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ItN hofft nach Übernahme auf China

Saarbrücken. Weil Saudi-Arabien nach dem Ölpreis-Verfall die Investitions-Projekte auf Eis gelegt hat, ist ItN Nanovation der Haupt-Kunde weggebrochen. Jetzt soll es der chinesische Markt richten. Joachim Wollschläger

Jetzt werde alles besser, sagt ItN-Nanovation-Chef Lutz Bungeroth angesichts der Übernahme des Saarbrücker Nano-Unternehmens durch die chinesische Firma Shanghai Safbon Investments. Der Vorteil: Durch den neuen Eigner habe ItN Nanovation Zugang zum chinesischen Markt. Außerdem habe ItN mit Safbon nun einen Anlagenbauer als Muttergesellschaft, was die Möglichkeiten deutlich erweitere.



Seit sieben Jahren hält vor allem das Prinzip Hoffnung den saarländischen Nano-Spezialisten am Leben. 2006 als Profi für Nano-Beschichtungen an die Börse gegangen - mit einem Höchststand der Aktie von 25 Euro im Jahr 2007, stand die Firma drei Jahre später vor der Insolvenz. Der Kurs war mittlerweile auf 56 Cent gerutscht. Regelmäßig mussten die Eigner das Unternehmen mit frischem Kapital füttern. Die Hoffnung: Die einzigartige Technik des Unternehmens werde endlich ein Erfolg. Tatsächlich hat ItN mittlerweile ein vielversprechendes Produkt zur Marktreife gebracht: Mit seinen nano-beschichteten Filtern kann der Saarbrücker Spezialist Wasser von kleinsten Verunreinigungen befreien - sogar radioaktive Teile lassen sich ausfiltern. Und auch der Markt ist seit Jahren in Sicht: Bei zahlreichen Projekten für Tiefenwasser-Filterung in Saudi-Arabien war ItN bevorzugter Partner, erste Projekte waren schon in Arbeit. Die Hoffnung ließ auch den Aktienkurs wieder steigen - auf über drei Euro Ende 2012. "Doch mit dem Ölpreis-Einbruch hat Saudi-Arabien sämtliche Projekte auf Eis gelegt", sagt Bungeroth. Ein Jahr lang ging nichts mehr bei den wichtigsten Kunden der Saarbrücker. "Größere Unternehmen können so einen Einbruch wegstecken", sagt Bungeroth, ItN nicht. Im Mai hat die Firma Insolvenz angemeldet. Durch den Einstieg der Chinesen, der am Dienstag verkündet wurde (wir berichteten), konnte die Insolvenz aufgehoben werden.

Die Übernahme durch die chinesische Firma markiert auch das Ende des Engagements der Familie Stoll, der auch das Maschinenbau-Unternehmen Festo gehört. Über Jahre hatten sie ItN mit Millionen gestützt. Immer wieder hieß es, man glaube an die Technologie. Die Bedingungen ihres Ausstiegs stünden in der Pressemeldung des neuen Eigners, sagt Bungeroth. Doch die gibt es nur in Chinesisch.