Wandel der Autobranche maßgeblich mit.

Das Dreiländereck Chile/Argentinien/Bolivien wird bereits als das „Saudi-Arabien Südamerikas“ bezeichnet. Am Salzsee von Uyuni im bolivianischen Hochland gibt es die wohl größten Lithium-Reserven der Welt. „Wir werden eine große Lithium-Industrie aufbauen, über 800 Millionen Dollar stehen dafür bereit“, sagte Boliviens Präsident Evo Morales vor einigen Monaten. Nach Tests mit einem Pilotsystem soll bald eine große Förderanlage errichtet werden.

Um den Bau der Lithium-Fabrik haben sich 26 Firmen beworben – von China über Russland, Finnland, Deutschland und Spanien bis Mexiko. In der Nähe soll eine große Batteriefabrik entstehen, die Bolivien als Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischen Unternehmen betreiben will. Bolivien hat mit geschätzt neun Millionen Tonnen die größten Lithium-Reserven. Chile wird bis auf weiteres aber Weltmarktführer bleiben – bis 2030 soll der Export von Lithiumkarbonat auf 180 000 Tonnen pro Jahr mehr als verdoppelt werden.



China ist einer der aktivsten Spieler bei Lithium. Das Land hat sich mit mehr als 500 000 verkauften Elektro- und Hybridwagen 2017 zum größten Absatzmarkt für E-Autos entwickelt. Peking will aber nicht nur Weltmarktführer in der E-Mobilität sein, sondern auch die vorgelagerte Produktion von Batterien dominieren. Schon heute verbraucht China über 40 Prozent des weltweiten Lithiums. Es streckt daher seine Fühler nach Südamerika aus – und auch nach Australien, wo Lithium ebenfalls in großem Stil gewonnen wird.

Doch nicht nur Lithium, auch die Metalle Kobalt, Nickel und Platin sowie Graphit und Seltene Erden spielen eine zentrale Rolle für die Hightech-Wirtschaft. Die Kobalt-Nachfrage wuchs von 2010 bis 2015 von 65 000 auf über 90 000 Tonnen pro Jahr. Derzeit wird die Hälfte in Batterien verbaut, wo das Metall es möglich macht, die Energiedichte kleiner Akkus zu erhöhen.

Auch für Magneten in Windturbinen, Bauteile von Gasturbinen oder Energiespeicher braucht man Kobalt. Das Öko-Institut in Freiburg erklärte kürzlich, es könne jedenfalls vorübergehend zu einer Verknappung kommen. Mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Kobalts kommt aus dem Kongo – dem unruhigen zentralafrikanischen Riesenreich von der Größe Westeuropas, das den Begriff Konfliktmineralien geprägt hat. Laut Schätzungen stammen zehn bis 20 Prozent des Kobalts aus kaum überwachten, improvisierten Minen und Kleinbergbau im Kongo.

(dpa)