| 22:02 Uhr

Börsensturz nach Fed-Schelte
IWF geht auf Distanz zu Trump

Christine Lagarde wies beim IFW-Treffen in Indonesien Trumps Kritik an der US-Notenbank Federal Reserve zurück.
Christine Lagarde wies beim IFW-Treffen in Indonesien Trumps Kritik an der US-Notenbank Federal Reserve zurück. FOTO: dpa / Firdia Lisnawati
Nusa Dua. Angesichts weltweiter Handelskonflikte sendet IWF-Chefin Lagarde eine Botschaft an Präsident Trump: „Reparieren, nicht zerstören.“ dpa

Mit einer deutlichen Abfuhr an die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump hat IWF-Chefin Christine Lagarde gestern die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank eröffnet. Das System des weltweiten Handels dürfe nicht zerstört werden, sagte sie zur Eröffnung des Weltbank-Treffens in Indonesien.


Trump hatte erklärt, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sei wegen ihrer raschen Zinserhöhungen „verrückt geworden“. Lagarde entgegnete hierauf, Notenbank-Chef Jerome Powell und der Fed-Vorstand wirkten sehr solide und seriös. „Ich würde ihn nicht mit Verrücktheit in Verbindung bringen“, sagte die IWF-Chefin dem US-Sender CNBC.

Die Federal Reserve hat in diesem Jahr schon drei Mal den Leitzins in den USA erhöht, ein vierter Schritt erscheint wahrscheinlich. Trump befürchtet offensichtlich vor den Kongresswahlen, dass der Boom in der US-Wirtschaft dadurch gebremst werden könnte.



Am Mittwoch war es nach den Äußerungen Trumps zu einem deutlichen Kurssturz an den US-Börsen gekommen. Der Leitindex Dow Jones erlebte den größten Verlust seit Februar. Auch die asiatischen Börsen, der Dax sowie der Ölpreis verzeichneten gestern erhebliche Abschläge. Auch gestern startete der Dow Jones schwach in den Handel.

Angesichts der unablässigen Angriffe Trumps auf die unterschiedlichen Handelsabkommen weltweit räumte Lagarde einen Reformbedarf des Handelssystems unter dem Dach der Welthandelsorganisation (WTO) ein. Ihre Forderung: „Repariert es, aber zerstört es nicht.“ Die Regeln des Welthandels hätten allen Nationen genutzt. Weltbank-Präsident Jim Yong Kim hatte erklärt, die Welt brauche „mehr Handel, nicht weniger“. Die Globalisierung habe Millionen Menschen aus der Armut geführt. Dies müsse weitergehen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) gab sich am Rande der Tagung überzeugt, dass der deutsche Haushalt gut aufgestellt ist für eine mögliche Eintrübung der Konjunktur und gegebenenfalls wieder steigende Zinsen auch in Europa. Der IWF hatte zuvor die Wachstumsprognose für Deutschland um 0,6 Punkte für das Jahr 2018 auf 1,9 Prozent zurückgenommen.